Telefonaktion Daran erkennen Sie gute Pflegeheime

Düsseldorf (RP). Wie findet man das richtige Pflegeheim, wo die Menschen, die einem nahestehen, gut versorgt sind? Lesen Sie hier die Ergebnisse unserer Telefonaktion mit sechs Experten.

 Experten am Telefon: Georg Stormanns, Heint-Werner Schuster, Uli Pannen und Birgit Meyer (v.l.).

Experten am Telefon: Georg Stormanns, Heint-Werner Schuster, Uli Pannen und Birgit Meyer (v.l.).

Foto: Hans-Jürgen Bauer / RP

Pflege fängt für viele Leser bereits zu Hause an. So wollte der Ehemann einer gehbehinderten Frau, die keine Treppen mehr nutzen kann, wissen, wie er ihr helfen kann. Ulrich Pannen, Leiter der Pflegekasse der AOK Rheinland/Hamburg, konnte dazu folgende Auskunft geben: "Wenn Ihre Frau pflegebedürftig ist, hat sie Anspruch auf Maßnahmen, die das Wohnumfeld verbessern. Ich empfehle Ihnen, einen Treppenlift einbauen zu lassen und bei der Pflegekasse den Zuschuss von bis zu 2557 Euro zu beantragen.”

Eine allein lebende 74-jährige Leserin interessierte sich dafür, wie sie für die Zukunft vorsorgen könne. Ihr gab Birgit Meyer vom Düsseldorfer Pflegebüro den Tipp: "Sie können bereits jetzt in eine Seniorenwohnung ziehen oder Betreutes Wohnen in Anspruch nehmen. Auf jeden Fall rate ich, eine Vorsorgevollmacht und eine Patientenverfügung auszufüllen. So können Sie Einfluss darauf nehmen, wie Sie behandelt und wo Sie versorgt werden, falls Ihnen etwas zustößt.” Formulare erhält man laut Meyer bei der Krankenkasse, bei den Pflegeberatungsstellen oder den Betreuungsvereinen.

Zahlreiche Anrufer überlegten, eine Pflegezusatzversicherung abzuschließen. Sie fragten Georg Stormanns, den Referent für Pflegeversicherung bei der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK), wie sinnvoll dies ist. Seine Antwort: "Das hängt von der individuellen Lebenssituation ab. Man sollte den Anteil der Pflegekasse und den eigenen Anteil an künftigen Pflegekosten gegenüberstellen.” Wer befürchten muss, letzteren nicht leisten zu können, für den kann es nach Ansicht des Experten sinnvoll sein, eine Zusatzversicherung abzuschließen. Diese ist übrigens umso günstiger, je jünger man ist.

Nach einem Schlaganfall

Ein Anrufer schilderte Heinz-Werner Schuster, dem Leiter der Heimaufsicht der Stadt Düsseldorf, einen speziellen Fall, der so oder ähnlich typisch ist: "Mein Vater liegt mit einem Schlaganfall im Krankenhaus und es zeichnet sich ab, dass ich bald ein Heim für ihn suchen muss. Worauf muss ich achten?” Schuster betont hier die Bedeutung der Pflege, die dem Krankheitsbild entspricht. In der Einrichtung der Wahl sollte es seiner Ansicht nach eine Ergotherapie geben, die Schlaganfallpatienten unterstützt, etwa mit einem Anziehtraining. "Insgesamt ist es wichtig, dass Ihr Vater von qualifiziertem Personal betreut wird, das auf persönliche Bedürfnisse eingeht. Schauen Sie sich auch die Bewohner der Einrichtung genau an, und achten darauf, wer wo lebt. Damit Ihr Vater Menschen findet, mit denen er sich austauschen kann.”

Eine Frau, deren Mutter schon im Heim untergebracht ist, wollte wissen: Woran erkenne ich, dass meine Mutter im Heim gut gepflegt wird? Pflege-Spezialistin Ruth Schmitz von der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) erläuterte: "Zunächst einmal zählt ihr persönlicher Eindruck: Ist der Hautzustand ihrer Mutter gut? Wird sie regelmäßig gewaschen, werden zum Beispiel auch die Füße gründlich gepflegt? Ist das Essen gut? Wird Ihre Mutter gut gelagert und ist das Bett immer sauber? Wenden Sie sich an die Pflegedienstleitung, wenn Sie den Eindruck haben, dass diese Dinge im Heim nicht zufriedenstellend umgesetzt werden.” Die Telefonaktion wurde übrigens von der BGW unterstützt.

Wenn es nach Urin riecht

Auch Freunde von Pflegeheimbewohner meldeten sich bei der Telefonaktion. Eine Leserin hatte das Problem: "In den Fluren des Heims, in dem meine Bekannte wohnt, riecht es nach Urin. Und sie wird oftmals im Sessel sitzend alleine gelassen, ohne dass ein Pfleger in Sichtweite ist? Muss ich das so hinnehmen?”
Claudia Stiller-Harms, eine BGW-Kollegin von Ruth Schmitz: "Nein. Am besten führen Sie zusammen mit den Angehörigen ein Gespräch mit der Wohnbereichsleitung, tragen Ihre Sorgen und Bedenken gemeinsam vor. Wird an der Situation nichts geändert gehen Sie einen Schritt weiter und wenden sich an die Pflegedienstleitung.”

Ein Blick in den Heimvertrag verrät, welche Leistungen eingekauft wurden, und der jeweils gültige Pflegeschlüssel gibt Auskunft über die gesetzlich zugesicherten Leistungen. Wird auch nach dem Gespräch mit der Pflegedienstleitung immer noch nichts an der Situation geändert, bleibt schließlich der Schritt sich mit der Heimaufsicht in Verbindung zu setzen. Diese kann eine Begehung des Heimes vor Ort initiieren, den Heimleiter zur Rede stellen sowie gegebenenfalls Konsequenzen ziehen.

Eine Vorauswahl treffen

Eine naheliegende Frage: Ich bin auf der Suche nach einem Heim für mich und meinen Mann. Wie finde ich ein geeignetes Heim? Claudia Stiller-Harms wusste Rat: "Treffen Sie zunächst eine Vorauswahl. Soll das Heim in Wohnortnähe sein oder bevorzugen Sie ein Heim, dass in der Nähe der Angehörigen liegt? Gibt es Geschäfte, Arztpraxen und Cafés in der Nähe? Vereinbaren Sie einen Termin zur Besichtigung. Hören Sie bei der Wahl des Heimes auch auf Ihr Bauchgefühl. Achten Sie darauf, ob die Einrichtung einen freundlichen und hellen Eindruck auf Sie macht. Die Bewohner sollten im Heim individuell leben können. Gut ist es zum Beispiel, wenn es keine fest vorgeschriebenen Besuchszeiten gibt und wenn sich die Bewohner frei bewegen können."

Die BGW-Expertin erläuterte weiter: Achten Sie auch darauf, dass es Gemeinschaftsräume, zum Beispiel Sitzecken oder Aufenthaltsräume gibt. Es sollte ein Obst- und Getränkeangebot für die Bewohner bereit stehen. Schauen Sie darauf, dass das Heim gemütlich ist und dennoch hygienisch sauber. Lassen Sie sich von der Heimleitung das Pflegekonzept zeigen. Ein solches Pflegekonzept muss jede Einrichtung formulieren. Aus dem Pflegekonzept geht hervor, nach welchen Prinzipien und Grundsätzen die Bewohner betreut werden und gepflegt werden. Zum Beispiel lässt sich daraus entnehmen, ob jeder Bewohner eine feste Bezugsperson hat, welche Behandlungsmethoden angeboten werden und welche Kooperationspartner das Heim hat (wie zum Beispiel Ärzte, Friseure und medizinische Fußpfleger)."

Genug Zeit für die Bewohner?

Und weiter: "Achten Sie auch darauf, wie die Pflegekräfte mit den Bewohnern umgehen. Hat das Pflegepersonal Zeit, sich um jedem einzelnen Bewohner zu kümmern? Wie werden die Bewohner angesprochen? Ein "Sie” ist normalerweise angemessen. Auch ein gepflegtes Auftreten der Pflegekräfte ist wichtig. Auch ein Blick auf die Dienstpläne kann Aufschluss geben. Arbeitet das Pflegepersonal fünf Tage oder sieben Tage in der Woche? Wird im Dienstplan auch flexibel auf die Bedürfnisse der Bewohner eingegangen, zum Beispiel auf individuelle Aufstehzeiten oder spätes Zubettgehen? Ein gutes Zeichnen ist es auf jeden Fall, wenn das Heim Ihren Fragen offen gegenüber steht und gern Auskunft gibt.

Auf die Frage, wie entscheide ich, ob die Pflegequalität gut ist?, antwortete Ruth Schmitz: Achten Sie auf ihr Bauchgefühl. Würden Sie sich hier wohlfühlen? Wie riecht es? Was macht das Personal für einen Eindruck? Ist es abgehetzt? Wie lange ist die Klingel rot (d.h. wie lange muss der Einzelne auf die Betreuung warten). Wie ist der Zustand der Bewohner? Tragen sie saubere Kleidung? Haben sie saubere Fingernägel? Hat die Bettwäsche Flecken (Blut, Speisereste, Kaffee)? Werden Bewohner viel alleine gelassen, vor dem Fernseher geparkt?

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