„Europaweite Epidemie“ von Trichophyton tonsurans Was Sie zu dem aktuell grassierenden Hautpilz wissen müssen

Düsseldorf · Die Kopfhaut juckt und fühlt sich gereizt an, auf der Hautoberfläche bilden sich Schuppen und rote Flecken. Ein hochansteckender Fadenpilz verbreitet sich aktuell unter jungen Männern in Deutschland und Europa. Was hinter dem Phänomen steckt – und was gegen den Pilz hilft.

 Fachleute gehen davon aus, dass die Verbreitung des Pilzes unter anderem auf einen aktuellen „Barbershop-Boom“ zurückzuführen ist (Symbolbild).

Fachleute gehen davon aus, dass die Verbreitung des Pilzes unter anderem auf einen aktuellen „Barbershop-Boom“ zurückzuführen ist (Symbolbild).

Foto: dpa-tmn/Robert Günther

Wenn die Kopfhaut juckt und schuppt und sich im Nacken auffällige rote Flecken bilden, dann sollte man besser zeitnah einen Hautarzt aufsuchen. Ärzte und Ärztinnen in Deutschland entdecken aktuell immer mehr Infektionen, die auf einen speziellen Hautpilz zurückzuführen sind. Wie der Spiegel berichtet, sorgt der hochansteckende „Trichophyton tonsurans“ vor allem bei jungen Männern verstärkt für rote Entzündungen am Kopf und im schlimmsten Fall sogar für Haarausfall. Hier gibt es die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie genau verbreitet sich der Pilz?

Martin Schaller, Dermatologe an der Uniklinik Tübingen beobachtet bereits seit einigen Jahren, dass sich der Hautpilz ausbreitet. Verlässliche Zahlen gebe es zwar nicht, sagt er im Gespräch mit dem Spiegel. Aber: „Wir weisen den Pilz bei uns inzwischen drei- bis fünfmal so oft nach wie noch vor fünf Jahren.“ Auch die Charité in Berlin bestätigt, dass die Infektion immer häufiger diagnostiziert wird. Dermatologe Schaller spricht sogar von einer „europaweiten Epidemie“. Der Pilz wird durch Kontakt übertragen und kann mehrere Wochen auf Gegenständen überleben. Auch wer keine Symptome hat, kann ihn deswegen verbreiten.

Warum kommt der Pilz aktuell so häufig vor?

Lange Zeit war die Infektion vor allem im Ringsport verbreitet. Der Pilz nistete sich zum Beispiel in den Turnmatten ein und grassierte jahrelang unter den betroffenen Sportlern. Fachleute gehen bei den aktuellen Entwicklungen allerdings von einem anderen Grund aus. Sie führen die Infektionen auf mangelnde Hygiene in sogenannten Barbershops – also Friseurläden, die vor allem auf Männerfrisuren spezialisiert sind – zurück. Die Uniklinik in Tübingen gibt an, dass etwa 80 Prozent der betroffenen Patienten Barbershops besuchen würden. Viele typische „Barbershop-Schnitte“ wie zum Beispiel der „Low Fade“ oder ein Undercut liegen aktuell im Trend und würden gerade junge Menschen in die Läden ziehen. Außerdem bieten Barbershops ihrer Leistungen häufig vergleichsweise günstig an. Das bedeutet laut Angaben der Friseurmeisterin Judith Warmuth aus Erlangen aber auch, dass die Läden mehr Kunden am Tag schaffen müssten, um genug zu verdienen. Scherköpfe oder Klingen würden deswegen oftmals nicht gut genug oder gar nicht gereinigt. Und dann könne sich der Pilz auch besser übertragen, sagt Dermatologe Schaller.

Wie sollte man sich bei dem Verdacht auf eine Infektion verhalten?

Bis die ersten Symptome auftreten, dauert es in der Regel bis zu zwei Wochen. Wer glaubt, sich infiziert zu haben, sollte also engen Kontakt meiden. Sobald sich erste Symptome zeigen, sollte man einen Hautarzt aufsuchen. Außerdem ist es sinnvoll, den Friseursalon oder Barbershop zu informieren, aus dem der Pilz mutmaßlich stammt. Und es wäre gut, den eigenen Rasierapparat zu reinigen, sagt Friseurmeisterin Warmuth. Dafür brauche man allerdings ein spezielles Desinfektionsmittel aus dem Friseurbedarf.

Wie lässt sich eine Infektion behandeln?

Wenn tatsächlich eine Infektion diagnostiziert wurde, muss man sich keine Sorgen machen. In der Regel lassen sich die Entzündungen durch die tägliche Einnahme von Terbinafin-Tabletten gut behandeln. Allerdings kommen die Tabletten in Deutschland bei Kindern und Jugendlichen in solchen Fällen ohne offizielle Zulassung zum Einsatz. Und auch zu früh absetzen sollte man die Tabletten nicht. Laut Dermatologe Schaller dauert es meistens zwei, drei Monate, bis der Pilz nicht mehr nachweisbar ist.

Wird die Infektion nicht behandelt, kann es passieren, dass sich der Pilz weiter ausbreitet und die Haarwurzeln angreift. Im schlimmsten Fall kann das sogar zu einem komplett kahlen Kopf führen. Das Immunsystem löst die heftigen Entzündungen eigentlich aus, um den Pilz loszuwerden. Ist die Haut aber erst einmal vernarbt, wachsen dort keine Haare mehr.