Bislang erst im Spätstadium diagnostizierbar: Einfacher Bluttest für lebensbedrohliche Leberzirrhose

Bislang erst im Spätstadium diagnostizierbar : Einfacher Bluttest für lebensbedrohliche Leberzirrhose

London (rpo). Menschen mit einer Leberzirrhose leben gefährlich. Sie haben ein um bis zu 40-fach erhöhtes Risiko an Leberkrebs zu erkranken und sind von weiteren lebensbedrohlichen Komplikationen bedroht. Künftig könnte ein einfacher Bluttest eine Leberzirrhose bereits im Frühstadium sichtbar machen.

Belgische Forscher haben entdeckt, dass die Menge bestimmter Zuckermoleküle im Blut direkt vom Funktionszustand der Leber abhängt.

Weicht die Zuckerzusammensetzung von der Norm ab, ist das ein deutlicher Hinweis auf eine beginnende Leberschädigung, berichten die den Nico Callewaert und seinen Kollegen von der Universität Gent in der Fachzeitschrift "Nature Medicine" (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1038/nm1006).

Bislang kann eine Leberschädigung erst in späten Stadien an auffälligen Symptomen wie der Gelbfärbung des Augapfels oder durch eine so genannte Biopsie diagnostiziert werden, bei der mit einer dünnen Nadel Lebergewebe entnommen wird.

Je früher jedoch ein Leberschaden entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Eine einfache, günstige und sichere Alternative könnte in Zukunft der Bluttest sein, so die Wissenschaftler.

Die Forscher nutzen bei diesem Test aus, dass in der Leber in verschiedenen Stoffwechselprozessen unterschiedliche Zuckermoleküle für diverse Zwecke gebildet und verarbeitet werden. Eine Störung der Leberfunktion zeigt sich dementsprechend bereits sehr früh in Menge und Zusammensetzung dieser Zucker im Blut.

Bei ihrem neuen Test messen die Forscher diese Werte und können so das Stadium der Leberschädigung feststellen. In einer ersten Testgruppe von Patienten mit bereits bekannter Leberschädigung detektierte der Bluttest in fast 80 Prozent der Fälle die Leberzirrhose im Frühstadium. Die Forscher hoffen, diese Zuverlässigkeit noch weiter verbessern zu können.

Jahrelanger Missbrauch von Alkohol oder Medikamenten und Infektionen mit Hepatitis-Viren sind die häufigsten Gründe für chronische Lebererkrankungen. Je weiter eine solche Schädigung fortschreitet, desto schlechter kann die Leber ihre vielfältigen Funktionen aufrechterhalten, zu deren wichtigsten das Herausfiltern von Giftstoffen aus dem Blut gehört.

Die meisten chronischen Leberschäden beginnen mit der so genannten Leberfibrose, bei der Bindegewebe in das eigentliche, aktive Lebergewebe hineinwächst und damit nach und nach die Funktion der Leber stört. Das Endstadium, in dem die Leber nur noch aus einem narbigen Bindegewebe besteht und - wenn überhaupt - nur noch sehr eingeschränkt funktionsunfähig ist, wird als Leberzirrhose bezeichnet.

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