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Ständig müde: Das sind die häufigsten Auslöser​

Entzündungsherde, Nährstoffmangel, Schilddrüse : Ständig müde — das sind die häufigsten Auslöser

Müdigkeit ist eines der häufigsten Symptome, die beim Arztbesuch genannt werden. Zwar sind zu wenig Schlaf oder Schlafstörungen die naheliegendsten Ursachen, doch lange nicht die einzigen. Was kann hinter dem Leistungsknick stecken und wie kommt man dem wirklichen Auslöser auf die Spur?

Wer ein unerträgliches Pochen im Zahninneren spürt, dem kann der Arzt in der Regel schnell helfen. Es ist ein typisches Symptom für eine Wurzelentzündung. Stark juckender Ausschlag mit wasserhaltigen Bläschen ist als klares Indiz für Windpocken. Oft lässt sich eine Krankheit über sogenannte Leitsymptome identifizieren. Sie deuten wie ein Hinweisschild auf eine einzige oder eine überschaubare Anzahl an Möglichkeiten. Bei anhaltender Müdigkeit ist das Gegenteil der Fall.

Beinahe jeden Tag habe ich mindestens einen Patienten, der wegen chronischer Müdigkeit in die Praxis kommt“, sagt der Bedburger Allgemeinmediziner Jens Wasserberg. Denn Müdigkeit zählt zu den häufigsten beim Arzt genannten unspezifischen Symptome. Das Hinweisschild zeigt in unüberschaubar viele Richtungen., etwa auf die Option Schilddrüsenerkrankung ebenso wie auf Long-Covid, Depression oder einfach nur Eisenmangel, um nur einige zu nennen. Was also tun? Wann ist Mattigkeit überhaupt ein Fall für den Arzt und was kann dahinterstecken?

„Wer über vier bis sechs Wochen hinweg häufiger als dreimal in der Woche unter Müdigkeit leidet, sollte ärztlichen Rat einholen“, sagt Hans-Günter Weeß, Leiter des Schlafzentrums am Pfalzklinikum in Klingenmünster. Weitere Alarmsignale sind das Einschlafen bei täglichen Verrichtungen oder extreme Vergesslichkeit und Konzentrationsprobleme. Sich nach kleinster körperlicher Anstrengung gleich ausgepowert und schlapp zu fühlen sei ebenfalls ein Hinweis und auch, wenn der normale Tagesablauf nicht mehr funktioniere, sagt Allgemeinmediziner Wasserberg. Vor allem dann, wenn gängige Hausrezepte wie Bewegung an der frischen Luft, ausreichend Schlaf und leichte Mahlzeiten am Abend keine Linderung bringen.

Hausarzt und Schlafmediziner sind oft die ersten Anlaufstellen, bei denen Betroffene Rat einholen. Das macht Sinn: Hausärzte kennen ihre Patienten meist über einen längeren Zeitraum hinweg. Ihnen ist bekannt, welche Medikamente eingenommen werden – denn auch Arzneimittel kommen als Ursache von Müdigkeit in Frage. Bei der Eingangsdiagnostik fragt Wasserberg nach den Lebensumständen, Schichtarbeit, möglichen Probleme am Arbeitsplatz und der familiären Situation. Das erleichtert die Spurensuche bezüglich psychischer Ursachen wie Stress, Depressionen oder Burnout.

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Als Psychotherapeut und Schlafmediziner hat auch Weeß diese Fragestellung im Blick. Jedoch auch häufige schlafbedingte Ursachen wie Schlafmangel, Ein- und Durchschlafprobleme oder nächtliche Atemaussetzer, auch Schlaf-Apnoe genannt, zählen dazu. „Fühlen Sie sich schon direkt nach dem Aufstehen extrem müde und unausgeruht oder fallen beispielsweise im Straßenverkehr oder beim Verrichten monotoner Tätigkeiten in Sekundenschlaf, kann das auf solche Auslöser hinweisen“, sagt Weeß.

Stress ist ein bedeutender Verursacher des chronischen Erschöpfungssyndroms, auch Fatigue-Syndrom genannt. Andauernd unter Strom zu stehen beansprucht besonders die Nebennieren. Diese schütten in brenzligen Situationen Stresshormone aus, damit wir in Alarmbereitschaft versetzt die Lage gut bewältigen können. Ist man jedoch in Daueralarm, macht das nicht nur die Nebennieren müde. Daneben berichten viele Long-Covid-Patienten über eine chronische Fatigue. Möglicherweise ist die bleibende Müdigkeit also auch die Folge einer vorangegangenen Corona-Erkrankung.

Manchmal führt die Suche nach den Ursachen jedoch von solchen eher naheliegenden Auslösern weg. Denn Müdigkeit gilt auch als erstes Signal dafür, dass körperlich etwas nicht stimmt. Vor allem, wenn sich weitere Symptome wie Schwindel oder Schmerzen hinzugesellen. Sie können auf Erkrankungen wie Herzleiden, niedrigen Blutdruck oder Bluthochdruck hinweisen. Durch ergänzende Fragen kann der Arzt die Suche weiter eingrenzen: Leiden die Betroffenen neben Müdigkeit auch unter angeschwollenen Füßen und Beinen, Atemnot bei Anstrengung und in Ruhe oder nächtlichem Husten, asthmatischen Beschwerden oder Ängsten, kommt eine Herzinsuffizienz in Frage. Mattigkeit in Verbindung mit Schwächeanfällen oder sogar kurzer Ohnmacht kann auf Herzrhythmusstörungen hindeuten. Darum steht die körperliche Untersuchung beim Hausarzt inklusive Puls- und Blutdruckmessung meist am Anfang der Spurensuche. Das ergänzen Hausärzte bei entsprechendem Verdacht häufig durch ein EKG“, sagt Wasserberg.

Manchmal schafft das Abhören der Atmung mit dem Stethoskop weitere Klarheit und bringt Hinweise auf das Vorliegen einer Lungenerkrankung. Lungenerkrankungen machen müde, weil sie wie beispielsweise beim Lungenhochdruck zu verengten Gefäßen in der Lunge führen können. Dadurch gerät dadurch die rechte Herzhälfte unter Druck. Der Herzschlag beschleunigt sich im weiteren Verlauf und es kann bei körperlicher Belastung zu Atemnot kommen. Betroffene fühlen sich schneller ermüdet. Auch Menschen mit COPD oder Lungenfunktionsstörungen wie chronischer Bronchitis berichten oft über Müdigkeitsbeschwerden.

„Ergänzend zu diesen Untersuchungen kann die Bestimmung von Blutwerten weiterhelfen“, sagt Weeß. Denn diese gibt beispielsweise Aufschluss über Nährstoffdefizite, wie einen Eisenmangel. Dieser kann nicht nur Müdigkeit sondern auch Schwindel, Herzrhythmusstörungen, Haarausfall oder Nervosität hervorrufen. Im Blut erkennbarer Vitamin B12- und Folsäure-Mangel steht manchmal in Verbindung mit Erkrankungen des Magen- und Darmtraktes oder Autoimmunkrankheiten wie Morbus-Crohn. Die Betroffenen fühlen sich ebenfalls vermehrt schlapp und leistungsschwach.

Über das Blut lassen sich daneben Hormon- und Stoffwechselstörungen oder Entzündungen als Auslöser erkennen. Aufschluss geben dabei der sogenannte CPR-Wert (C-reaktives Protein) sowie den Interleukin-6-Wert. Das Problem allerdings: Diese Werte zeigen lediglich das Vorliegen einer Entzündung an, nicht aber den Ort, an dem sie abläuft.

Stille Entzündungen (silent inflammation) machen müde, weil sie im Körper eine Art Daueralarm auslösen. Der Organismus fährt in Folge dessen die Immunabwehr hoch, um die ihm durch die Entzündung signalisierten Eindringlinge zu bekämpfen. Das braucht unglaublich viel Energie und macht müde.

Auch rheumatisch veränderte Gelenke oder eine Schilddrüsenerkrankung lösen chronische Entzündungen aus und lösen darum Müdigkeit als Symptom aus. Was bei Schilddrüsenerkrankungen zudem eine Rolle spielen kann: Die Schilddrüse ist eines der wichtigsten Organe im Energiestoffwechsel. Bei einer Unterfunktion arbeitet sie untertourig – was bei Betroffenen zudem zu Erschöpfung und Müdigkeit führen kann. Feststellen kann der Arzt das Vorliegen einer Schilddrüsenkrankheit über die Bestimmung des sogenannten TSH-Werts im Blut. Dieser zeigt an, ob die Schilddrüse genug Hormone produziert.

Müdigkeit, die in Verbindung mit Antriebsschwäche und Appetitlosigkeit auftritt, kann den Verdacht auf eine Lebererkrankung oder –infektion aufwerfen.

Nicht zuletzt kann auch falsche Ernährung und mangelnde Flüssigkeitsaufnahme energielos und müde machen. Trinken wir zu wenig, dickt das Blut ein, befördert weniger Sauerstoff zum Gehirn und fördert die Sehnsucht nach einem Nickerchen. Das Gehirn schaltet hingegen nicht auf Sparflamme, wenn man 1,5 bis 2 Liter am Tag trinkt. Wer im ernährungsbedingten Tief hängt kann sich mit einer Banane über den Berg helfen. Die gelben Früchte sind eine schnelle Energiequelle, ebenso wie proteinreiche Nüsse und Magerquark.

Im Infokasten einer vorangegangenen Version war irrtümlich die Information enthalten, dass ein niedriger Homocysteinspiegel zu einem niedrigen Vitamin B-Spiegel und damit zu Erschöpfung führen kann. Richtig ist, dass ein hoher Spiegel ein Hinweis auf einen erniedrigten Vitamin B-Spiegel sein kann. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.