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Jeder Vierte betroffen: Stinken tut es nur den anderen

Jeder Vierte betroffen : Stinken tut es nur den anderen

Jeder Vierte leidet irgendwann am Tag unter Mundgeruch. Meist aber stinkt es nur den anderen gehörig. Was da aus des Kollegen Mund zum Gegenüber strömt, kann der Betroffene selbst nicht riechen. Das macht es Betroffenen schwer, das Übel an der Wurzel zu packen.

Halitosis nennt der Mediziner das Phänomen, das andere die Nase rümpfen lässt. Ohne einen Hinweis sind Menschen mit Mundgeruch ihrem Schicksal selbst überlassen, denn die Nase gewöhnt sich schnell an eigene Gerüche. So können die Betroffenen ihre unangenehme Duftnote selbst nicht wahrnehmen.

Zur ernsthaften Belastungsprobe kann das Problem im Job wie auch unter Freunden werden, wenn es länger ungelöst im Mund- oder Rachenraum schlummert. In den meisten Fällen liegt das Übel auf der Zunge oder im Mundraum. Dahinter stecken können neben mangelnder Mund- und Zahnhygiene auch Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes oder solche im Hals-Nasen-Ohren-Bereich.

Was den unangenehmen Geruch erzeugt

Oft sind es Bakterien, die den kussunfreundlichen Geruch erzeugen. Sie kommen ohne Sauerstoff aus und leben in der Mundhöhle. In den Nischen des Mundraumes oder den Vertiefungen auf der Zunge finden sie optimale Lebensbedingungen. Dort zersetzen sie Speisereste, Eiweiße und andere Organische Substanzen, die sich dort befinden. Schwefelsäure schließlich ist das, was am Ende aus dem Mund herauskommt und andere das Weite suchen lässt.

Mit der richtigen Mundhygiene kann man die unangenehmen Bakterien in den meisten Fällen dauerhaft vertreiben. Prof. Dr. Thomas Kerschbaum von der Universität Köln empfiehlt, zweimal pro Tag die Zähne mit System mit einer Zahncreme, die Fluorid enthält, zu bürsten. Einmal pro Tag sollten auch Zahnzwischenräume gründlich gereinigt werden. Zudem empfehlen Zahnärzte heute die Reinigung der Zunge. Denn auf ihr siedeln sich bei Halitosis-Patienten meist 25 mal mehr Bakterien an als bei Menschen ohne Geruchsproblem aus dem Mund, sagt die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie.

Reinigen lässt sich die Zunge entweder mit einer speziellen Zungenbürste oder auch mit Zahnbürsten, die auf ihrer Rückseite eigens dafür ausgestattet sind. Mit der Zahnbürste selbst lässt sich meist wegen des Auslösend des Würgereizes nur der vordere Teil der Zunge reinigen.

Wenn Erkrankungen dahinter stecken

Zweithäufigste Ursache sind Probleme im Hals-Nasen-Ohren-Bereich, dies ist bei etwa jedem zwölften Patienten der Fall. Möglich sind eine eitrige Bronchitis, Lungen- oder Mandelentzündungen. "Mundgeruch ist auch gegenüber dem Arzt immer noch ein Tabuthema", ist die Erfahrung von Udo Walter, HNO-Arzt in Duisburg. Er erlebt es immer wieder, dass Betroffene in seiner Praxis zunächst andere Beschwerden äußern und dann über Umwege auf das Thema kommen.

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Als Erste-Hilfe-Maßnahme gegen Mundgeruch empfehlen die Experten Kaugummi. Das Kauen regt den Speichelfluss an, und Speichel ist die beste natürliche Abwehr gegen Bakterien. Mundwasser hilft nur kurz gegen den üblen Geruch. Mit solchen oder ähnlichen Mitteln langfristig erfolgreich gegen den Mundgeruch ankämpfen zu wollen, ist aber der falsche Weg. Erst eine Beseitigung der Ursache sorgt für eine dauerhafte Lösung.

Der sinnvollste Gang ist zunächst der zum Zahnarzt. Denn neben Ursachen, die in Speiseresten auf Zunge und in Zahnzwischenräumen begründet liegen, können dahinter auch Erkrankungen des Zahnhalteapparates stecken, so wie eine Parodontitis, oder auch Karies. Unbehandelt gesellen sich dann auf Dauer noch Zahnschmerz oder Entzündungen des Zahnfleischs zum üblen Geruch hinzu.

Hier geht es zur Infostrecke: Acht Tipps gegen Mundgeruch

(wat)