Zahnreport — Mit Kindern früher zur Vorsorge Männer scheuen Zahnarztbesuch

Berlin · 30 Prozent der Deutschen müssen sich pro Jahr wegen Karies behandeln lassen. Kinder gehen zu spät zum Zahnarzt. Dennoch ist das Versorgungsniveau laut des Zahnreports in Deutschland im internationalen Vergleich gut.

So steht es um die Zähne der Deutschen
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Eltern in Deutschland schieben die erste Erfahrung ihrer Kinder mit einem Zahnarzt weit hinaus: Nur eins von drei Kindern im Vorschulalter erhält eine zahnärztliche Vorsorge, wie aus dem Zahnreport der Barmer GEK hervorgeht.

Der Vize-Chef der Kasse, Rolf-Ulrich Schlenker, mahnte "Handlungsbedarf" an. "Hier müssen Bundesländer, Zahnärzte, aber auch wir Kassen noch mehr Initiative zeigen", betonte Schlenker. Auch die Zahnärzte sprachen sich für mehr Initiative aus. Schäden am Milchgebiss hätten später häufig auch Schäden der bleibenden Zähne zur Folge, betonte der Autor der Studie, Thomas Schäfer. Besonders erstaunte die Gesundheitsexperten, dass 95 Prozent der Eltern die Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt wahrnehmen, dass aber nur ein Drittel mit dem Nachwuchs den Zahnarzt aufsucht.

Ausgaben für Vorsorge haben sich verdoppelt

Bei den älteren Kindern und Jugendlichen nehmen deutlich mehr die Zahn-Vorsorge in Anspruch. Sie lag im Jahr 2010 bei knapp 68 Prozent. Die insgesamt gute Inanspruchnahme der zahnärztlichen Prophylaxe schlägt bei den Kassen zu Buche. Die Ausgaben für Vorsorge sind in den vergangenen zehn Jahren um 50 Prozent gestiegen. Die Zahnarztkosten steigen dem Report zufolge ohnehin beständig.

Während die Kassen im Jahr 2006 rund 7,7 Milliarden Euro für zahnärztliche Behandlungen ausgaben, waren es im vergangenen Jahr 8,4 Milliarden Euro. Die Durchschnittskosten für Behandlungen beim Zahnarzt lagen im Jahr 2010 bei rund 106 Euro pro Person. Rund 30 Prozent der Bevölkerung müssen sich pro Jahr mindestens einen Zahn wegen Karies behandeln lassen. Häufiger werden die Zähne im Oberkiefer als im Unterkiefer befallen.

Junge Männer sind Zahnarztmuffel

Im Osten gehen die Menschen häufiger zum Zahnarzt als im Westen: 77 Prozent der Ostdeutschen suchen mindestens einmal pro Jahr einen Zahnarzt auf, im Westen sind es nur 69 Prozent. Nordrhein-Westfalen liegt im Bundesvergleich im Mittelfeld. Wie auch bei anderen medizinischen Gebieten gehen Frauen häufiger zum Zahnarzt als Männer. Insbesondere junge Männer erweisen sich dem Report zufolge als Zahnarztmuffel.

Selbst zwischen Stadt und Land gibt es Unterschiede: Die Landbevölkerung nimmt es genauer mit den Zahnarztbesuchen als die Städter. Dabei ist die Zahnarztdichte in städtischen Gebieten höher. Im internationalen Vergleich der Industriestaaten liegt die Zahnarztversorgung in Deutschland auf hohem Niveau. Pro 100.000 Einwohner gibt es 77 Zahnärzte. Nur in Belgien, Finnland und Dänemark ist das Versorgungsniveau noch höher. In Polen beispielsweise kommen hingegen auf 100 000 Einwohner gerade einmal 35 Zahnärzte. In Großbritannien sind es auch nur 42 Zahnmediziner pro 100.000 Einwohner.

Darauf zielen die Kassen ab

Die Krankenkassen drängen auf mehr Nachprüfbarkeit von Zahnarztrechnungen. Nach einem Forderungskatalog des GKV-Spitzenverbandes wollen die Kassen künftig die gesamte Zahnarztrechnung von Kassenpatienten inklusive des privat zu zahlenden Teils überprüfen. Zudem fordern sie mehr Mitsprache bei der Ausgestaltung der Honorare. Schlenker betonte: "Der Patient ist für uns unteilbar. Er lässt sich nicht in abgesicherte Kassenpatienten und frei schwebende Privatpatienten dividieren."

Die Zahnärzte kritisierten den Bericht der Krankenkasse als unzureichend. "Er sagt nichts über die inakzeptable Versorgungssituation vieler Pflegebedürftiger und Menschen mit Behinderung für die die gesetzliche Krankenversicherung leider keine bedarfsgerechten Leistungen zur Verfügung stellt", erklärte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Jürgen Fedderwitz. An dieser Stelle gebe es dringenden Handlungsbedarf.

(wat/anch/rm)