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Ebolavirus: Top-Immunologen in USA gegen Flugverbot für Ebola-Länder

Epidemie : Top-Immunologen in USA gegen Flugverbot für Ebola-Länder

Die erste Ebola-Diagnose in den USA lässt Forderungen nach einem Reise-Embargo für die von dem Virus geplagten Länder Westafrikas laut werden. Führende US-Immunologen halten dies nicht für das probate Mittel.

Die Furcht vor einer Ausbreitung der Ebola-Epidemie befeuert in den USA die Debatte über ein Reiseverbot für die betroffenen Länder in Westafrika. Der Direktor des Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten, Anthony Fauci, sprach sich gegen eine solche Maßnahme aus. Ein Reise-Embargo für die Region werde eine Eindämmung des Virus nur erschweren, sagte er in der TV-Sendung "Fox News Sunday." Zudem könnte eine Isolation der Länder zivile Unruhen und sogar den Sturz von Regierungen nach sich ziehen.

Der republikanische Senator Mark Kirk machte sich hingegen zum Schutz von Amerikanern für eine allmähliche Aussetzung von Flügen aus der Region stark. Sein Parteikollege Tim Murphy will noch in dieser Woche im Repräsentantenhaus Anhörungen zu dem Thema ansetzen.

Vergangene Woche war der erste Ebola-Fall auf amerikanischem Boden nachgewiesen worden. Bei dem Patienten handelt es sich um Thomas Eric Duncan, der nach einer Liberia-Reise in Dallas erkrankt war. Der Mann wird dort seit einer Woche auf einer Isolierstation einer Spezialklinik behandelt. Sein Zustand hat sich nach jüngsten Angaben dramatisch verschlechtert. Fast ein Dutzend Personen aus dem Umfeld Duncans, die mit ihm in Berührung gekommen sein könnten, werden beobachtet. Am Sonntag spürten die Behörden zudem einen Obdachlosen auf, der mit ihm Kontakt gehabt haben könnte.

Ein ebenfalls in Liberia an Ebola erkrankter US-Fotojournalist war am Sonntag auf dem Weg in seine Heimat. Ashoka Mukpo werde am Montag in einer Spezialklinik in Omaha im Staat Nebraska erwartet, teilte der TV-Sender NBC News mit. Der für die Isolierstation zuständige Arzt Phil Smith bestätigte die Angaben. "Wir sind bereit, willens und in der Lage, uns um diesen Patienten zu kümmern."

Mukpo arbeitete in Liberia als freier Kameramann für NBC News, als er vergangene Woche erkrankte. Der 33-Jährige ist der fünfte Amerikaner, der seit Beginn der Ebola-Epidemie in Westafrika zur Behandlung in seine Heimat ausgeflogen wurde. Erst im September war der an Ebola erkrankte US-Arzt Rick Sacra in derselben Spezialklinik in Omaha erfolgreich behandelt worden. Weitere Tests, die bei einem weiteren Krankenhausaufenthalt des 51-Jährigen gemacht wurden, hätten sich als negativ erwiesen, teilte die Klinik mit. Sacra hatte sich bei seiner Arbeit in einer Klinik in Liberia mit Ebola angesteckt.

In der Diskussion über ein mögliches Flugverbot für Westafrika gab der Leiter der US-Seuchenschutzbehörde CDC, Tom Frieden, zu Bedenken, dass die Maßnahme auch rückkehrwillige Amerikaner treffen würde. "Es gibt viele weitere Menschen, die ein Recht darauf haben, dieses Land zu betreten", sagte Frieden bei einer Lagebesprechung. Bis der Ausbruch in Westafrika nicht unter Kontrolle gebracht sei, sei ein Nullrisiko nicht zu erreichen. Im Gespräch mit dem Sender ABC zeigte sich Frieden zugleich für praktische Vorschläge offen, die keine Nebenwirkungen hätten.

Regierungsvertreter betonten zuletzt, das moderne Gesundheitssystem in den USA sei weitaus besser für eine Eindämmung von Ebola gerüstet als das in den besonders betroffenen Ländern Liberia, Sierra Leone und Guinea der Fall sei. Doch der republikanische Gouverneur von Louisiana, Bobby Jindal, äußerte scharfe Kritik. "Die Regierung von Präsident Obama sagt immer, dass wir die Flüge nicht aussetzen und stattdessen auf die Experten hören sollten. Diese Stellungnahme entbehrt jeder Logik." Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sind bislang mehr als 3400 Menschen an dem Virus gestorben.

Hier geht es zur Infostrecke: Ebola - Von ersten Fällen zum Internationalen Gesundheitsnotfall

(ap)