Wann das Zähneputzen nach dem Frühstück schadet

Zeitpunkt hängt vom Essen ab: Wenn das Zähneputzen nach dem Frühstück schadet

Nach dem Essen erst mal die Zähne putzen – so haben es die meisten gelernt. Stimmt aber nicht. Wir haben Experten fünf Frühstücks-Varianten gezeigt - heraus kamen fünf Zeitpunkte zum Zähne putzen.

Brot, Müsli, Marmelade oder Obst – was morgens auf dem Frühstückstisch landet, ist sehr unterschiedlich. Genauso verschieden sind allerdings auch die Empfehlungen zur Zahnpflege. Denn je nachdem, was als erstes in den Mund wandert, sollte man auch seine Zähne zu einem anderen Zeitpunkt putzen.

Sagen Sie was Sie frühstücken und unsere Experten sagen Ihnen, wann Sie putzen sollten:

  • Variante 1: Toast mit Butter und Marmelade

Ein süßes Frühstück mit Marmelade oder anderen gezuckerten Brotaufstrichen lässt den Biofilm, der sich morgens oft als pelziges Gefühl auf den Zähnen bemerkbar macht, wachsen. Das macht die Zähne übermäßig angreifbar. „Zucker und Kohlehydrate werden bereits im Mund aufgespalten und bilden dabei Säuren“, sagt Roland Frankenberger, Zahnmediziner und Direktor der Abteilung für Zahnerhaltungskunde am Uniklinikum Marburg. „Diese Säuren lassen den pH-Wert im Mund absinken. Dadurch lösen sich Mineralien aus dem Zahnschmelz“, sagt Frankenberger. Zahnmediziner sprechen in diesem Zusammenhang von der Demineralisierung des Zahnschmelzes. Die führen zu sogenannten Erosionen, also unumkehrbaren Schädigungen der Zahnhartsubstanz.

Kariesbakterien haben es durch die Erosionen der Zahnoberfläche leicht, die weiche Schmelzschicht auf dem Zahn anzugreifen und Karies zu verursachen. Die Schäden könnten im Laufe der Zeit auch auf das unter dem Zahnschmelz liegende Zahnbein (Dentin) übergreifen. „Wer süß frühstückt, sollte darum nicht vor, sondern nach der Mahlzeit die Zähne putzen“, sagt Frankenberger. Er empfiehlt mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta alle Beläge gründlich zu entfernen und so wieder für ein gesundes Milieu im Mundraum zu sorgen. „Gleiches gilt auch bei säurearmen Obstsorten wie Bananen“, sagt der Düsseldorfer Zahnmediziner Michael Hohaus.

  • Variante Nummer 2: Das Obstfrühstück

Obst gilt als gesund, denn es enthält viele Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe und Ballaststoffe. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt deshalb zwei Portionen am Tag zu sich zu nehmen. Wer das direkt mit dem Frühstück erledigen möchte oder morgens gerne Smoothies oder Orangensaft trinkt, der sollte von der alten Empfehlung, direkt nach dem Frühstück die Zähne zu putzen, Abstand nehmen.

Der Grund: Durch die Säure der Früchte wird der Zahnschmelz angelöst. Das sei besonders beim Verzehr saurer Fruchtsorten wie Orangen, Mandarinen, Ananas oder Kiwis der Fall, sagt Hohaus. Wie auch bei der Säureattacke nach dem Verzehr von Zucker- und Kohlehydraten lösen sich Mineralien wie Calcium und Phosphat aus dem feinen Kristallgitter, das der Zahnschmelz um den Zahn bildet. „Der Zahn löst sich oberflächlich auf“, sagt Frankenberger.

Wer dann unmittelbar nach dem sauren Mahl zur Zahnbürste greift, putzt den aufgeweichten Zahnschmelz einfach weg. „Besonders stark kommt dieser Effekt zum Tragen, wenn eine Zahnpasta mit groben Putzkörpern benutzt wird oder die Zähne mit starkem Druck gesäubert werden“, sagt Hohaus.

Besser ist es bei einer solchen Mahlzeit die Zähne bereits vor dem Essen zu säubern. „Nach dem Essen kann ein Glas Wasser die Situation im Mund neutralisieren. Besser noch ist sogar ein Glas Milch. Denn calciumhaltige Nahrungsmittel neutralisieren laut Hohaus die Säurewirkung am Zahn.

Was viele nicht wissen: Auch unabhängig von Fruchtsäften und saurem Obst drohen den Zähnen über den Tag heftige Säureattacken. Neben Fruchtsäften enthalten nach Information der Zahnmediziner Limonaden, Cola, Sport- oder Energydrinks viel Säure. Durch dauerndes Nippen werden die Zähne damit immer wieder umspült. „Irgendwann ist der Zahnschmelz dann weg“, sagt Frankenberger.

Selbst Teetrinker sind diesem Risiko ausgesetzt, sofern sie schwarzen Tee mit Zitrone verfeinern. Der Düsseldorfer Zahnmediziner erinnert sich an einen Patienten, der täglich zwei Liter Tee mit einem Spritzer Zitronensaft trank. Über die Dauer vieler Jahre habe der Patient keinen Zahnschmelz mehr gehabt. Am Ende bedeutete das eine aufwendige Zahnbehandlung, bei der 28 Zähne überkront werden mussten.

  • Variante Nummer 3: Selbst gemischtes Müsli mit Milch

Zuckerfreies Müsli mit Joghurt oder Milch ist ernährungsphysiologisch ein guter Start in den Tag. Auch die Zähne profitieren davon. Putzt man vor dem Frühstück die Zähne, sind sie frei von Plaque und es könne nichts passieren, sagt Hohaus. Günstig wirkt sich zudem die Milch aus denn sie neutralisiere. Mit einem Schluck Wasser lassen sich Reste von Müslikörnern zwischen den Zähnen wegspülen.

  • Variante Nummer 4: Brot mit Käse oder Wurst

Diese Frühstücksvariante stufen die Zahnmediziner für die Zähne als unproblematisch ein. Zwar liefern Brot und Beläge Kohlehydrate, die zu Säuren verstoffwechselt werden, putzt man danach jedoch die Zähne, ist kein Schaden zu befürchten.

  • Variante Nummer 5: Eiweißfrühstück und Joghurt

Da ein solches Frühstück keinerlei Zucker und auch keine Kohlehydrate enthält, befindet sich in der Mundhöhle nichts, was Bakterien verstoffwechseln könnten. Unter diesen Voraussetzungen sei es möglich, die Zähne bereits vor dem Frühstück zu putzen und nach der Mahlzeit gleich zu Schule oder Job zu starten. Wer mag, kann zu einem zuckerfreien Xylit-Kaugummi greifen. Das Kauen regt laut Frankenberger die Speichelproduktion an. Vorteilhaft daran: Speichel repariert und remineralisiert.

Länger als rund zehn Minuten sollte das Kaugummi jedoch nicht im Mund bleiben, empfiehlt Hohaus. Alles andere sei Bodybuilding für die Kaumuskulatur und könne im ungünstigsten Fall zu Kiefergelenksbeschwerden führen.

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