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Verheißungsvolle Studien: Antikörper-Spritzen gegen HIV und Aids?

Verheißungsvolle Studien : Antikörper-Spritzen gegen HIV und Aids?

Zwei neue Studien geben Wissenschaftlern im Kampf gegen HIV und Aids Auftrieb. Im Mittelpunkt stehen Antikörper aus dem Labor. Die Ergebnisse von Tier-Experimenten sind ermutigend.

Im Kampf gegen HIV gibt es einen neuen, vielversprechenden Ansatz. Zwei jetzt veröffentlichte Studien deuten darauf hin, dass Ärzte eines Tages in der Lage sein könnten, die Infektion mit einer Spritze mit Antikörpern zu kontrollieren. Bei Tests mit Affen zeigte diese Strategie jedenfalls erstaunliche Erfolge, wie das Magazin "Nature" am Mittwoch berichtete. Demnach verringerte sich im Blut eine Affen-Variante des HI-Virus drastisch, nachdem den Tieren Antikörper injiziert worden waren.

Es gab bei den Tests auch verheißungsvolle Hinweise darauf, dass diese Methode helfen könnte, das Aids-Virus in seinen Verstecken im Körper zu zerstören. Dazu sind derzeit verfügbare Medikamente nicht in der Lage. Die Ergebnisse der Experimente könnten "die Bemühungen um eine Heilung von HIV revolutionieren", wenn sich herausstelle, dass diese Strategie auch im Menschen wirke, heißt es in einem Kommentar, den "Nature" zusammen mit den Studien veröffentlichte.

Ungewöhnliche Wirkungskraft gegen HIV

Antikörper sind Eiweißstoffe im Blut, die spezifische Erreger zur Zerstörung ins Visier nehmen. Der Körper mit HIV infizierter Menschen produziert selbst Antikörper zur Bekämpfung des Virus, aber diese sind üblicherweise wirkungslos. In den beiden neuen Studien wurden im Labor hergestellte Versionen von Antikörpern verwendet - mit ungewöhnlicher Wirkungskraft gegen HIV.

In einem Test mit Rhesusaffen zeigten sich schon nach einer einzigen Injektion Erfolge, wie der Leiter der Studie, Dan Barouch vom Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston, erläutert.
Demnach wurden 18 Tiere mit SHIV, einem Verwandten von HIV, infiziert. Bei 13 Affen konnte das Virus binnen einer Woche nach der Behandlung nicht mehr im Blut nachgewiesen werden. Das Virus kam mit nachlassender Wirkung der Antikörper zurück, ein bis drei Monate nach der Injektionstherapie.

In drei Affen mit dem schwächsten SHIV-Befall im Blut vor der Spritze tauchte das Virus während einer Beobachtungszeit von bis zu acht Monaten nicht wieder auf. Barouch zufolge waren die Tiere nicht geheilt, aber die Behandlung hatte offensichtlich ihr Immunsystem genug gestärkt, um das Virus in Schach zu halten.

Bei zwei anderen Affen, die vor der Behandlung den höchsten SHIV-Befall im Blut aufwiesen, verbesserte sich das Bild durch die Injektionen. Das aber nicht bis zu einem Punkt, an dem das Virus nicht mehr zu entdecken war. Die zweite Studie zeigte "Nature" zufolge ermutigende Ergebnisse bei einer kleineren Gruppe von Affen.

Ganz neue Perspektiven

Standard-Medikamente können zwar beim Menschen HIV im Blut auf einen nicht nachweisbaren Stand drücken, die neue Methode eröffnet den Experten zufolge aber ganz andere Perspektiven. So könne das in den infizierten Zellen versteckte Virus aufgespürt und attackiert werden, kommentieren Steven Deeks von der University of California in San Francisco und Louis Picker von der Oregon Health Science University in Beaverton die Studienergebnisse.

Theoretisch könnten Antikörper das Immunsystem des Körpers aktivieren, um die infizierten Zellen zu töten, schrieben die Wissenschaftler in "Nature". Barouchs Studienergebnisse wiesen auf eine solche Wirkung hin. Demnach sank der Virus-Befall in den Affen nach der Injektionsbehandlung schneller, als wenn Patienten mit Standard-Arzneimitteln behandelt werden. Und als das Virus in den Tieren zurückkehrte, dann in der Regel in einem geringeren Maß als vor der Therapie. Das gelte auch für Viren in Zellen und Geweben.

Die Studien-Resultate seien ermutigend und herausfordernd, was die Perspektive angehe, HIV in seinen Verstecken anzugreifen, sagte Deeks in einem Telefon-Interview. Bisher gebe es zwar mehr Fragen als Antworten. "Aber das ist es, wie Wissenschaft vorankommt."

Hier geht es zur Infostrecke: Fünf Fragen und Antworten zu HIV und AIDS

(ap)