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Arzneiverordnungs-Report der AOK: Ärzte verschreiben zu teure Medikamente

Arzneiverordnungs-Report der AOK : Ärzte verschreiben zu teure Medikamente

Erstmals seit Jahren haben die gesetzlichen Krankenkassen im vergangenen Jahr weniger für Arzneimittel ausgeben müssen - trotzdem gibt es aus Expertensicht enorme Einsparmöglichkeiten.

Das geht aus dem Arzneiverordnungs-Report der AOK hervor. Das Bundesgesundheitsministerium hatte bereits im März mitgeteilt, dass die Arzneiausgaben 2011 um 1,17 auf 30,87 Milliarden Euro gesunken seien. Dennoch könnten laut dem neuen Report 3,1 Milliarden Euro gespart werden, und zwar bei Generika (Nachahmer-Präparaten) sowie bei Mitteln, die umstritten sind oder für die es günstigere Alternativen gibt.

Der Arzneiverordnungs-Report wird jedes Jahr im Herbst herausgegeben. In diesem Jahr basiert die Studie auf 784 Millionen Arzneimittelverordnungen für Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Laut dem Bericht wurden den Deutschen 2011 durchschnittlich neun Medikamentenverpackungen mit 520 Tagesdosen verschrieben — die Experten berechneten damit Nettokosten für Medikamente von 378 Euro pro Person.

Bundesländer im Vergleich

Dabei belegen im Deutschland-Vergleich die neuen Bundesländer die Spitzenpositionen — in Mecklenburg-Vorpommern entstanden so 2011 Arzneimittelkosten von 483 Euro pro Kopf, in Bremen waren es hingegen nur 308 Euro.

Laut den Experten kommt es zu so starken Schwankungen, weil häufig teure patentgeschützte Analogprodukte verordnet werden, die eigentlich keinen Zusatznutzen für den Patienten haben. Wären gleichwertige aber nicht patentgeschütze Alternativen verschrieben worden, hätten laut dem Arzneiverordnungs-Report in Mecklenburg-Vorpommern 59 Euro pro Kopf und in Bremen immerhin noch 23 Euro Euro gespart werden können — ohne Qualitätsverlust.

Dass die Kosten für Medikamenteverordnungen zurückgegangen sind, wird in der AOK-Studie mit Arzneimittelrabattverträgen und gesetzlichen Sparmaßnahmen seit August 2010 erklärt. Mit Hilfe der Rabattverträge konnten die Krankenkassen 2011 so etwa 1,6 Milliarden Euro einsparen.

Immer noch gebe es aber erhebliches Einsparpotential, heißt es weiter. Ohne Qualitätseinbußen könnten so 3,1 Milliarden Euro gespart werden, wenn anstelle von teuren Analogpräparaten gleichwertige patentfreie Alternativen verordnet werden und Ärzte ganz auf das Verschreiben umstrittener Arzneimittel verzichten würden.

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(anch)