Folgeerkrankungen und Therapiemöglichkeiten: Wie gefährlich Sodbrennen wirklich ist

Folgeerkrankungen und Therapiemöglichkeiten: Wie gefährlich Sodbrennen wirklich ist

Fließt der ätzende Magensaft zurück in die Speiseröhre, verursacht das unangenehme Beschwerden, die längere Zeit hinweg zu gefährlichen Veränderungen der Schleimhaut führen können. Wie gefährlich ist Reflux wirklich?

Häufiges und starkes Aufstoßen und Sodbrennen, das sind die typischen Symptome einer Refluxkrankheit. Diese Beschwerden können enorm belastend sein, den Schlaf sowie das allgemeine Wohlbefinden beeinträchtigen. Betroffene leiden unter einem dauernden Räusperzwang oder unter Verengungen in der Speiseröhre, was Schluckbeschwerden mit sich bringen kann.

Reflux kann zudem dazu führen, dass sich die Speiseröhre entzündet. Das ist überaus schmerzhaft und muss ärztlich behandelt werden. Weit gefürchtet sind außerdem Erkrankungen wie Asthma oder Krebs, die das sauere Aufstoßen auslösen kann. Fließt der salzsäurehaltige Magensaft nämlich dauernd zurück in die Speiseröhre, verändern sich die Schleimhautzellen dort. Denn im Unterschied zum Magen ist die Röhre, die vom Mund zu den weiteren Verdauungsorganen führt, der agressiven Säure schutzlos ausgeliefert.

Über längere Zeit hinweg verursachen darum solche Säureattacken das von Gastroenterologen gefürchteten Barett-Syndrom, einer Vorstufe des Speiseröhrenkrebses. Patienten, die dauerhaft über Sodbrennen klagen, raten sie aus diesem Grund häufig zu einer Spiegelung des Magens und der Speiseöhre, um die Zellveränderung zu begutachten und gegebenenfalls sofort endoskopisch zu beheben.

Anders sehen das allerdings die Experten des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Sie sind vom Bundesgesundheitsministerium und dem Gemeinsamen Bundesausschuss beauftragt, unabhängig und beweisgestützt Gutachten zu Behandlungsmethoden, Früherkennungsverfahren oder dem Einsatz von Arzneimitteln zu erstellen.

Wie oft Krebs durch Sodbrennen entsteht

"Wird eine Refluxkrankheit festgestellt, machen sich viele Menschen wegen Folgeerkrankungen wie Speiseröhrenkrebs Sorgen", sagt Andreas Waltering, stellvertretender Leiter des Ressorts Gesundheitsinformation beim Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Der Reflux verändere nämlich nur selten im Laufe der Zeit die Speiseröhren-Schleimhaut, sodass es zu einem sogenannten Barrett-Ösophagus komme. "Aber auch bei Menschen mit Barrett-Ösophagus ist Speiseröhrenkrebs selten: Etwa eine von 100 Personen erkrankt innerhalb von zehn Jahren daran", so Waltering. Tatsächlich hatten im Jahr 2011 dänische Forscher in einer Studie veröffentlicht, dass von 1000 Patienten mit Barett-Syndrom innerhalb von zehn Jahren lediglich zehn Speiseröhrenkrebs bekamen.

Die medizinische Klinik für Gastroenterologie des Universitätsklinikums Charitè verweist auf die so genannte Zehnerregel: Jeder zehnte Patient mit Refluxbeschwerden hat eine Speiseröhrenentzündung (Refluxösophagitis). Jeder zehnte Patient mit Refluxösophagitis hat einen Barrett-Ösophagus. Jeder zehnte Patient mit Barrett-Ösophagus entwickelt einen bösartigen Tumor der Speiseröhre.

Das macht den Magen sauer

"Anders als viele glauben, ist nicht einfach zu üppiges Essen die Ursache. Vielmehr funktioniert meist der Verschluss zwischen Speiseröhre und Magen nicht richtig, so dass vermehrt Mageninhalt in die Speiseröhre zurückfließen kann", erklärt er. Auch körperliche Belastung oder Bücken kann Sodbrennen steigern oder auslösen. In Deutschland klagt rund 30 Prozent der Bevölkerung im Laufe eines Jahres über Refluxprobleme, informiert die Gastro-Liga dazu. Bei 60 bis 90 Prozent der Betroffenen bestehen die Beschwerden dauerhaft über Jahre hinweg und sind damit chronisch.

Manchmal ist ein nicht richtig schließender Magenpförtnermuskel dafür verantwortlich, dass der Mageninhalt statt des weiteren Wegs nach unten, den nach oben wählt und so in die Speiseröhre zurückfließt. In anderen Fällen kann auch eine überempfindliche Speiseröhre solche Beschwerden verursachen. Fettiges und schweres Essen, Süßigkeiten wie Schokolade, saure Nahrung oder Getränke wie Wein, Alkohol insgesamt, lösen die Beschwerden aus.

Die richtige Behandlung zu finden, erfordert Geduld. "Welche Mittel und Maßnahmen bei der Refluxkrankheit helfen, kann von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein", so Waltering. Manche haben beispielsweise den Eindruck, dass bestimmte Lebensmittel oder Gewohnheiten wie das Schlafen in Rückenlage die Beschwerden hervorrufen oder verstärken. Dann kann es einen Versuch wert sein, diese Lebensmittel wegzulassen oder beispielsweise den Oberkörper beim Schlafen höher zu lagern. Reicht das allein nicht aus, können Medikamente Beschwerden wie Sodbrennen lindern.

Diese Medikamente kommen zum Einsatz

Laut Studien profitierten viele Menschen mit Refluxkrankheit von sogenannten Protonenpumpenhemmern. Bei fast der Hälfte der Betroffenen hatten diese Medikamente eine gute Wirkung und das Sodbrennen nahm ab oder verschwand sogar ganz. Protonenpumpenhemmer (PPI) unterdrücken die Bildung von Magensaft. Sie sind in geringerer Dosis in der Apotheke rezeptfrei zu bekommen, werden hingegen in höherer Dosis vom Arzt verordnet.

H2-Rezeptorenblocker verhindern die Bindung des Hormons Histamin im Magen, wodurch keine größere Mengen an Magensaft mehr ausgeschüttet werden. Daneben gibt es mit den so genannten Antazida Präparate, die den Magensaft binden und so das Milieu neutralisieren. Allerdings ist bei diesen rezeptfreien Medikamenten strittig, ob sie bei einer Refluxkrankheit wirklich helfen. Menschen mit leichtem Sodbrennen können davon eher profitieren.

Operation nicht immer die beste Lösung

Bei sehr starken Beschwerden oder wenn Medikamente nicht den gewünschten Erfolg bringen, kann auch eine Operation infrage kommen. Bei einer Anti-Reflux-Operation (Fundoplikatio) wird der obere Teil des Magens um die Speiseröhre gelegt, um zu verhindern, dass Mageninhalt in die Speiseröhre zurückfließt. Die Operation kann wie jeder andere Eingriff Nebenwirkungen haben - beispielsweise Infektionen oder Blutungen. Manchmal führt eine Anti-Reflux-Operation auch zu Schluckbeschwerden oder Schwierigkeiten beim Aufstoßen und Völlegefühl. Während zwei Drittel der Menschen mit Refluxkrankheit nach einem Eingriff ohne Medikamente auskommen, benötigt sie ein Drittel weiterhin.

Refluxkrankheit oder doch bloß Sodbrennen?

Gelegentliches Sodbrennen kommt auch bei vollkommen gesunden Menschen vor. Dafür kann tatsächlich sehr fettes oder scharfes Essen eine Ursache sein. Erst wenn die Beschwerden so häufig und ausgeprägt sind, dass sie das tägliche Leben beeinträchtigen, oder die Speiseröhre sich entzündet hat, spricht man von einer Refluxkrankheit. Dann sollte man den Arzt ins Vertrauen ziehen und der Schmerzursache nachgehen.

Hier geht es zur Infostrecke: Das hilft gegen Sodbrennen

(wat)