Zahnarzt Bewertung: Wie Sie herausfinden, ob Ihr Zahnarzt gut ist

Auf den Zahn gefühlt : Wie Sie herausfinden, ob Ihr Zahnarzt gut ist

Wie gut ist eigentlich ihr Zahnarzt? Worauf kommt es bei der Prophylaxe und im Zahnernstfall an? Nur wer schon vor der Zahnbehandlung weiß, dass er in guten Händen ist, dem fällt es leichter, sich entspannt zurückzulehnen. Wir haben mit einem Experten gesprochen und ihn gefragt, worauf man bei der Zahnarztwahl achten sollte.

Viele haben Angst vor dem Zahnarztbesuch. Die meisten fürchten sich laut einer Studie des Instituts der Zahnärzte vor dem Bohren. Andere sorgen sich vor Behandlungsfehlern. Die aber erkennt man meist erst, wenn es zu spät ist. Wie aber kann man schon beim ersten Kontakt zum Zahnarzt herausfinden, ob er der Richtige ist? Was sind Kriterien, auf die Patienten achten sollten?

Dass die meisten sich auf dem Zahnarztstuhl so furchtbar ausgeliefert fühlen, hat seinen Grund. Sich im Mund herum fummeln zu lassen, ist alles andere als gewöhnlich. Denn mitten im Gesicht prangt einer unserer Intimbereiche. Keine Körperregion ist empfindlicher für Sinnesreize.

Jemanden am Arm zu fassen oder auf die Schulter zu tippen, wird nicht als unanständig empfunden, eine Berührung am Mund hingegen ist für Fremde tabu. Verirrt sich zum Beispiel ein feines Haar dorthin, wird das als Fremdkörper sofort identifiziert und bringt uns in Aktion. "Ein Haar zwischen den Fingern würde uns hingegen nicht stören", sagt Prof. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer. Neben den Lippen gehören auch die Mundschleimhäute, Zunge und Zähne zu dieser sensiblen Körperzone, an die man nicht jeden lässt. Erst Recht nicht, um genau dort bis in den letzten Winkel vorzudringen. Gelingen kann der Besuch beim Zahnarzt also nur, wenn der Patient Vertrauen zum behandelnden Arzt hat.

Erstkontakt Ein eingehendes Gespräch zu Beginn ist dafür die Grundvoraussetzung. Meist füllt der Patient bereits im Wartebereich einen Befragungsbogen aus, der neben persönlichen Daten auch Vorerkrankungen und regelmäßig eingenommene Medikamente abfragt. Wird der Bogen dann in der Praxis achtlos beiseite gelegt, ist das kein gutes Zeichen. Denn er bietet für den Arzt die Grundlage, einen Überblick über die gesundheitliche Situation seines Patienten zu bekommen. "Eine Rolle spielen können dabei auch Vorerkrankungen in der Familie, besonderer Stress oder andere Belastungen", sagt Oesterreich. In manchen Fällen kann es dann sinnvoll sein, zeitintensive und große Behandlungen zu einem späteren Zeitpunkt durchzuführen, um den Betroffenen damit nicht zusätzlich zu belasten.

Gründliche Untersuchung Wer regelmäßig zweimal jährlich zur Kontrolle geht, der kennt das Prozedere. Der Arzt untersucht den Mundraum genau, inspiziert dabei nicht nur die Zähne und verschafft sich einen Überblick über den Zustand des Gebisses, sondern untersucht auch das Zahnfleisch, um so Karies oder Parodontitis frühzeitig zu erkennen. Diese Untersuchung sollte auch die Inspektion der Mundschleimhaut und der Zunge sowie die Funktion der Kiefergelenke beinhalten.

Prophylaxe Belaganlagerungen an den Zähnen oder blutendes Zahnfleisch — das sind Dinge, über die kein Zahnarzt hinweg sehen sollte. Fallen solche Schwachstellen bei der Untersuchung auf, sollte der Arzt Sie darüber informieren und erklären, wie sich diese vermeiden lassen. Denn nur gut gepflegte Zähne können ein Leben lang halten. "Der Zahnarzt sollte darum immer eine Rückmeldung dazu geben, wie der Patient selber zur Mundgesundheit beitragen kann. Dazu zählt auch auf individuelle Putztechniken aufmerksam zu machen und zu erläutern, was der Patient zu Hause anders machen sollte", hält Oesterreich fest.

Professionelle Zahnreinigung Kritiker halten die professionelle Zahnreinigung für eine nicht notwendige Maßnahme innerhalb der Vorsorgemaßnahmen. Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) hingegen hält fest: "Die Zahnsteinentfernung reicht für eine optimale Vorbeugung von Zahnkrankheiten — sowohl Karies als auch Parodontitis — bei Weitem nicht aus." Um für sich selber abwägen zu können, was Sinn macht, empfiehlt Prof. Dietmar Oesterreich: "Man sollte sich immer gut begründen lassen, warum eine professionelle Zahnreinigung durchgeführt werden muss." Manchmal sei sie lediglich im Abstand von zwei Jahren notwendig, in einem Fall hingegen, in dem es zum Beispiel eine schwere Zahnbettentzündung vorliegt, könne sie vierteljährlich nötig sein. Ein guter Zahnarzt erläutere das individuelle Risiko oder zeige dem Patienten zum Beispiel durch eine Anfärbung, wo es Bakterienbeläge gebe.

Reklamationen Notwendige Nachbesserungen sind ein heikles Thema, die das Arzt-Patienten-Verhältnis schwer belasten können. Grundsätzlich übernimmt der Zahnarzt auch für Probleme, die auf Verschulden des zahntechnischen Labors zurückzuführen sind, eine Gewähr für die Dauer von zwei Jahren. Doch nicht in allen Fällen ist er dazu verpflichtet, finanziell in die Bresche zu springen. Manchmal machen schwierige Füllungslagen zum Beispiel an den Zahnhälsen es nicht leicht, ein optimales Ergebnis zu erzielen. Denn auch nach einer gewissenhaften Behandlung können Probleme auftreten. Ein guter Zahnarzt wird überprüfen, ob Mängel vorliegen und "behebt sie kostenfrei", so die KBZV. "Im Sinne eines guten Arzt-Patienten-Verhältnisses wird er alles versuchen, um eine Lösung zu finden, mit der der Patient zufrieden sein kann", sagt Prof. Dietmar Oesterreich.

Eingesetzte Verfahren Wie modern eine Praxis ausgestattet ist, lässt nicht zwangsläufig Rückschlüsse auf die Kompetenz des behandelnden Arztes zu. Natürlich sollte der Zahnarzt über eine zeitgemäße Ausstattung verfügen, doch kann viel Schnickschnack auch blenden. Neueste technische Errungenschaften und Behandlungsmethoden sind nicht immer ein Garant für eine gute Behandlung. "Der Patient ist kein Versuchskaninchen. Darum sollte sich der Zahnarzt mit wissenschaftlichen abgesicherten Verfahrenen arbeiten", sagt der Zahnexperte. Er rät Patienten, direkt danach zu fragen, welche Erfahrungen mit dem vorgeschlagenen Behandlungskonzept vorliegen und welche Alternativen es gegebenenfalls dazu gibt. Als Anhaltspunkt kann eine fünfjährige wissenschaftlich begleitete Einsatzzeit des vorgeschlagenen Verfahrens gelten.

Zugleich warnt Oesterreich davor, die Behandlungsdauer als Anhaltspunkt für eine sorgfältige Behandlung zu nehmen. "Es gibt Füllungen, die eine Stunde Zeit in Anspruch nehmen und andere, die in fünf Minuten solide ausgeführt werden können." Das sei kein Indiz dafür, dass sich der Behandler keine Mühe gegeben habe.

Behandlungsplan Wenn es ernst wird und eine größere Behandlung ansteht, sollten Sie vor Beginn der Behandlung für sich sicher sein, in guten Händen zu sein. Helfen kann dabei nicht nur der Kostenplan, den der Arzt vorher erstellt, sondern auch das persönliche Gespräch, in dem er diesen erläutert und die bevorstehende Behandlung erklärt. Klarheit schaffen kann auch eine Zweitmeinung, die der Patient bei planbaren Eingriffen einholen kann.

"Manchmal kann es sinnvoll sein, bestimmte Verfahren insbesondere in der Prophylaxe ergänzend durch die zahnmedizinischen Fachangestellten erklären zu lassen, denn für viele Patienten ist dort die Hemmschwelle geringer, Fragen zu stellen", weiß der Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer aus eigener Erfahrung.

Hygiene In Sachen Hygiene gibt es keine Kompromisse. Eine gute Zahnarztpraxis macht unabhängig von ihrer Ausstattung und dem Mobiliar einen hygienischen und sauberen Eindruck. Alles andere sollte Patienten wachsam werden lassen. Sowohl der Arzt selbst als auch Zahnarzthelferinnen tragen bei der Behandlung Handschuhe und einen Mundschutz. Selbstverständlich sind ein sauberer Becher am Spülbecken neben dem Behandlungsstuhl sowie desinfizierte Behandlungsutensilien.

Angst Sie haben die harten Fakten überprüft und ihr Bauchgefühl sagt, Sie sind in guten Händen und trotzdem steigt die Angst in Ihnen hoch, sobald Sie sich dem Zahnarztstuhl nähern? Die Experten raten: Sprechen Sie darüber. Ein guter Zahnarzt geht darauf ein, zeigt Verständnis und versucht, Ihnen die Sorge zu nehmen. Manchmal ist es möglich, die Behandlungsmethoden anzupassen und damit für den Betroffenen Stress zu nehmen.

(wat)
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