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Cluster-Attacken sind therapierbar: Zitrusfrüchte können Kopfschmerz auslösen

Cluster-Attacken sind therapierbar : Zitrusfrüchte können Kopfschmerz auslösen

Düsseldorf (RPO). Schon der Vater der US-amerikanischen Unabhängigkeitserklärung Thomas Jefferson und der Schriftsteller Franz Kafka sollen darunter gelitten haben: extrem heftige und in Episoden wieder kehrende Kopfschmerzattacken, die als Cluster-Kopfschmerz bezeichnet werden. Vor allem Männer zwischen 20 und 40 Jahren sind von dieser Erkrankung betroffen. Ist sie erst einmal diagnostiziert, können die Schmerzen meist gut behandelt werden.

Charakteristisch für den Cluster-Kopfschmerz sind plötzliche einseitige Attacken mit besonders starken Schmerzen an der Schläfe und rund ums Auge. Ihren Namen "Cluster" tragen diese Kopfschmerzen, weil sie über Tage, Wochen oder Monate gehäuft auftreten; auf Englisch bedeutet der Begriff "Bündel" und "Häufung". Bekannt ist die Krankheit auch unter Namen wie Bing-Horton-Syndrom oder Histamin-Kopfschmerz.

Ursache ungelöst

Die Ursache ist bis heute unklar. "Die Patienten beschreiben die Schmerzen als reißend, bohrend, manchmal auch brennend und vor allem unerträglich", sagt Dr. Astrid Maroß, Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie im AOK-Bundesverband. Begleitet werden können sie von geröteten und tränenden Augen, hängendem Lid, laufender Nase oder Schwitzen im Gesicht. Eine Attacke kann 15 Minuten, aber auch bis zu drei Stunden dauern und mehrmals am Tag auftreten.

Im Unterschied zu Migräne-Patienten suchen die Betroffenen während der Attacke nicht die Ruhe, sondern laufen hin und her, wippen mit dem Oberkörper oder bewegen den Kopf. Manche Patienten leiden unter chronischem Cluster-Kopfschmerz, das heißt, die Attacken kommen mindestens über ein Jahr lang mit wenigen Pausen immer wieder. Patienten mit episodischem Cluster-Kopfschmerz können dagegen auch Monate oder Jahre Ruhe haben.

Da diese Kopfschmerz-Form eher selten, aber dafür umso schmerzhafter ist, brauchen die Patienten Hilfe. "Wer glaubt, an bislang nicht diagnostiziertem Cluster-Kopfschmerz zu leiden, sollte sich an ausgewiesene Experten wenden", sagt Maroß. Denn: "Diese Krankheit ist nicht heilbar, aber bei den meisten Patienten mit verschiedenen Methoden recht gut zu behandeln."

Auslöser suchen

So können zumindest die Beschwerden gelindert und oftmals auch neue Attacken verhindert werden. Dafür setzen die Fachleute heute vor allem Sauerstoff-Inhalation, Migränemittel und Betäubungssprays ein. Zur Vorbeugung wiederkehrender Anfälle gibt es Mittel, mit denen bei vielen Patienten gute Erfolge erzielt wurden. Hilfreich ist es laut Maroß auch, wenn sich die Patienten selbst auf die Suche nach Faktoren machen, die die Attacken auslösen könnten. Oftmals werden sie wie bei Migräne durch sogenannte Trigger zusätzlich begünstigt. Das können flackernde Lichter genauso sein wie bestimmte Lebensmittel oder Inhaltsstoffe, etwa Alkohol, Zitrusfrüchte oder Glutamate. "Auch ein Schmerztagebuch kann Betroffenen helfen herauszufinden, was die Attacken hervorruft oder begünstigt", sagt Maroß.

Cluster-Kopfschmerzen beeinträchtigen die Patienten enorm in ihrem Alltag. In akuten Phasen sind sie oftmals nicht mehr in der Lage, ihren normalen Aufgaben nachzugehen. Neben dem eigentlichen Schmerz kämpfen die Patienten mit Angst und Unsicherheit; die Belastung für die Betroffenen und ihre Familien ist groß. "Es kann sinnvoll sein, sich hier professionelle psychotherapeutische Hilfe zu holen", sagt Maroß. Das gilt vor allem dann, wenn die Krankheit so belastend ist, dass Niedergeschlagenheit, Ängste und Traurigkeit den Alltag beherrschen.

Mit anderen Betroffenen austauschen

Für viele Betroffene ist auch der Austausch mit anderen Patienten in einer Selbsthilfe-Gruppe eine Hilfe, um besser mit ihrer Krankheit leben zu können. Regelmäßige Entspannung und Bewegung bekämpfen die eigentliche Krankheit nicht. Viele Betroffene empfinden dies aber als wohltuend und hilfreich, um besser damit umgehen zu können.

Für viele Millionen Menschen in Deutschland sind Kopfschmerzen ein immer wiederkehrender Begleiter. Am bekanntesten ist die Migräne, unter der hierzulande etwa zehn Millionen Menschen leiden.

Hier geht es zur Infostrecke: So finden Sie aus der Kopfschmerz-Hölle

(wat/chk)