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Ein paar Sekunden mehr für die Zähne, bitte!: Zähne - Das haben Sie noch nicht gewusst

Ein paar Sekunden mehr für die Zähne, bitte! : Zähne - Das haben Sie noch nicht gewusst

Zwei Sätze Zähne stehen jedem Menschen im Leben zu. Schon bevor wir das Licht der Welt erblicken, sind sie beide in unserem Kiefer angelegt. Unglaubliche Mengen an Nahrung müssen sie zerkleinern, Säureattacken widerstehen und immer eine gute Figur abgeben. Wir finden, es ist an der Zeit, den Beißerchen einen Augenblick zu widmen.

Schöne und gepflegte Zähne entscheiden für 85 Prozent der Menschen, ob ihnen jemand sympathisch ist oder nicht. Und obwohl sie uns als Statussymbol so wichtig sind, widmen wir ihnen recht wenig Zeit. Gerade mal neun Minuten brächte man täglich für sie auf, wenn man dreimal täglich die Zahnbürste kreisen ließe. Tatsächlich aber putzen die Deutschen gerade mal 90 Sekunden. Nur zwei Prozent der Erwachsenen schaffen es dabei, die Beläge komplett zu entfernen. Dabei ist die Devise kurz aber kräftig. Viele verwenden die Zahnbürste wie einen Schrubber. Diese für die Zähne aufreibende Tortur lässt sich von den Zahnbürsten ihrer Benutzer ablesen. Die Borsten biegen sich erbärmlich nach außen. Eine weitere Benutzung schädigt Zahnfleisch und Zähne.

Statt Schrubben besser Fegen

Mit trickreich angebrachten Borsten oder wild vibrierenden Schallzahnbürsten versuchen Hersteller von Zahnpflegeprodukten die falschen Putztechniken der Benutzer aufzufangen. Denn zwei Drittel der Deutschen putzen so, wie sie es als Kind gelernt haben mit kreisenden Bewegungen. Das aber ist falsch. Die richtige Technik besteht in fegenden und rüttelnden Bewegungen, die das Zahnfleisch schonen und bakteriellen Zahnbelag optimal entfernen. "Würde in korrekter Art und Weise geputzt, würde eine einfache Zahnbürste mit planer Oberfläche und abgerundeten Borsten vollkommen ausreichen", sagt Michael Hohaus, Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde und niedergelassener Zahnarzt in Düsseldorf.

Grauenvolles naht auch beim genauen Blick auf die Sonderdisziplin "Zahnraumreinigung": Über 50 Prozent pflegen laut einer repräsentativen Umfrage die Zahnzwischenräume nie, sagen die Zahnspezialisten der Initiative "prodente". Mit der Verwendung von Zahnseide, Interdentalbürsten oder Zahnhölzern sind viele nicht vertraut. Sie vergessen, dass ein Zahn nicht nur aus der Front und Rückwand, beziehungsweise der Kaufläche besteht. Fünf Seiten wollen sauber gehalten werden und das gelingt nur mit Zahnseide und Co ergänzend zur Bürste.

Unser Körper hat nichts Härteres als Zähne

­So viel Vernachlässigung geht auf Dauer nicht spurlos am Kauapparat vorbei. Denn Zähne sind zwar das härteste Material in unserem Körper, unempfindlich sind sie deswegen aber noch lange nicht. In der Vergrößerung zeigt sich der harte Zahnschmelz als mikrofeines Gitter. Gelangen Säuren auf den Zahn, lösen sich aus diesem Gitter schützende Stoffe wie Magnesium, Natrium oder Kalium. In den entstandenen Lücken finden Bakterien einen netten Unterschlupf.

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Einen besonders gemeinen Ruf hat der Streptococcus Mutans. Er wird den Zähnen gefährlich, weil er Karies verursacht. In schmierigem Plaque findet er beste Überlebensbedingungen. Wer sich an die gemeinen Kerle Karius und Baktus aus Kindertagen erinnert, der weiß, dass es vor allem Zucker ist, von dem sich der "Streptococcus Mutans" ernährt. Er wandelt diverse Zuckerarten aus Nahrung und Naschprogramm in Milchsäure um und sorgt für das saure Milieu im Mund, das die Zähne angreifbar macht.

Entdeckungen, die zur Errungenschaft werden wollen

Wissenschaftler der New Yorker Privatuniversität Rochester haben zwar herausgefunden, dass Weintrauben Bestandteile beinhalten, die die Bildung von Zahnbelag verhindern und so auf natürliche Art und Weise das Wachstum der Kariesbakterien verhindern, doch ist das Wissen noch nicht so recht nutzbar gemacht. Wenig Erfolg versprechend ist nämlich der massenhafte Konsum des süßen Obstes, das dummer Weise einen recht großen Anteil an Traubenzucker beinhaltet, der den Zähnen alles andere als gut tut. Helfen könnte eine Mundspülung, die in hoher Konzentration die wundersam wirkenden Polyphenole der Trauben sammelt, die schädlichen Zuckerstoffe aber nicht beinhaltet.

Mit anderen Mitteln wollen künftig Forscher des Forsyth-Instituts in Boston den Kariesbakterien auf den Leib rücken. Sie entwickeln eine Impfung, die verhindern soll, dass sich die Streptococcus-Erreger vermehren. Über ein Nasenspray sollen ihren Vorstellungen nach dann bereits einjährige Kinder gegen Zahnkaries geimpft werden können. Dann nämlich sind die Milchzähne zwar schon zu Teilen sichtbar, aber noch nicht von den vernichtenden Bakterien besiedelt.

Solange diese wissenschaftlichen Vorstöße aber noch nicht spruchreif sind, bleibt nichts anderes als: Zahnbürste zücken, fluoridhaltige Zahnpasta drauf und gründlich ohne Druck und in rüttelnden Bewegungen den Plaque runterwackeln.

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(wat)