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Neuer Gesundheitstrend: Haare waschen ohne Shampoo

Neuer Gesundheitstrend : Haare waschen ohne Shampoo

Ein Leben ohne Chemikalien? Das ist heute kaum möglich, stecken sie doch in nahezu allen Nahrungsmitteln und Kosmetika. Fans der "No shampoo"-Methode haben zumindest für einen Körperbereich eine Lösung gefunden: An ihre Haarpracht lassen sie keine Pflegeprodukte mehr heran. Was sich genau hinter diesem Trend verbirgt, erfahren Sie hier.

Sulfate, Paraffinöle, Silikone und Parabene — in einem herkömmlichen Shampoo stecken viele Stoffe, die laut Experten für unsere Gesundheit nicht unbedenklich sind. Über die Kopfhaut können sie in den Körper gelangen und Hautreizungen, Allergien und andere Beschwerden auslösen. Im Alltag kommt aber kaum jemand ohne die Haarwaschmittel aus: Ob kraftloses, fettiges oder coloriertes Haar, für jedes vermeintliche Kopfproblem kann der Konsument auf eine breite Produktpalette zurückgreifen. Dabei bleibt das gewünschte Ergebnis meist nur das - ein Wunsch. Das Haar sieht "nach wenigen Anwendungen" nicht wie versprochen glänzender aus, sondern wirkt immer stumpfer, oder es fettet so schnell nach, dass man das Haus nicht ohne tägliche Kopfwäsche verlassen möchte.

"No poo": Haarpflege ohne Chemikalien

Fans einer im Netz viel diskutierten Methode sind davon überzeugt, dass erst die jahrelange Verwendung von Pflegeprodukten und damit von Chemikalien dazu geführt hat, dass ihre Haare ungesund und glanzlos aussehen. Ihre Lösung dafür ist: "no poo", der kurze Ausdruck für "no shampoo". Ein Leben ohne Shampoo also, oder wie überzeugte Anhänger es beschreiben: "Eine Reise zu fabulösem, gesundem Haar!". An ihren Kopf lassen sie nichts Anderes mehr als warmes Wasser. Einige greifen zwar noch zu Naturprodukten wie Lavaerde oder selbstgemachte Essig-Spülungen, mehr jedoch nicht. Dabei gibt es verschiedene Varianten, von der radikalsten "NW/SO" - die Abkürzung für "No Water/Sebum only" (kein Wasser/nur Talg), hier wird ganz auf die Haarwäsche verzichtet — bis "low poo", bei der die Verwendung von sulfatfreiem Shampoo erlaubt ist.

Der Verzicht auf Shampoo und andere konventionelle Pflegeprodukte schont zum einen den Geldbeutel, zum anderen schwören die Anhänger darauf, dass ihr Haar dadurch kräftiger, voller und glänzender wirke. Es fette nicht mehr so schnell nach und müsse nur noch maximal einmal die Woche gewaschen werden — wenn denn erst die erste shampoo-lose Zeit überstanden ist. Wie die aussieht, kann sich jeder gut vorstellen: Lange Wochen mit fettigem, strähnigem Haar, das nicht gerade wie das alte Lieblingsshampoo "mit Apfelblüten-Note" duftet. Tester beschreiben diese Zeit wie einen Entzug, und das soll es auch sein: eine Entgiftung, damit das Haar seine eigenen Selbstreinigungs-Mechanismen wieder in Gang bringen kann. Den "breaking point" erreichen die meisten Shampoo-Abstinenzler nach vier bis sechs Wochen, von da an soll das Haar einen nie gekannten Glanz annehmen und gesund und kräftig aussehen.

Gründe für den Verzicht gibt es viele: der Wunsch mit weniger Chemikalien in Berührung zu kommen, nervtötende Allergien, oder die Verzweiflung über zu schnell fettendes Haar. Besonders Frauen mit langer Mähne finden Gefallen an der Methode, denn sie soll auch zu Zeitersparnis führen: Wer Haarwaschmitteln entsagt, müsse sich immer seltener die Haare waschen. Erstrebenswert finden das nicht nur die "No poo"-Anhänger. Von der täglichen Kopfwäsche raten sowohl Experten als auch einige Hersteller ab.

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Bei manchen geht's nicht ohne: "Der Geruch nach Ei macht mich wahnsinnig!"

Im Netz, ob in Facebookgruppen, bei Twitter oder Tumblr, tauschen sich Fans unter dem Hashtag #nopoo aus, geben selbsterprobte Tipps weiter, und ermutigen zum Weitermachen an besonders schlimmen Bad-Hair-Tagen. Großer Beliebtheit erfreut sich die "No poo"-Methode in den USA und Großbritannien, aber auch in Deutschland verbannen immer mehr Menschen ihr Shampoo in den Badezimmerschrank. Die tatsächliche Umsetzung ist aber gar nicht so einfach: Gerade in den ersten, jedoch entscheidenden Wochen scheitern die meisten Testerinnen - und lassen im Netz die ganze Welt an ihrem Haar-Leid teilhaben.

This no shampoo thing is killing me! My hair is so itchy and the smell of eggs is driving me insane! #NoPoo #Healthy

Nicht nur kratzende Kopfhaut und der penetrante Geruch nach Ei oder Apfelessig lassen verzweifeln. Pickel am Haaransatz, Schuppen und das Scheitern anderer Selbstversuche - solche Schauergeschichten verführen dazu, beim nächsten Drogeriebesuch doch wieder das altbewährte Haarpflegeprodukt in den Einkaufskorb zu legen. Mit seit Tagen ungewaschenen Haaren das Haus zu verlassen, ist ebenso Gewöhnungssache. Ein Hut oder eine streng nach hinten gekämmte Frisur können das eigene, zweifelnde Hygiene-Ich nicht täuschen: "Was mache ich hier bloß?".

Mancher #nopoo-Tester, der die Wochen fettiger, nicht vorzeigbarer Haare überstanden und statt Shampoo Alternativen wie Natron verwendet hat, freut sich am Ende hingegen über das deutliche Ergebnis.

Haven't used a drop of shampoo/conditioner in over 2 months. My hair has never been more full or grown so fast.#nopoo pic.twitter.com/FdjSaTU4YQ

Fazit

Trotz zahlreicher Erfolgsgeschichten ist das Leben ohne Shampoo nicht für jeden geeignet. Frauen oder Männer mit besonders pflegebedürftigen Haaren werden wohl ganz ohne konventionelle Pflegeprodukte nicht auskommen. Zudem ist Shampoo nicht gleich Shampoo. Es gibt auch Hersteller, die versuchen, möglichst wenig Chemikalien zu nutzen. Seine Haare aber nicht mehr täglich, sondern nur noch jeden zweiten oder dritten Tag zu waschen, kann in keinem Fall schaden.

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