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Zwischen Hitze und Tornado-Warnung: Dr. Spechts Gesundheitstipps für das Jojo-Wetter

Zwischen Hitze und Tornado-Warnung : Dr. Spechts Gesundheitstipps für das Jojo-Wetter

Erst 20 Grad, dann pralle Hitze, nun Gewitter. Das Wetter fährt in diesen Tagen Achterbahn. Besondere Anstrengung bedeutet das vor allem für den Körper. Dr. Christoph Specht, hausarzt von RP Online, gibt im Interview die besten Tipps für jede Wetterlage.

Herr Dr. Specht, in den vergangenen Wochen waren die Temperaturen erst lau, dann kam extreme Hitze, nun drohen Gewitter. Was kommt bedeutet so eine Wetterlage für den Körper?

Dr. Specht: Für den Körper entstehen bei diesen Wechseln zwei Probleme: zum einen der Wechsel in der Temperatur, zum anderen der veränderte Luftdruck. Mit der Temperatur ist das so: Da wir Säugetiere sind, versucht unser Körper eine konstante Temperatur von etwa 36 bis 37 Grad zu halten. Wird es nun außen zu heiß, muss der Körper abkühlen. Dafür erweitert er die Blutgefäße, um mehr Oberfläche zu erzeugen und somit besser Wärme abgeben zu können. Das können Sie sich vorstellen, wie wenn man den Durchmesser eines Gartenschlauchs erweitert. Das Problem ist allerdings, wenn der Durchmesser größer wird, dann lässt sich auch nicht mehr so effektiv Wasser dadurch pumpen, da der Druck abfällt. Für den Körper bedeutet das, gerade bei Menschen mit einer Vorbelastung oder auch Frauen, bei denen der Kreislauf häufig etwas niedriger ist, dass das Blut leicht in die Beine sackt. Dadurch kann einem schwindelig werden, oder man fällt sogar in Ohnmacht.

Inwiefern hängt das mit dem Wetterwechsel zusammen?

Dr. Specht: In südlichen Ländern haben die Menschen dieses Problem wesentlich seltener. Das liegt daran, dass sie an die Hitze gewöhnt sind. Bei uns ist es aber erst kühl und dann plötzlich sehr warm. Da fällt es dem Körper schwerer die eigene Wärme zu regulieren. Wenn es dann auch noch schwül wird, funktioniert zusätzlich die Verdunstung auf der Haut nicht richtig. Das bedeutet der Schweiß kann nicht richtig verdunsten, weil die Luft schon mit Feuchtigkeit gesättigt ist und kaum noch was aufnehmen kann. Dadurch entsteht leicht ein Hitzestau im Körper. Dann beginnt der Körper zu versagen. Das heißt es kommt zu Erscheinungen wie beim Fieber, also Kopfschmerzen, Benommenheit. Gerade bei älteren Menschen, die noch zusätzlich wenig trinken, kann es sogar zu Verwirrungszuständen kommen.

Sie sagten, das zweite Problem entsteht durch die Veränderung im Luftdruck. Was macht das mit dem Körper?

Dr. Specht: Da geht es um die sogenannte Wetterfühligkeit. Sie ist zwar nicht richtig bis in Letzte erforscht, aber wenn sie auftritt, hängt das meist nicht mit der Temperatur, sondern einer Veränderungen im Luftdruck zusammen. Gerade an Tagen wie heute, wenn sich der Luftdruck stark verändert, klagen die Menschen dann mehr über Gelenkschmerzen, Kopfweh, Übelkeit und Kreislaufprobleme.

Was kann man denn im Moment tun, um mit der extremen Wetterlage besser zurechtzukommen?

Dr. Specht: Also, junge bis mittelalte Menschen und solche, die halbwegs trainiert sind, können diese Wetterlage noch relativ gut ab. Betroffen sind dagegen kleine Kinder, Kranke und alte Menschen. Sie sollten jetzt natürlich vor allem versuchen die Hitze auszusperren. Das ist jetzt zwar nicht mehr so leicht, da nach den letzten Tagen alle Häuser aufgeheizt sind, dennoch lohnt es sich die Rollos über die heißen Stunden unten zu lassen. Außerdem haben viele Probleme nachts einzuschlafen. Dagegen hilft eine lauwarme Dusche vor dem zu Bett gehen. Kalt sollte die Dusche auf keinen Fall sein, da die Körpertemperatur dadurch ebenfalls aus dem Gleichgewicht kommt, und der Körper dann wieder zusätzlich Energie aufwenden muss, um das zu regulieren. Das Wichtigste ist jedoch, ausreichend zu trinken. Früher sagte man immer zwei bis drei Liter am Tag. Wenn es jedoch so heiß ist wie an diesem Tag, der Körper viel schwitzt und versucht, viel Flüssigkeit einzusparen, sollte man zwei bis drei Liter mehr trinken, als man ohnehin trinkt. Und zwar nach Möglichkeit lauwarmes Wasser, da kaltes Wasser vom Körper wieder aufgewärmt werden muss.

Wenn ich das richtig verstehe, meinen Sie zwei bis drei Liter zusätzlich. Das hieße ja, man müsste rund fünf Liter pro Tag trinken? Das ist natürlich ungeheuer viel.

Dr. Specht: Ja, das stimmt zwar. Aber gerade bei Menschen, die nicht den ganzen Tag nur am Schreibtisch sitzen, sondern sich auch bewegen, kann es leicht dazu kommen, dass der Körper fünf Liter Flüssigkeit gebrauchen kann. Dabei darf es ruhig mal das alkoholfreie Weizen sein. Es enthält alles, was der Körper braucht: Elektrolyte, Kohlenhydrate, man hat direkt einen halben Liter Flüssigkeit intus und es hat weniger Kalorien als eine Apfelsaftschorle von derselben Größe.

Es ist ja damit zu rechnen, dass der Sommer so unberechenbar bleiben wird. Gibt es denn irgendetwas, das man tun kann, damit der Körper in Zukunft besser mit den Temperaturwechseln zurechtkommt?

Dr. Specht: Ja. Hilfreich ist vor allem regelmäßige Bewegung. Also, jetzt im Moment sollten sich Menschen, die unter dem Wetter leiden natürlich lieber schonen, und wenig bewegen. Aber schon morgen soll es ja kühler werden. Dann könnte man mit einem leichten, regelmäßigen Bewegungsprogramm beginnen. Dabei gilt, lieber weniger als gar nicht. Also lieber das Auto ein paar Meter weiter weg vom Haus parken und sich über den Weg als leichte Bewegung freuen, anstatt direkt nach der Arbeit auf der Couch zu landen. Optimal wären natürlich 20 bis 30 Minuten Bewegung fünf Mal pro Woche, das ist die Empfehlung der WHO. Das muss allerdings nicht unbedingt richtiger Sport sein, sondern auch ein kurzer Spaziergang genügt für den Anfang, oder kleine Übungen zu Hause. Wenn man das ein paar Mal gemacht hat, lässt sich das ja ohne Probleme ausbauen.

Das Gespräch führte Susanne Hamann.

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(ham)