Im Schlaf: Selbsthilfe gegen Albträume

Im Schlaf : Selbsthilfe gegen Albträume

Psychologen der Heine-Uni wollen Menschen helfen, die regelmäßig unter Albträumen leiden. Mit einem Internet-Selbsthilfetraining sollen die Betroffenen lernen, ihren Albträumen ein positives Ende zu geben.

Jeder fünfte Deutsche leidet nachts regelmäßig unter Albträumen, wacht mindestens ein Mal die Woche erschrocken und mit erhöhtem Puls auf, weil er in seinen Fantasien verfolgt wird und um sein Leben läuft, in die Tiefe stürzt oder zu spät zu einem wichtigen Termin erscheint. Die angsteinflößenden, wiederkehrenden Fantasien belasten die Betroffenen oft immens: Sie können dazu führen, dass man am Tag nicht leistungsbereit ist, können Depressionen und Angstzustände auslösen und sogar das Herzkreislaufsystem belasten.

>> Hier: Davon handeln die meisten Albträume

Wissenschaftler am Institut für Experimentelle Psychologie der Heinrich-Heine-Universität wollen Betroffenen helfen: mit einem Internet-Selbsthilfetraining, dem "Albtraum-Coach". "Viele Menschen scheuen aus Scham den Gang zum Psychiater oder Psychologen", sagt Doktorand Max Böckermann, der mit Diplom-Psychologin Annika Gieselmann das wissenschaftliche Projekt an der Düsseldorfer Uni leitet. "Mit dem Online-Coach ist die Hemmschwelle sehr gering. Zudem können Betroffene zeit- und ortsgebunden an der Therapie teilnehmen", sagt Böckermann. Betreut wird jeder Patient von Anfang an von einem persönlichen Albtraum-Coach. "Er begleitet den Patienten durch jede Stufe des Trainings, gibt Rückmeldungen über den Behandlungsverlauf und -erfolg."

Zentraler Baustein der Behandlung ist die "Imagery Rehearsal Therapy" (Vorstellung-Wiederholungs- Therapie), ein Verfahren, mit dem in den USA seit 20 Jahren traumatisierte Soldaten behandelt werden. "Wir betrachten Albträume dabei als eine Art Horrorfilm und wollen den Betroffenen helfen, das ,Drehbuch? so umzuschreiben, dass der Traum am Ende keine Angst oder negative Gefühle hervorruft", sagt Böckermann.

Die Therapie beginnt mit dem Schreiben eines Tagebuches. "Drei Wochen lang schreiben die Betroffenen sofort nach dem Aufwachen alle Details ihrer Träume in ihr Online-Albtraumtagebuch auf www.albtraumcoach.de", erklärt Böckermann. Dann wählen sie einen besonders beklemmenden und wiederkehrenden Albtraum aus und schreiben diesen so um, dass er nicht mit dem Gefühl der Angst oder Panik endet. Wer vom freien Fall träumt, könne sich etwa vorstellen, dass ihm Flügel wachsen. Wer nachts von einem unbekannten Wagen verfolgt wird, könne den Traum so umschreiben, dass Freunde in dem Wagen sitzen. Diesen Traum mit Happy-End stellen sich die Betroffenen immer wieder vor, "in einer entspannten, sicheren Umgebung", sagt Böckermann. Der Wiederholungs-Effekt führe schließlich dazu, dass die Verbindungen zwischen einzelnen Synapsen im Hirn stärker sind als die für die bösen Träume. "Wir trainieren das Hirn sozusagen um."

Studien aus dem In- und Ausland belegen den Erfolg der Albtraum-Behandlung, sagt Böckermann: "Nach sechs bis acht Wochen Training haben die Betroffenen spürbar weniger Albträume und können nachts wieder durchschlafen."

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(anch)
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