Sprechstunde : Mutters Milch ist die beste

Unsere Leserin Yvonne K. (27) aus Wuppertal fragt: "Ich bin schwanger und erwarte in zwei Monaten mein erstes Kind. Soll ich stillen? Meine Schwester fand das sehr anstrengend."

Mechthild Schulze-Hagen Die meisten Schwangeren sind bestens informiert über die Vorteile und beabsichtigen, ihr Baby zu stillen. Doch immer wieder gibt es Verunsicherungen. Dabei ist völlig klar: Welche Nahrung sollte für einen Säugling besser sein als die Muttermilch? Sie ist im Lauf unserer Evolution so vollkommen konstruiert worden, dass sie alle notwendigen Nähr- und Schutzstoffe in optimaler Zusammensetzung enthält. Sie ist immer verfügbar, richtig temperiert und hygienisch einwandfrei. Es kann keine Fertigmilch geben, die so perfekt wäre.

Jüngere Forschungen bekräftigen, wie einzigartig das Potenzial von Muttermilch ist. Sie bietet einen weitreichenden Schutz vor Infektionskrankheiten, programmiert die gesunde Darmflora und fördert die Hirnentwicklung, vor allem die geistigen Eigenschaften. Gestillte Kinder haben später seltener Übergewicht und ein geringeres Risiko für Diabetes. Neben diesen gesundheitlichen Vorteilen gibt es noch wichtigere: Kinder, die über sechs bis zwölf Monate gestillt worden sind, sind später emotional stabiler, intelligenter und lebenstüchtiger als eine ungestillte Vergleichsgruppe.

Doch nicht jede junge Mutter ist in der Lage zu stillen, weil manchmal gesundheitliche oder andere Gründe dagegen sprechen. Wo aber die Voraussetzungen stimmen, sollte Stillen selbstverständlich sein. Stillen braucht vernünftige Rahmenbedingungen: Information und Motivation in den Geburtsvorbereitungskursen, geduldige Anleitung auf der Wöchnerinnenstation durch erfahrene Hebammen und Schwestern.

Das Wichtigste aber ist ein stressfreies Stillklima zu Hause. Das Neugeborene und seine Eltern brauchen Ruhe, damit sie sich aufeinander einstellen können. Hast und Hektik sind Feinde des Stillens: Stillen klappt in solcher Atmosphäre nicht auf Kommando; da werden Kinder unruhig und Mütter nervös. Zu wenig Milch oder aber ein Milchstau, wunde Brustwarzen und Brustentzündung sind die Folge. In solchen Situationen sollte es heißen: "Der Besuch geht jetzt besser nach Hause." Hilfreich ist die Unterstützung durch eine souveräne Still-Hebamme. Haben sich Mutter und Kind aufeinander eingestellt, ist Stillen problemlos und entspannt, sind Mutter und Kind emotional synchronisiert.

Und wie lange soll gestillt werden? Die Nationale Stillkommission empfiehlt, sechs Monate voll zu stillen. Beikost kann schon mit vier Monaten gegeben werden. Im Schnitt stillen Mütter sieben bis acht Monate. Das ist gut.

(RP)