Schilddrüsenunterfunktion: Diese Werte sollten Sie kennen

Erhöhter TSH-Wert : Diese Werte deuten auf eine Schilddrüsenunterfunktion hin

Mediziner unterscheiden die Schilddrüsenunterfunktion in verschiedene Formen. Alle Schilddrüsen-Erkrankungen haben gemeinsam, dass im Blut ein hoher TSH-Wert gefunden wird. Es gibt aber auch noch weitere Werte, die bei der Diagnose auf eine Unterfunktion hinweisen.

Die primäre Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) ist eine häufig vorkommende Erkrankung des Stoffwechsels, von der vor allem Frauen betroffen sind. Dabei verläuft die Entwicklung bei Erwachsenen meist schleichend und unbemerkt. Bis die Diagnose gestellt ist, dauert es deshalb meist eine längere Zeit.

Was ist der Schilddrüsenregelkreis?

Die primäre Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) ist eine häufig vorkommende Erkrankung des Stoffwechsels, von der vor allem Frauen betroffen sind. Dabei verläuft die Entwicklung bei Erwachsenen meist schleichend und unbemerkt. Bis die Diagnose gestellt ist, dauert es deshalb meist eine längere Zeit.

Die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) im Gehirn kann die Produktion sowie auch die Ausschüttung der Schilddrüsenhormone je nach Bedarf durch das Hormon TSH (Thyreotropin oder Thyreoidea-stimulierendes Hormon) erhöhen oder senken. Hierfür misst die Hirnanhangdrüse immer wieder die Hormonkonzentration des TSH im Blut.

Wenn das Organ zu viele Hormone produziert, sinkt der TSH-Wert und die Schilddrüse drosselt die Hormonproduktion. Produziert sie hingegen zu wenige Hormone, kurbelt die Schilddrüse die Hormonproduktion an, sodass der TSH-Wert steigt. Mithilfe des TSH-Wertes im Blut lässt sich also gut erkennen, wie die Schilddrüse funktioniert.

Zu dem Schilddrüsenregelkreis gehört auch ein Teil des Zwischenhirns, der sogenannte Hypothalamus, der das Hormon TRH (Thyreotropin-Releasing-Hormon) bildet. Dieses regt die Hirnanhangdrüse zur TSH-Produktion und TSH-Ausschüttung an. Damit ist der Hypothalamus das übergeordnete Regelzentrum, das die Aktivität der Hirnanhangdrüse steuert.

Der TSH-Wert wird auch als zentraler Schilddrüsenwert bezeichnet. Schüttet die Hirnanhangdrüse das TSH aus und gelangt es mit dem Blut zur Schilddrüse, regt das TSH dort die Aufnahme von Jod sowie die Produktion der Schilddrüsenhormone T3 und T4 (periphere Schilddrüsen-Werte) an.

Triiodthyronin (T3) und Thyroxin (T4) sind im Blut größtenteils an Transportproteine gebunden. Im Körper können diese Hormone jedoch nur in ungebundener Form als Botenstoff wirken. Durch bestimmte Enzyme werden sie in die aktive Form umgewandelt, und zwar in das freie T3 (fT3) und das freie T4 (fT4). Nur etwa 0,3 Prozent des Gesamt-T3 und 0,05 Prozent des Gesamt-T4 sind in freier Form vorhanden.

Das wirksamere Schilddrüsenhormon ist dabei das T3. So dient T4 lediglich als Prohormon (Vorstufe) für das Hormon T3.

Welche Werte sollte man bei einer Schilddrüsenunterfunktion testen lassen?

Zum Erkennen einer Schilddrüsenerkrankung eignet sich der TSH-Wert (TSH-Normbereich: 0,27 bis 4,2 µlU/ml). Denn dieser reagiert auf eine veränderte Schilddrüsenfunktion empfindlicher als die Schilddrüsenhormone T3 und T4. Bestimmt wird der TSH-Wert als „TSH basal“. Das bedeutet, dass die Ausschüttung des TSH vor der Blutabnahme nicht durch einen TRH-Test angeregt wurde. Bei diesem Test erhält der Patient vor der Blutabnahme von dem Arzt das Hormon TRH, das die Ausschüttung von TSH anregt. Zum Einsatz kommt dieser Test jedoch nur bei komplexen Funktionsstörungen des Organs.

Wenn der basale TSH Wert erhöht ist, weist dies in dem meisten Fällen auf eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) hin. Mögliche Ursachen für eine Unterfunktion der Schilddrüse können unter anderem sein:

  • Hashimoto-Thyreoiditis (Autoimmunerkrankung, chronische Entzündung der Schilddrüse)
  • schwerer Jod-Mangel
  • Einnahme von Medikamenten (z. B. Thyreostatika), die Produktion der Schilddrüsenhormone hemmen
  • Einnahme von Medikamenten (z. B. hochdosiertes Jod), die mit der Schilddrüsenhormonproduktion wechselwirken
  • Zustand nach Radiojodtherapie (Behandlung mit radioaktivem Jod) oder Schilddrüsenoperation

In seltenen Fällen kann bei einem erhöhten TSH-Wert auch eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) vorliegen. Meist handelt es sich dann um ein gutartiges Adenom der Hirnanhangdrüse, das zu viel TSH produziert, sodass die TSH-Normwerte überschritten werden.

Wenn der TSH-Wert zu niedrig ist, liegt in der Regel eine Überfunktion (Hyperthyreose) vor. Mögliche Ursachen können eine Schilddrüsenautonomie (z. B. heiße Knoten oder kalte Knoten in der Schilddrüse) oder die Erkrankung Morbus Basedow sein. Dabei handelt es sich bei der Basedow-Krankheit ähnlich wie bei der Hashimoto-Thyreoiditis um eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse. Eine der häufigsten Ursachen für einen zu niedrigen TSH-Wert ist jedoch eine zu hohe Dosierung von L-Thyroxin bei einer Schilddrüsenunterfunktion, die dann zu einer Schilddrüsenüberfunktion führt.

Sollte der TSH-Spiegel im Referenzbereich liegen, jedoch der Verdacht auf eine Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion bestehen, werden auch die freien Schilddrüsenhormone fT3 und fT4 im Blut bestimmt. Wenn die fT3- und fT4-Werte zu hoch sind, kann dies auf eine Schilddrüsenüberfunktion wie beispielsweise bei einer Schilddrüsenautonomie oder bei Morbus Basedow hinweisen. Zu niedrige T3-Werte und T4-Werte deuten hingegen auf einer Unterfunktion hin.

Wann sind die Werte bei einer Schilddrüsenunterfunktion auffällig?

Die Normalwerte der Schilddrüsenfunktion wie die Schilddrüsenhormone TSH, fT3 und fT4 bewegen sich in einem bestimmten Bereich. Liegen die Werte jedoch außerhalb dieser Normalwerte, ist die Funktion des Organs gestört.

  • TSH-basal: 0,27 bis 4,2 µlU/ml
  • Gesamt-T3: 0,52 bis 2,05 µg/l
  • fT3: 3,4 bis 7,2 pmol/l
  • Gesamt-T4: 43 bis 111 ng/ml
  • fT4: 0,73 bis 1,95 ng/dl

Wenn der TSH-Wert erhöht und die fT4- und/oder fT3-Werte normal sind, kann dies auf eine leichte Schilddrüsenunterfunktion (latente Hypothyreose) hinweisen. Sind die fT4- und/oder fT3-Werte zu niedrig bei gleichzeitig erhöhter TSH-Konzentration, handelt es sich bereits um eine ausgeprägte Schilddrüsenunterfunktion.

Sollte es keinen TSH-Anstieg geben, der Wert des TSH-Hormons zu niedrig sein und sich die Werte der freien Schilddrüsenhormone im Normalbereich bewegen, so kann es sich um eine leichte Schilddrüsen-Überfunktion (latente Hyperthyreose) handeln. Von einer ausgeprägten Schilddrüsenüberfunktion wird ausgegangen, wenn der TSH-Wert niedrig und die Werte T3 und T4 erhöht sind.

Werte für autoimmune Schilddrüsen-Erkrankungen

Das Regelsystem der Schilddrüse ist sehr empfindlich. Bei unterschiedlichen Erkrankungen kann es zu Funktionsstörungen kommen. So bilden einige Patienten Antikörper, die sich gegen das System der Schilddrüse richten. Zu diesen Antikörpern gehören unter anderem:

  • Mikrosomale Antikörper (MAK oder TPO-Antikörper): Diese Antikörper richten sich gegen kleine Strukturen in den Schilddrüsenzellen (Mikrosome) und gegen das Enzym TPO.
  • Thyreoglobulin-Antikörper (TAK oder TG-AK): Das Thyreoglobulin (Eiweiß), aus denen die Hormone T3 und T4 gebildet werden, wird von diesen Antikörpern angegriffen.
  • TSH-Rezeptor-Antikörper (TRAK): Diese Schilddrüsen-Antikörper setzen sich auf die TSH-Rezeptoren und regen die Schilddrüse dazu an, die Hormone T3 und T4 übermäßig in das Blut abzugeben.

Bei der Autoimmunerkrankung Morbus Basedow sind die TRAK-Werte im Serum besonders erhöht, da die Antikörper die Schilddrüse dazu anregen, vermehrt die Schilddrüsenhormone T3 und T4 auszuschütten. Infolge dessen kommt es zu einer ausgeprägten Schilddrüsen-Überfunktion (Hyperthyreose). Ein wichtiges Symptom dieser Erkrankung ist das Hervortreten der Augäpfel.

Erhöhte Werte der Antikörper TPO-AK und TAK im Serum zeigen sich vor allem bei der Hashimoto-Thyreoiditis. Hier wandern Plasmazellen und Lymphozyten in die Schilddrüse und zerstören das Gewebe. Zu Beginn weisen Hashimoto-Patienten eine Überfunktion auf, bis es dann zu einer dauerhaften Schilddrüsen-Unterfunktion (Hypothyreose) kommt.

Bei Verdacht auf eine Hashimoto-Thyreoiditis werden zunächst die TPO-Antikörper bestimmt. Sind diese nicht nachweisbar, erfolgt die Bestimmung der TG-Antikörper. Hingegen ist die Bestimmung der TSH-Rezeptor-Antikörper lediglich bei latenter oder manifester Hyperthyreose sinnvoll.

Für die zuvor genannten Antikörper gelten folgende Normbereiche:

  • TPO: < 80 U/ml
  • TAK: Frauen: < 100 IU/ml und Männer: < 60 IU/ml
  • TRAK: < 9 U/l
  • Thyreoglobulin (TG): < 75 µg/ml und nach Schilddrüsenentfernung: < 3 µg/ml

Werte für Schilddrüsenkrebs (C-Zell-Karzinom)

Bei Schilddrüsenkrebs spielt unter anderem das Hormon Calcitonin eine bedeutende Rolle, das in den C-Zellen des Organs gebildet wird. Dabei ist Calcitonin maßgeblich am Kalziumstoffwechsel beteiligt und fördert darüber hinaus den Knochenaufbau. Wenn der Verdacht auf das C-Zell-Karzinom, eine Form von Schilddrüsenkrebs, besteht, kann es sinnvoll sein, den Calcitonin-Wert im Blut zu bestimmen. Bei Frauen liegt dieser bei < 5,0 ng/l und bei Männern bei < 8,4 ng/l.

Sollte der Wert erhöht sein, könnte dies neben dem Bestehen eines C-Zell-Karzinoms folgende Ursachen haben:

  • Nierenschwäche
  • Folge der Einnahme einer Antibabypille bei Frauen
  • Hypergastrinämie (Magen produziert zu viel Gastrin)

Liegt der Wert unterhalb des Normbereiches, ist der Kalzium-Spiegel im Blut zu niedrig.

Wie oft sollte man bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) die Werte testen?

Gilt die Diagnose Hypothyreose als gesichert, erfolgt eine medikamentöse Behandlung. Der Patient erhält dann im Rahmen der Therapie das Medikament L-Thyroxin. Zu Beginn der Behandlung wird eine niedrige Dosis eingenommen, die dann in regelmäßigen Abständen gesteigert wird, bis sich die Schilddrüsenwerte normalisiert haben.

Während der Medikamenteneinstellung sind zeitnahe Kontrollen notwendig. In der Regel erfolgen dann die Blutuntersuchungen einmal pro Woche oder alle zwei Wochen. Wenn der Patient gut auf das Medikament eingestellt ist, reicht eine Kontrolle zwei- bis dreimal pro Jahr aus.

Hier finden Sie weitere Informationen zum Thema Schilddrüsenunterfunktion.

Sollten sich Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion während der Behandlung zeigen, kann dies auf eine Überdosierung hinweisen. Zu diesen Symptomen gehören unter anderem:

  • erhöhter Blutdruck
  • Herzklopfen
  • Stimmungsschwankungen
  • Nervosität, Reizbarkeit
  • Schlafstörungen
  • vermehrtes Schwitzen

Wenn sich diese Symptome bemerkbar machen, sollte dies dem behandelnden Arzt mitgeteilt werden.

Darüber hinaus kann es auch sinnvoll sein, die Schilddrüse vom Arzt genauer untersuchen zu lassen. Der Arzt tastet dann den Bereich um die Schilddrüse herum ab und führt ggf. eine Ultraschall-Untersuchung durch, um Veränderungen an der Schilddrüse erkennen zu können. Wie häufig eine solche Untersuchung stattfindet, hängt individuell vom Patienten und dessen Krankheitsbild ab.

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