Unerfüllter Kinderwunsch : Schilddrüsenunterfunktion und Schwangerschaft - so klappt es

Eine Schilddrüsenunterfunktion kann eine Schwangerschaft verhindern oder zu Risiken führen. Lesen Sie hier, was Sie als Betroffene bei einer geplanten Schwangerschaft wissen sollten.

Bei der Schilddrüsenunterfunktion schüttet die Schilddrüse zu wenig T3- und T4 Hormone aus. Durch den Hormonmangel verlangsamt sich der Stoffwechsel, Betroffene fühlen sich müde und antriebslos. Das Ungleichgewicht im Hormonhaushalt kann bei Frauen zu Zyklusstörungen und einer gestörten Eizellenreifung führen.

Warum kann die Schilddrüsenunterfunktion eine Schwangerschaft verhindern?

Durch den Mangel an Schilddrüsenhormonen, die normalerweise viele Funktionen des menschlichen Organismus steuern, läuft der Körper auf Sparflamme. Die wichtigsten Körperfunktionen werden noch ausgeführt, aber viele Bereiche leiden. Der Herzschlag verlangsamt sich, der Blutdruck sinkt und der Stoffwechsel wird träge.

Betroffene benötigen weniger Energie und nehmen zu, obwohl Sie nicht viel essen. Neben Symptomen einer leichten Depression und dem Verlust der Libido stört die Unterfunktion auch die Fruchtbarkeit. Männer leiden unter Potenzstörungen, bei Frauen wird der Zyklus beeinträchtigt. Durch die sogenannte Hypothyreose findet der Eisprung seltener statt und der Zyklus wird unregelmäßig.

Wie wirkt sich die Schilddrüsenfunktion auf die Fruchtbarkeit aus?

Eine gesunde Schilddrüse produziert angeregt durch das von der Hirnanhangdrüse produzierte Thyreoidea-stimulierendes Hormon (TSH) die Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3). Thyroxin wirkt sich auf das luteinisierende Hormon (LH) aus, das wiederum an der Bildung von Gelbkörperhormonen beteiligt ist. Diese treiben die Eizellenreifung voran und lösen den Eisprung aus.

Das Hormon Trijodthyronin hat unter anderem Einfluss auf die Eierstöcke. Werden nicht mehr ausreichend Hormone von der Schilddrüse ausgeschüttet, wird das sensible Hormongleichgewicht gestört und damit der gesamte Zyklus der Frau.

Bis zu zehn Prozent der Frauen mit einem unerfüllten Kinderwunsch leiden an einer Erkrankung der Schilddrüse. Neben der Hypothyreose können weitere Störungen auftreten. Schwangere und Mütter haben außerdem ein erhöhtes Risiko folgende Schilddrüsenerkrankungen zu entwickeln:

  • Schilddrüsenunterfunktion: Bei dieser Erkrankung ist der TSH-Wert erhöht und die Schilddrüse schüttet nicht mehr genügend T3- und T4-Hormone aus. Es kommt zu einer Verlangsamung verschiedener Stoffwechselvorgänge. Bei Schwangeren kann die Entwicklung des Kindes im Mutterleib gestört werden.
  • Schilddrüsenüberfunktion: Bei schwangeren Frauen mit einer Überfunktion ist das Risiko einer Fehlgeburt im ersten Trimester erhöht. Der TSH-Wert ist niedriger als normal. Die Ursache der Überfunktion sollte so schnell wie möglich behandelt werden.
  • Kropf: Ein Kropf, also eine vergrößerte Schilddrüse, ist ein ernstes Zeichen eines Jodmangels. Der Kropf entsteht bei einem Mangel von Jod oft erst im letzten Drittel der Schwangerschaft. Zusätzliches Jod in Tablettenform wird für Schwangere empfohlen.
  • Postpartale Thyreoiditis: Die postpartale Thyreoiditis ist eine entzündliche Erkrankung der Schilddrüse. Sie tritt in der Regel einige Monate nach der Geburt des Kindes auf. Leiden Sie unter einer Postpartum-Thyreoiditis, sollten Sie regelmäßig Ihre Schilddrüsenwerte kontrollieren lassen und fehlende Hormone durch Medikamente supplementieren.

Insbesondere bei Unterfunktionen der Schilddrüse wird der Zyklus und die Eizellenreifung gestört. Es kommt seltener zu einem Eisprung betroffene werden nur schwer schwanger. Schon eine latente Schilddrüsenunterfunktion oder einer subklinischen Hypothyreose kann dem Kinderwunsch im Weg stehen. Diese leichte Form der Unterfunktion liegt bei erhöhten TSH-Werten vor, während die Konzentration der Schilddrüsenhormone im Blut noch im normalen Bereich liegt.

Eine manifeste Hypothyreose, bei der nicht nur der TSH-Wert erhöht, sondern auch zu wenig Hormone der Schilddrüse im Blut nachgewiesen werden können, sollte immer ärztlich behandelt werden. Bei einem Kinderwunsch oder wenn Sie bereits schwanger sind, ist auch eine leichte Unterfunktion behandlungsbedürftig.

Erste Anzeichen für eine Hypothyreose bei Frauen sind unter anderem:

  • Müdigkeit
  • Antriebslosigkeit
  • Kälteempfindlichkeit
  • Trockene Haut und spröde Haare
  • Gewichtszunahme und Wassereinlagerungen
  • Unregelmäßiger Zyklus
  • Fruchtbarkeitsstörungen

Suchen Sie am besten einen Arzt auf, wenn Sie schon über ein Jahr lang einen starken Kinderwunsch hegen, Sie bisher jedoch nicht schwanger geworden sind. Sind sie über 35 Jahre alt, sollten Sie schon nach sechs Monaten ohne erfolgte Schwangerschaft Ihre Hormonwerte prüfen lassen.

Wie kann man trotz Schilddrüsenunterfunktion eine Schwangerschaft ermöglichen?

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion kann die Schwangerschaft manchmal auf sich warten lassen. Arbeitet die Schilddrüse nicht richtig, verläuft auch der Zyklus nicht reibungslos. Es kommt nur selten oder gar nicht zu einem Eisprung oder die Schwangerschaft endet vorzeitig mit einem frühen Abgang.

Für den ganzen Organismus aber auch bei einem bestehenden Kinderwunsch ist es wichtig, die Hypothyreose rechtzeitig behandeln zu lassen. Wird eine Unterfunktion der Schilddrüse diagnostiziert, kann die Schilddrüse durch die Gabe von künstlichen Schilddrüsenhormonen unterstützt werden.

Die fehlenden Hormone werden dann in Tablettenform verabreicht. Wichtig ist es, den Körper vor einer Schwangerschaft auf die künstlichen Hormone einzustellen. Das kann einige Wochen dauern. Dabei wird anfangs nur eine geringe Menge künstliches Thyroxin verabreicht. Diese Menge wird über einen längeren Zeitraum nach und nach gesteigert.

Damit die Dosis stimmt, wird der TSH-Wert regelmäßig untersucht. Im Idealfall sollte der Wert bei 1,0 mU/l liegen. Ist der Körper auf die Hormone eingestellt, sollten sich alle Beschwerden der Hypothyreose inklusive der Fruchtbarkeitsstörung wieder normalisieren.

Erfüllt sich der Kinderwunsch trotz der Behandlung der Unterfunktion der Schilddrüse nicht, können neben der medikamentösen Behandlung durch Schilddrüsenhormone auch Maßnahmen wie eine künstliche Befruchtung zum gewünschten Kind verhelfen. Vor allem wenn Sie über 35 sind und Ihr Partner auch an einer Fruchtbarkeitsstörung leidet, wird der zeitige Besuch einer Kinderwunschklinik empfohlen.

Welche möglichen Risiken gibt es in der Schwangerschaft durch eine Schilddrüsenunterfunktion?

Wird die Schilddrüsenunterfunktion nicht behandelt, kann das ungeborene Kind in der Schwangerschaft gefährdet werden. Bei einer unbehandelten Hypothyreose kommt es häufiger zu Fehlgeburten im ersten Trimester. Bleibt die Schwangerschaft bestehen, kann die Entwicklung des Kindes im Mutterleib gestört werden.

Die Schilddrüsenhormone sind für die Gehirnentwicklung des Kindes wichtig. Eine Störung der mütterlichen Schilddrüsenfunktion in der Schwangerschaft kann zu geistigen Entwicklungsstörungen und Kleinwuchs des Babys führen.

Vor allem in den ersten Schwangerschaftswochen ist das Baby gefährdet, da der kleine Körper kein eigenes Thyroxin bildet. Die kindliche Schilddrüse des ungeborenen Babys beginnt ab der 12. Schwangerschaftswoche zu arbeiten und Schilddrüsenhormone herzustellen.

Wer mit einer Schilddrüsenunterfunktion schwanger ist, wird in der Regel engmaschiger überwacht. Neben den Risikofaktoren für die Entwicklung des Kindes ist bei der mütterlichen Schilddrüsenunterfunktion auch das Risiko für Fehlbildungen des Kindes, eine verzögerte Lungenreife des Kindes und das Risiko einer Frühgeburt erhöht. Für die Mutter besteht ein erhöhtes Risiko einer Präeklampsie (Schwangerschaftsvergiftung).

Bestand vor der Schwangerschaft eine latente Hypothyreose, die noch nicht mit Tabletten behandelt wurde, sollte diese spätestens mit Beginn der Schwangerschaft durch die Gabe von zusätzlichen Schilddrüsenhormonen in Tablettenform behandelt werden. Denn in der Schwangerschaft steigt der Bedarf der Schilddrüsenhormone noch mehr.

So wird die Diagnose einer Schilddrüsenunterfunktion gestellt:

Bei Verdacht auf eine Schilddrüsenunterfunktion bei Schwangeren sollte der Hormonstatus geprüft werden. Neben der Bestimmung von TSH, dem Thyreoidea stimulierendem Hormon der Hirnanhangdrüse, sollten auch die Konzentration der Schilddrüsenhormone T3 und T4 im Blut gemessen werden.

Zusätzlich kann die Schilddrüse per Ultraschall untersucht werden. Bestätigt sich eine Schilddrüsenerkrankung, muss die Schwangere die gesamte Schwangerschaft und auch danach überwacht werden.

Was kann man bei einer Schilddrüsenunterfunktion in der Schwangerschaft tun?

Wer über ein Jahr nicht auf natürlichem Weg nicht schwanger wurde, sollte mögliche Ursachen mit dem Arzt abklären. Kinderwunschkliniken können bei einem unerfüllten Kinderwunsch gezielte Behandlungen durchführen, die eine Schwangerschaft ermöglichen. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion steht der Ausgleich des Hormonmangels an erster Stelle.

Denn die ungewollte Kinderlosigkeit löst sich in den seltensten Fällen von selbst. Stattdessen muss die Erkrankung behandelt und eine eintretende Schwangerschaft engmaschig überwacht werden. So können Risikofaktoren wie eine mögliche Fehlgeburt verhindert werden. Ist der TSH-Wert höher als 2,5 mlU/l, müssen künstliche Schilddrüsenhormone zugeführt werden. Der Wert des TSH sollte idealerweise bei 1,0 mlU/l liegen.

In der Schwangerschaft schüttet die mütterliche Schilddrüse normalerweise noch mehr Schilddrüsenhormone aus. Bei einer Schilddrüsenerkrankung müssen in der Schwangerschaft in der Regel ein Viertel bis ein Drittel mehr Hormone zugeführt werden als normalerweise.

Zusätzlich sollte auf eine ausreichende Jodversorgung geachtet werden. Während der Schwangerschaft ist der Bedarf an Jod erhöht. Die werdende Mutter benötigt dann 150 bis 230 µg Jod pro Tag, stillende Frauen sogar 260 Mikrogramm Jod. Der erhöhte Bedarf an Jod kann meist nicht vollständig über die Nahrung gedeckt werden. Eine Jodtablette kann helfen, den Mangel auszugleichen.

Hier finden Sie weitere Informationen zum Thema Schilddrüsenunterfunktion.

In der Nahrung ist Jod vor allem in Fisch enthalten, sowie in mit Jod angereicherten Lebensmitteln. Nehmen Sie noch dazu ein Präparat mit Jod zu sich, können Sie auf mit Jod angereicherte Lebensmittel verzichten. Eine kurzzeitige vermehrte Aufnahme von Jod zieht in der Regel keine Nebenwirkungen mit sich. Nur bei einer Hashimoto-Unterfunktion wird von einer vermehrten Jodaufnahme abgeraten.

Hier geht es zur Infostrecke: Schilddrüsenunterfunktion: 10 Tipps, wie es mit der Schwangerschaft klappt

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