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Fragen und Antworten: Antibiotika im Fleisch - wie gefährlich ist das?

Fragen und Antworten : Antibiotika im Fleisch - wie gefährlich ist das?

Der Einsatz von Antibiotika in der Tiermast soll reduziert werden – doch warum sind Antibiotika in der Lebensmittelherstellung so gefährlich? Und welche Konsequenzen hat das häufige Verfüttern von Medikamenten? Wir beantworten sieben Fragen zum Thema.

Der Einsatz von Antibiotika in der Tiermast soll reduziert werden — doch warum sind Antibiotika in der Lebensmittelherstellung so gefährlich? Und welche Konsequenzen hat das häufige Verfüttern von Medikamenten? Wir beantworten sieben Fragen zum Thema.

Warum werden überhaupt Antibiotika im Kuhstall eingesetzt?

Morgens Wurst und Käse aufs Brot, Mittags ein leckeres Schnitzel auf den Teller und Abends ein Spiegelei mit Schinken — die steigende Nachfrage nach tierischen Produkten fördert die industrielle Tierhaltung. Schweine, Kühe und Hühner haben dabei keinen Auslauf, keine Rückzugsmöglichkeiten und leben oftmals auf engstem Raum zusammen.

Damit die Tiere schneller wachsen, werden sie mit leistungsfördernden Antibiotika gefüttert. Zudem werden Medikamente verabreicht, damit die Tiere unter den schlechten Haltungsbedingungen nicht krank werden. Im Juli 2012 wurden so in einigen Hühnerställen in NRW Rückstände von sieben verschiedenen Arzneimitteln nachgewiesen — einige davon waren nicht einmal in Deutschland zugelassen.

Warum ist der Einsatz der Medikamente schädlich?

Durch den häufigen Einsatz von Antibiotika wird die Entstehung von resistenten Organismen gefördert. Das bedeutet, dass sich Bakterien oder Keime, die sich in den Ställen vermehren, so verändern, dass ihnen das Medikament nichts mehr anhaben kann.

Dabei kann es auch zu Kreuzresistenzen kommen, Keime werden also zugleich gegen mehrere Antibiotika resistent. Diese multiresistenten Keime lassen sich mit gebräuchlichen Arzneimitteln nicht mehr bekämpfen. Wird ein Tier, das diese Keime in sich trägt, geschlachtet, können die Bakterien ihren Weg auf den Teller des Menschen finden.

Hat der Einsatz der Medikamente negative Nebeneffekte für die Bauern?

Für die Bauern überwiegen zunächst die positiven Aspekte der Medikamente. Die Tiere wachsen schneller, das Fleisch kann also schneller auf den Markt gebracht werden. Außerdem beugen die Antibiotika der Entstehung schwerer Krankheiten vor — auch wenn die Tiere auf engstem Raum zusammen leben oder Verletzungen davontragen.

Auf lange Sicht bringt der Medikamentenmissbrauch die industrielle Tierhaltung aber in Gefahr. Einer aktuellen Studie zufolge kommt beispielsweise in fast allen herkömmlichen Schweineställen Deutschlands der gefährliche multiresistente Keim MRSA vor — auch 40 Prozent der Menschen, die sich dort aufhalten, tragen den Keim in sich. Von den deutschen Öko-Betrieben sind immerhin noch 25 Prozent betroffen.

Warum ist das gefährlich für den Menschen?

Essen Verbraucher Fleisch, das mit multiresistenten Keimen belastet ist, können sie schwere Krankheiten bekommen, die mit herkömmlichen Arzneien nicht mehr bekämpft werden können. Besonders Kinder und ältere Menschen, deren Immunsystem anfälliger für Krankheiten ist, sind gefährdet. Außerdem sind meist Reste der Medikamente im Fleisch enthalten.

Durch den Verzehr von Fleisch, das mit Antibiotika belastet ist, können auch Keime, die nur im menschlichen Körper vorhanden sind, Resistenzen entwickeln. Hier ist übrigens nicht nur der Verzehr von Fleisch ein Problem — nach Meinungen von Experten werden auch zu häufig Antibiotika verschrieben, wenn Menschen krank sind. Täglich nehmen Menschen in Deutschland 700 Kilogramm Antibiotika ein.

Gibt es keine Alternativen zu Anitbiotika?

Forscher des Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie IZI in Leipzig haben bereits im Sommer 2011 eine Alternative zu den etablierten Antibiotika gefunden: Antimikrobielle Peptide, also Proteine, sollen künftig den Kampf mit den Krankheitserregern aufnehmen. Zurzeit werden die Proteine aber noch weiter erforscht und nicht in Medikamenten verwendet.

Wie können sich Verbraucher schützen?

Wird das Fleisch vollständig durchgegart, tötet das die gefährlichen Keime ab. Wichtig ist aber auch, die Kühlkette nicht zu unterbrechen und die Produkte vor Ablauf des Verbrauchdatums zu verzehren. Etwas sicherer ist außerdem der Kauf von Fleisch mit Bio-Siegel.

Ist es eine Lösung Vegetarier zu werden?

Nicht unbedingt. Die Hinterlassenschaften von infizierten Schweinen können so beispielsweise als Gülle auf dem Feld verwendet werden. Mit den Nährstoffen im Boden gehen die Bakterien auf Getreide oder Salat über.

Hier geht es zur Infostrecke: Das sollten Sie über Antibiotika wissen

(anch)