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Organspende: Das geschenkte zweite Leben

Organspende : Das geschenkte zweite Leben

Die Unternehmerin Maria Fischer hat ihrem besten Freund, dem Kloster-Leiter und Psychoanalytiker Carl B. Möller, vor drei Jahren eine Niere gespendet. Sie empfand den Eingriff als harmlos, ihm verlängerte er das Leben. Beide appellieren, sich durch Skandale nicht verunsichern zu lassen.

Es soll ein roter Seidenfaden gewesen sein, der im 13. Jahrhundert zwei zerstrittene Brüder wieder vereinte und schließlich im westfälischen Örtchen Milte zur Gründung des Klosters Vinnenberg führte. Dass es 2010 wiedereröffnet und für viele Menschen ein fester Anlaufpunkt für besondere geistliche Erfahrung wurde, ist einer tiefen Freundschaft zu verdanken — und einer Niere als Geschenk.

Carl B. Möller erhielt eine Spender-Niere. Foto: Kloster Vinneberg

Sechs Jahre ist es her, dass Carl B. Möller erfuhr, dass er an einer genetisch bedingten Zysten-Niere litt. So wie seine Mutter und seine beiden Schwestern. Während sie jedoch trotz der Erkrankung ein hohes Alter erreichten, verschlimmerte sich Möllers Zustand rapide.

Der Theologe und Psychoanalytiker war 54, arbeitete als Priester im Westfälischen, leitete am C.G.-Jung-Institut in Zürich den Fachbereich vergleichende Religionswissenschaften. Er hatte vor allem das Ziel, das 2005 aufgegebene Kloster zu reaktivieren. "Meine Energie schwand aber zunehmend. Ich konnte kaum ein Bein vor das andere setzen." Weil die Nieren nicht mehr funktionierten, wurde sein Körper systematisch vergiftet.

Dann kam kurz vor Weihnachten der Brief von Maria Fischer. Die beiden kennen sich seit fast 40 Jahren, seit ihren Studienzeiten in Münster. Fischer, die in Düsseldorf Chefin der international tätigen Personalberatung Fischer HRM ist, schrieb ihrem kranken Freund, dass sie ihm eine Niere spenden werde. "Weil er für mich wie ein Bruder ist, und weil er wichtig für die Menschen ist — als Priester, als Analytiker und wegen des Klosters, das beides vereint."

Das schrieb sie ihm, und auch, dass sie nur eine Niere brauche, kerngesund und sich des Risikos bewusst sei, dass es schiefgehen, dass sein Körper ihr gespendetes Organ auch abstoßen könne. "Das Leben ist nie ohne Risiko. Wer das glaubt, kann morgens im Bett bleiben", so Fischer. Für Möller war es dennoch eine schwere Entscheidung, die Sorge um die Gesundheit seiner Freundin groß. Schließlich siegte der gesunde Egoismus, wie er es heute nennt. "Ich wollte leben!"

Es folgten Monate der Vorbereitung. Beide wurden im wahrsten Sinne des Wortes auf Herz und Nieren untersucht — körperlich, aber auch vor der Ethikkommission der Ärztekammer. Das ist üblich bei Lebendspenden, die nicht unter Familienmitgliedern erfolgen. "Damit es nicht zu Missbrauch kommt, und etwa Geld fließt", sagt Fischer. Das alles sei aufwendig, aber notwendig. "Und dafür wusste ich am Ende, wie extrem gesund ich bin."

Belastender war die Suche nach der richtigen Klinik und dem richtigen Operateur. Im ersten Krankenhaus zeigte der Chefarzt kaum Interesse an dem Patienten, dessen Leben an dieser entscheidenden Operation hing, verwechselte wichtige Details. In anderen Kliniken waren die hygienischen Verhältnisse bedenklich, was bei dem stark geschwächten Immunsystem des Spendenempfängers lebensgefährlich sein kann.

Schließlich kamen sie zu Richard Viebahn, Chefarzt am Bochumer Universitätsklinikum und Vorsitzender der Ethikkommission der Deutschen Transplantationsgesellschaft. "Er erklärte, gab mir Zeit, ließ mich mit transplantierten Patienten reden, sprach als Arzt von Dankbarkeit statt von Stolz", sagt Möller. Bei ihm und dem ganzen Team fühlte er sich aufgehoben und rät: "Vor einem solchen Eingriff muss man die Kraft aufbringen, nach einem wirklich guten Arzt zu suchen."

Eine letzte Hürde war zu nehmen: Möller und Fischer hatten zwar viele übereinstimmende Werte, jedoch unterschiedliche Blutgruppen. Möllers Antikörper wurden vor der Transplantation herausgefiltert — was im zweiten Anlauf gelang. Am 26. Mai 2009 wurde in einer fünfstündigen Operation Maria Fischer eine Niere entnommen und Carl B. Möller eingesetzt. Komplikationen gab es bis heute nicht.

Jetzt, drei Jahre danach, arbeiten beide mit voller Energie. Fischer sitzt in ihrem Büro. Sie lächelt. "Das Gefühl, jemandem 20, 30 Jahre Leben zu schenken, ist so befriedigend." Wie banal sei im Vergleich dazu der Eingriff. "Mir geht's blendend, ich mache Sport, arbeite intensiv, habe keinerlei Einschränkungen."

Nur auf Alkohol und Rauchen verzichtet sie, geht zur Nachsorge. Inzwischen ist ihr klar: "Das hätte ich für jeden getan. Mit Lebendspenden ließen sich so viele Menschen retten."

(RP)