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Neue Versuche: Antidepressiva können Spätschäden auslösen

Neue Versuche : Antidepressiva können Spätschäden auslösen

Washington (rpo). Eine Behandlung junger Mäuse mit Antidepressiva verändert deren Gehirnstruktur und macht sie später anfälliger für psychische Störungen. Darauf deuten Experimente von Mark Ansorge von der Columbia-Universität in New York und seine Kollegen hin. Bekamen junge Mäuse den Wirkstoff Fluoxetin, verringerte sich später auch im Erwachsenenalter die Wirkung des Botenstoffes Serotonin, der bei Depressionen eine große Rolle spielt.

Über die Ergebnisse ihrer Studie berichten die Forscher im Fachmagazin "Science" (29. Oktober, S. 879). Antidepressiva werden eingesetzt, um den bei Depressionen veränderten Serotoninspiegel im Gehirn zu regulieren. Medikamente aus der Klasse der so genannten selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) blockieren dabei vorübergehend die Serotonintransporter, so dass das so genannte Glückshormon länger wirken kann. Auf diese Weise helfen sie, Angst und Depressionen zu vermindern.

Die Forscher untersuchten, ob eine Einnahme des SSRI-Wirkstoffs Fluoxetin in den frühen Entwicklungsstadien des Gehirns anders wirkt als beim Erwachsenen. Die Wissenschaftler hatten die Mäuse mit dem Wirkstoff Fluoxetin behandelt, der in Medikamenten wie dem in den USA sehr verbreiteten Prozac und dem in Deutschland vertriebenen Fluctin vorkommt. Die in der Jugend mit Antidepressiva behandelten Mäuse zeigten im Erwachsenenalter ähnliche Verhaltensmuster wie Mäuse mit einem Gendefekt, bei dem der Serotonintransport gestört ist, fanden die Forscher heraus.

Der Wirkstoff sei ausgesucht worden, da er häufig bei Menschen angewandt werde, erklären die Forscher. Die Mäuse bekamen Fluoxetin ab dem 4. bis zum 21. Tag nach ihrer Geburt verabreicht. Dieser Zeitraum entspreche bezogen auf die Gehirnentwicklung eines Babys dem letzten Drittel einer Schwangerschaft und den ersten Lebenswochen, erläutert Ansorge. Die Behandlung von schwangeren Frauen und kleinen Kindern mit SSRI-Medikamenten könne daher nach Darstellung der Wissenschaftler möglicherweise auch beim Menschen psychische Spätfolgen nach sich ziehen. Klinische Studien müssten nun jedoch zeigen, ob sich die Ergebnisse tatsächlich auf den Menschen übertragen lassen.

(afp)