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Dauersitzen gilt als eigenständiges Gesundheitsrisiko

Gesundheits-Studie : Wir sitzen uns krank

Über sieben Stunden sitzen Deutsche an Werktagen pro Tag, das ergab eine neue Gesundheitsstudie. Die zugleich warnte: Die gesundheitlichen Folgen von Dauersitzen sind nicht mehr vollständig zu kurieren - und Kinder ahmen das ungesunde Verhalten nach.

Am Schreibtisch, beim Online-Shoppen und vor allem vor dem Fernseher: Die Deutschen verbringen nach Einschätzung von Experten zu viel Zeit im Sitzen - im Mittel etwa 7,5 Stunden an Werktagen. Somit also fast die Hälfte der Wachzeit. Das geht aus dem neuen Gesundheitsreport der Deutschen Krankenversicherung (DKV) hervor. "Das dauerhafte Sitzen hat weitreichende Folgen für den Fett- und Blutzuckerstoffwechsel und macht die Menschen krank", sagte DKV-Vorstand Clemens Muth. Er nannte die Deutschen "ein Volk der Sitzenbleiber".

Dauersitzen vor dem Fernseher

Die meiste Zeit im Sitzen wird vor dem Fernseher verbracht. So verbrachten die Befragten Personen 30 Prozent ihrer wektäglichen Sitzzeiten vor dem TV. Am Wochenende sind es sogar 38 Prozent. Dem ist so obwohl ingesamt 61 Prozent der Befragten angaben, ihne wäre langes Sitzen unangenehm. Wobei Frauen damit etwas schlechter umgehen können, als Männer.

Große Unterschiede sind allerdings in den Altergruppen festzustellen. Während junge Menschen zwischen 18 und 29 Jahren mit neun Stunden im Mittel, vor allem aus beruflichen Gründen, insgesamt am meisten Sitzen, verbringen Senioren ab 66 am wenigsten Zeit auf einem Stuhl. Allerdings setzen sie sich sowohl unter der Woche als auch am Wochenende mit etwa drei Stunden am längsten vor den Fernseher.

Wie Hochrechnungen ergaben, birgt jedoch allein der Anstieg der Sitzzeiten von beispielsweise einer Stunde vor dem Fernsehen pro Tag das Risiko einer 11-prozentigen Erhöhung der Gesamtsterblichkeitsrate. Verbunden damit ist auch ein Anstieg des Risikos durch Herz-Kreislauf-Krankheiten zu sterben. Es erhöht sich um etwa 18 Prozent. Dem ist selbst dann so, wenn eine Person täglich 30 Minuten körperlich aktiv ist, somit also die Aktivitätsempfehlungen der Weltgesundheitsorganisation erfüllt, aber den restlichen Tag (zum Beispiel mehr als 6 Stunden) sitzt.

75 Minuten körperliche Arbeit pro Woche

Zudem bewegt sich laut der Studie nur die Hälfte der Menschen ausreichend. Dauersitzen gilt neben Bewegungsmangel als eigenständiges Gesundheitsrisiko: Es lasse sich nicht vollständig durch Sport kompensieren, sagte Professor Gerhard Huber vom Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Heidelberg der Deutschen Presse-Agentur. Nach seinen Worten steigt das Gesundheitsrisiko ab acht Stunden Sitzen pro Tag deutlich an. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt für Erwachsene pro Woche mindestens 150 Minuten moderate oder 75 Minuten intensive körperliche Arbeit.

Die private Kasse hatte 2014 mehr als 3000 Deutsche zu ihrem Gesundheitsverhalten befragen lassen. Dabei wurde auch gezielt analysiert, wie lange, an welchen Orten und aus welchen Gründen Teilnehmer sitzen. Untersucht wurden die Teilnehmer nicht. Die Ergebnisse sind den Angaben zufolge repräsentativ. Zusätzlich wurden rund 300 Eltern zur Mediennutzung und dem Verhalten ihrer 6- bis 12-jährigen Kinder befragt.

Viele Kinder leiden an Bewegungsmangel

Stillsitzen und Bewegungsmangel sind der Studie zufolge bereits bei den Jüngsten an der Tagesordnung: Nur bei einem Viertel der Kinder bleibt die tägliche Zeit vor dem Bildschirm unter der empfohlenen Dauer von einer Stunde. Einen eigenen Fernseher im Kinderzimmer hatten in der Umfrage mehr als 70 Prozent von ihnen, die Hälfte verfügt über einen Internetzugang. Sie kopierten den ungesunden Lebensstil ihrer Eltern, sagte Muth.

Insgesamt schneidet bei dem Report nur ein kleiner Teil der Deutschen wirklich gut ab: Bei Ernährung, Bewegung, Umgang mit Stress, Alkohol und Rauchen konnten nur elf Prozent der Befragten die Kriterien der DKV erfüllen. Im Bundesvergleich verhalten sich die Berliner den Angaben zufolge am wenigsten gesundheitsbewusst: Sie sitzen am längsten, zudem rauchen und trinken sie relativ viel. Am gesündesten lebten Menschen in Mecklenburg-Vorpommern.

(dpa)