Stuhlgang - was sagt Farbe, Geruch und Konsistenz über Gesundheit aus?

Medizin: Stuhlgang — darüber sollten Sie sich wirklich Gedanken machen

Bei der Sauberkeitserziehung kann ein Häufchen im Töpfchen für wahre Emotionsausbrüche bei Eltern sorgen. Später im Leben hingegen ist alles rund um dieses Thema tabu. Warum man dennoch den Blick öfter einmal zurückwerfen sollte.

Kacke! — Was als Schimpfwort eine gewisse Alltagstauglichkeit beweist, ist als Gesprächsthema vollkommen verpönt. Stuhlgang ist ein Tabuthema. "Dabei ist es nicht verkehrt, darüber zu sprechen", sagt Andreas Schwiertz, Mikrobiologe und Lehrbeauftragter der Universität Gießen. Denn alleine Farbe, Geruch und Konsistenz des Stuhls geben Hinweise auf unseren Gesundheitszustand.

Aus diesem Grund tun beispielsweise junge Eltern nichts falsches, wenn sie interessiert den Blick in die Windel des Nachwuchses werfen und so überprüfen, ob alles zum Besten steht. Spätestens jedoch, wenn die Reinlichkeitserziehung im Kleinkindalter abgeschlossen ist, wird der Blick zusehends nach vorne statt nach hinten gewandt. Das war nicht immer so. Erst in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg habe sich das Verständnis über Exkremente zunehmend gewandelt, sagt Schwiertz. Heute verschwindet das, was nach dem Verdauen übrig bleibt, möglichst geruchsfrei in der Toilette. Für Schwiertz hingegen ist es normal über das zu sprechen, was am langen Ende rauskommt.

Dabei können Stuhlhäufigkeit, Geruch und Beschaffenheit wichtige Hinweise zum Gesundheitszustand geben. Verändere sich der Stuhl, sei dies ein wichtiger Indikator, sagt Christian Helmes, Arzt im Coloproktologischen Zentrum Düsseldorf. Er und seine Kollegen interessieren sich als Fachärzte für Dick- und Enddarmerkrankungen für all diese Dinge.

Alles, was wir über die Ernährung zu uns nehmen, kommt nach der Verwertung im Magen-Darmtrakt als Verdauungsprodukt wieder zum Vorschein. Rund die Hälfte der normalerweise wohl geformten Masse besteht dabei aus den Nahrungsresten, der Rest aus bakterieller Masse.

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Vor allem ältere Leute versetzt die mangelnde Verdauungshäufigkeit schnell in Unruhe. Dabei kann sie höchst unterschiedlich sein und hängt unter anderem mit der Ernährungsweise und Bewegungshäufigkeit zusammen. Drei große Geschäfte am Tag sind ebenso normal wie drei in der Woche, sagt Helmes. Dabei gibt der Mensch täglich eine durchschnittliche Stuhlmenge von 100 bis 500 Gramm ab. Je ballaststoffreicher jedoch die Ernährung ist, desto größer kann diese Menge ausfallen. Während eiweißreiche Nahrung eher fester, härter und dunkler ist, führt die Aufnahme von Ballaststoffen und Flüssigkeit zum Aufquellen des Kots.

An sich wäre Stuhl farblos. Die uns bekannte braune Farbe bekommt er durch den Stoff Sterkobilin, der im Darm aus dem Gallenfarbstoff Bilirubin gebildet wird und auch die Farbe des Urins bestimmt, sagt Schwiertz. Dabei können verschiedene Brauntöne auftreten, die allesamt normal sind und in einigen Fällen durch die Art der Nahrung oder Medikamenteneinnahme bestimmt werden:

Die sogenannte Bristol-Skala beschreibt sieben verschiedene Konsistenz-Typen von Stuhl.

Achtung jedoch bei klebrigen, fettigen Stühlen. "Schleim im Stuhl deutet oft auf entzündliche Prozesse hin", sagt Mikrobiologe Schwiertz. Dazu zählen zum Beispiel eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse oder Gallensteine. Doch auch bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis uclerosa oder Morbus Crohn kann es zu Schleimauflagerungen kommen. Denkbar ist jedoch auch eine Darmkrebserkrankung. Darum gilt: kommt es häufiger vor, sollte man den Arzt zu Rate ziehen.

(wat)