Durch Sparmaßnahmen: Aids-Forscher sehen Erfolge gefährdet

Durch Sparmaßnahmen : Aids-Forscher sehen Erfolge gefährdet

Die internationale Forschergemeinschaft feiert im Kampf gegen Aids zunehmend auch in armen Ländern Erfolge, der medizinische Fortschritt könnte aber durch Geldmangel in Zeiten der globalen Finanzkrise gebremst werden.

Das geht aus den ersten Beiträgen bei der Internationalen Aids-Konferenz in Washington hervor, die am Sonntag (Ortszeit) begann. US-Außenministerin Hillary Clinton sagte, es sei inzwischen möglich, bei Geburten die Weitergabe des HI-Virus von der Mutter auf das Neugeborene praktisch aus der Welt zu schaffen. Die USA spendeten armen Ländern 80 Millionen Dollar (65 Millionen Euro), um dieses Ziel zu erreichen.

Finanzierung fehlt

Doch der Finanzierungsbedarf im Kampf gegen Aids ist wesentlich höher. Ärzte und Forscher appellierten deshalb an die Regierungen in aller Welt, keinesfalls in ihrem - auch finanziellen - Engagement nachzulassen. In den am härtesten vom HI-Virus heimgesuchten armen Entwicklungsländern hätten im vergangenen Jahr sieben Milliarden Dollar für Aids-Medikamente gefehlt.

"Diese Lücke tötet Menschen", sagte UNAIDS-Chef Michel Sidibe.
"Meine Freunde, das Ende von Aids ist nicht umsonst", fügte Sidibe hinzu. "Es ist nicht zu teuer. Es ist unschätzbar." Die Ko-Vorsitzende der Konferenz, Diane Havlir, mahnte: "Die künftigen Generationen zählen auf unseren Mut und unsere Kühnheit, in großen Maßstäben zu denken und unsere Chancen zu nutzen.

Auf ein Heilmittel oder einen Impfstoff gegen die Immunschwächekrankheit wartet die Welt zwar immer noch. Aber Wissenschaftler setzen nach eigenen Angaben auf Methoden, mit denen die Ausbreitung des hartnäckigen HI-Virus unterbunden werden soll.

Mittel und Werkzeuge gegen Aids

Einer der führenden US-Forscher, Dr. Anthony Fauci, sagte, falls die betroffenen Länder mitzögen, sei vieles möglich - aber nicht von heute auf morgen. Er wolle keine Versprechungen und Zeitpunkte nennen - "aber wir wissen, dass es geschehen kann".

Es gebe inzwischen eine ganze Liste mit Mitteln und Werkzeugen gegen Aids, sagte Fauci. Beispielsweise die männliche Beschneidung habe sich als "erstaunlich erfolgreich" gezeigt, sagte er mit Hinweis auf Uganda. "Wir können Aids loswerden, aber viele Leute, viele Länder, haben viel zu tun", sagte er.

So ruhen Hoffnungen auf Medikamenten, die Patienten nicht nur das Leben retten, sondern sie weniger ansteckend machen sollen. Zudem steht inzwischen für Gesunde mit infiziertem Partner ein Mittel bereit, das ihr Ansteckungsrisiko senken kann.

Allerdings dürfte die Herausforderung für die mehr als 20.000 Teilnehmer der Washingtoner Konferenz darin bestehen, die vielversprechenden wissenschaftlichen Erkenntnisse in die praktische Realität zu überführen. Dabei dürfte es wohl diese Woche nicht nur um die Frage gehen, welcher Cocktail aus Schutzmaßnahmen in den unterschiedlichen Weltregionen am besten wirkt. Eine wichtige Rolle spielen auch die Geldmittel, die die Geberländer im Kampf gegen eine Krankheit investieren wollen, die sich zunehmend zu einer Geißel der Armen und Ausgegrenzten entwickelt hat.

Mittelstreichungen "wären ein globales Versagen"

Die Weltgemeinschaft gab im Kampf gegen Aids im vergangenen Jahr 16,8 Milliarden Dollar (rund 13,8 Milliarden Euro) aus. Allerdings fehlen nach UN-Angaben jährlich noch immer sieben Milliarden Dollar, um 15 Millionen behandlungsbedürftige Menschen bis 2015 mit den nötigen Medikamenten zu versorgen.

Die globale Rezession und die Nachlässigkeit im Kampf gegen Aids bedrohten entsprechende Investitionen zusätzlich, warnten die Experten am Sonntag in ihren Vorträgen. "Wir dürfen keine Schritte zurückmachen", erklärte die Präsidentin der Internationalen Aids-Gesellschaft, Elly Katabira. Havlir pflichtete ihr bei: "Es wäre ein außerordentliches globales Versagen, wenn finanzielle Einschränkungen unsere Möglichkeiten zur Eindämmung von Aids zu einem Zeitpunkt schmälern würden, an dem das Ziel erwiesenermaßen erreichbar ist."

Weltweit tragen rund 34 Millionen Menschen den HI-Virus in sich, etwa 30 Millionen sind bereits an Aids gestorben. Jährlich infizieren sich rund 2,5 Millionen Menschen. Am stärksten betroffen ist Afrika südlich der Sahara.

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(APD)
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