Scharlach in der Schwangerschaft - Infos zur Behandlung und mehr

Behandlung und Risiken : Das müssen Sie zu Scharlach in der Schwangerschaft wissen

Scharlach gehört zu den gefürchtetsten Erkrankungen in der Schwangerschaft. Vor allem in den Frühlingsmonaten kommt es zu regelmäßigen Ausbrüchen der Krankheit. Zahlreiche Menschen sind Träger des Erregers, ohne selbst daran zu erkranken. Dennoch können sie die Bakterien an andere weitergeben.

An Scharlach kann jeder erkranken. Besonders weit verbreitet ist die Erkrankung jedoch unter Kindern, die Kita oder Kindergarten besuchen. Die Infektion mit Streptokokken-Bakterien ist hoch ansteckend und geht mit Beschwerden wie Schüttelfrost, Juckreiz und Schluckbeschwerden einher. Auch hohes Fieber ist ein weit verbreitetes Symptom. Häufig erfolgt die Ansteckung über eine Tröpfcheninfektion. Die Erreger besiedeln den Nasen-Rachenraum und gelangen beim Husten oder Niesen in die Luft. Über feinste Speichel-Tröpfchen setzen sie sich mit der Atemluft in der Schleimhaut des Menschen fest.

Auch über den Kontakt mit verunreinigten Gegenständen (unter anderem Besteck, Lebensmittel oder Spielzeug) kann die Ansteckung mit dem Erreger erfolgen. Dieser Übertragungsweg bildet jedoch die Ausnahme. In den meisten Fällen verläuft die Erkrankung harmlos, für Schwangere und ihr ungeborenes Baby kann sie aufgrund von Folgeschäden jedoch gefährlich werden. Aus diesem Grund fragen sich viele Schwangere, was sie tun können, um sich und ihr Baby in der Schwangerschaft vor Scharlach zu schützen.

Was tun bei Scharlach in der Schwangerschaft?

Bei schwangeren Frauen befindet sich das Immunsystem in einem Ausnahmezustand. Es konzentriert sich darauf, das Ungeborene zu schützen. Dadurch reagiert der Körper der Mutter geschwächt und ist anfälliger für Infekte, Viren und Bakterien. Kommt es während der Schwangerschaft zu einer Infektion, ist die Angst der werdenden Mutter häufig groß. Während die Ansteckung mit Röteln zu Fehlbildungen oder einem Spontanabort führen kann, ist diese Sorge im Falle von Scharlach unbegründet.

Im Allgemeinen verläuft die Erkrankung bei entsprechender Therapie komplikationslos. Dennoch sollte ein Arzt hinzugezogen werden, sobald sich in der Schwangerschaft die ersten Krankheitsanzeichen bemerkbar machen.

Dazu gehören unter anderem

  • Fieber
  • Halsschmerzen
  • Abgeschlagenheit
  • geschwollene Lymphknoten
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • Haut- und Schleimhautveränderungen auf
  • Fleckige Färbung der Mundschleimhaut

Ein bekanntes Symptom sind die entzündeten und geröteten Geschmackspapillen, die vom Volksmund als „Himbeerzunge“ bezeichnet werden. Obwohl die Rotfärbung der Zunge schnell mit Scharlach in Verbindung gebracht wird, kann dieses Symptom auch bei einer eitrigen Angina auftreten. Der für Scharlach typische, erhabene und samtartige Ausschlag erscheint zwischen dem zweiten und vierten Tag der Erkrankung, kann bei wiederholter Ansteckung jedoch auch gänzlich ausbleiben. Er verblasst ein bis drei Wochen nach der Infektion und die Haut beginnt sich zu schälen.

Anhand des charakteristischen Ausschlags und des typischen Krankheitsbildes kann der Arzt eine klinische Diagnose stellen. Oft genügt bereits ein Blick in den Rachen, um die Krankheit eindeutig zu diagnostizieren. Darüber hinaus existiert ein Scharlach-Schnelltest, der in wenigen Minuten einen exakten Nachweis des Erregers liefert. Ein spezielles Symptom, das nur innerhalb einer Schwangerschaft auftritt, ist nicht bekannt. Dennoch ist eine frühzeitige Untersuchung ratsam, da Folgeerkrankungen des Scharlachs die Gesundheit von Mutter und Kind beinträchtigen können.

Wie gefährlich ist Scharlach in der Schwangerschaft?

Bemerkt eine Schwangere ein Symptom, das für eine Infektion mit Scharlach spricht, sollte sie einen Arzt hinzuziehen. Wird die Erkrankung frühzeitig erkannt und mit einer entsprechenden Therapie behandelt, ist das gesundheitliche Risiko für das Baby sehr gering. Dennoch benötigt eine erkrankte Schwangere intensivere Betreuung, da die größte Gefahr für Mutter und Kind von eventuell ausbrechenden Folgeerkrankungen ausgeht.

Diese treten Wochen nach der Ansteckung auf und können unter anderem das Herz und die Niere beeinträchtigen. So kann es in seltenen Fällen zu einem septischen Verlauf der Krankheit kommen. Dieser hat keinen direkten Einfluss auf die Schwangerschaft und das ungeborene Kind, führt bei der Mutter jedoch zu Durchfall, Erbrechen und Schleimhaut-Blutungen. Auch plötzlich auftretendes Fieber kann ein Symptom der septischen Form des Scharlachs sein.

Eine weitere Folgestörung ist das rheumatische Fieber. Diese entzündliche Systemerkrankung befällt Gelenke, Haut und Herz. Sie tritt besonders häufig bei Patienten im Alter zwischen drei und fünfzehn Jahren auf. Allgemein geht von der Ansteckung mit Scharlach keine direkte Gefahr für das Ungeborene aus, wenn frühzeitig eine geeignete Therapie erfolgt.

Aufgrund der guten medizinischen Versorgung und Behandlungsmöglichkeiten treten Folgeerkrankungen in Deutschland nur noch in seltenen Fällen auf.

Wie lässt sich Scharlach in der Schwangerschaft behandeln?

Im Gegensatz zu anderen infektiösen Krankheiten erhöht Scharlach in der Schwangerschaft das Risiko einer Früh- oder Fehlgeburt nicht. Dennoch ist aufgrund der möglichen Spätfolgen an Nieren, Herz und Gelenken eine ärztliche Behandlung nötig.

Die medikamentöse Therapie der Infektion erfolgt üblicherweise mit einem Antibiotikum. In den meisten Fällen klingen die Beschwerden und die Ansteckungsgefahr dadurch innerhalb von 24 Stunden ab. Obwohl die erkrankten Personen nicht mehr ansteckend sind und keine Symptome mehr verspüren, sollte die Einnahme des Antibiotikums nicht vorzeitig abgebrochen werden. Setzt die Schwangere die Medikamente zu früh ab, steigt das Risiko für einen Rückfall oder eine dauerhafte Resistenz gegen den Wirkstoff.

Zur Linderung der akuten Beschwerden bieten sich bewährte Hausmittel an. Die Schwangere sollte konsequente Bettruhe einhalten und den Kontakt mit anderen Personen meiden, solange sie ansteckend ist. Ausreichend Flüssigkeit in Form von Wasser und verdünnten Säften hilft dabei, die gereizten Atemwege zu befeuchten. Da eine dauerhaft erhöhte Temperatur während der Schwangerschaft dem Baby schaden kann, sind fiebersenkende Medikamente wie Paracetamol empfehlenswert. Halswickel und salzarme Kost helfen Mutter und Kind, bei Kräften zu bleiben. Da die natürliche Darmflora durch das Antibiotikum beeinträchtigt wird, kann die Schwangere nach Abklingen der Beschwerden regelmäßig Probiotika in Form von Joghurt zu sich nehmen.

Welches Antibiotikum können Sie bei Scharlach in der Schwangerschaft nehmen?

Gerade während der ersten Monate der Schwangerschaft ist das ungeborene Kind anfällig für Einflüsse von außen. Nimmt die Schwangere ein Antibiotikum ein, gelangt dieses selbst bei geringer Menge in den Blutkreislauf ihres Kindes und kann Einfluss auf seine Entwicklung nehmen. Dies gilt auch für Frauen, deren Schwangerschaft noch nicht eindeutig von einem Arzt diagnostiziert wurde.

Bis heute gibt es kein Antibiotikum, das für Schwangere als vollständig unbedenklich bezeichnet werden kann. Dennoch ist das Risiko einer unbehandelten Erkrankung mit Scharlach für das ungeborene Kind deutlich größer als die Nebenwirkungen des Antibiotikums. Erkranken Schwangere an Scharlach, wird die Krankheit in den meisten Fällen mit Penicillin behandelt. Die Antibiotika dieser Gruppe sind besonders gut erforscht und gelten auch in der empfindlichen Frühphase der Schwangerschaft als nicht fruchtschädigend. Sollte eine Penicillinallergie bestehen, muss auf ein anderes Antibiotikum wie beispielsweise Clindamycin, Erythromycin oder Roxithromycin zurückgegriffen werden.

Ein Großteil der anderen Präparate aus dem Bereich der Antibiotika sollten in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden, da diese das Risiko von Fehlbildungen und Fehlgeburten erhöhen. Die enthaltenen Wirkstoffe beeinflussen den Stoffwechsel und können sich im Gehirn des Ungeborenen ablagern. Dort führen sie zu Entwicklungsstörungen und Hirnschäden. Bei einer Infektion in der Schwangerschaft ist daher eine Rücksprache mit dem behandelnden Arzt unerlässlich. Er prüft mögliche Risiken und schließt eine Gefährdung von Mutter und Kind vor der Einnahme des Antibiotikums aus. Sein medizinischer Rat sollte stets die Entscheidungsgrundlage bilden.

Was passiert, wenn Scharlach in der Schwangerschaft unbemerkt bleibt?

Scharlach verursacht erfahrungsgemäß keine Fehlbildungen beim Kind und gefährdet die Schwangerschaft nicht direkt. Unbehandelt kann die Infektion jedoch zu Folgeerkrankungen wie Lungen-, Nieren-, und Herzmuskelentzündungen führen. Diese beeinträchtigen die Stoffwechselprozesse der Schwangeren und führen dazu, dass ihr Baby nicht ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt wird. Es kann zu Wachstumsstörungen und anderen Komplikationen kommen. Um diese zu vermeiden, untersucht der Arzt nach Abklingen der Erkrankung die Nieren- und Herzfunktion der Schwangeren.

Eine eventuelle Glomerulonephritis (Nierenkörperchenentzündung) kann bei Verdacht durch eine Urinuntersuchung festgestellt werden. Kleinere Mengen Blut und Eiweiß gelten dabei als zuverlässiges Symptom. Tritt während der Schwangerschaft rheumatisches Fieber auf, kann dies das Geburtsgewicht des Kindes gefährlich reduzieren. Ist das Gewicht des Neugeborenen zu niedrig, führt dies in vielen Fällen zu Störungen der Atmungs- und Verdauungsfunktion. Auch das Risiko für Gelbsucht, Blutgerinnungsstörungen und schwere Hirnschäden steigt auf diese Weise an.

Gibt es ein Beschäftigungsverbot bei Scharlach in der Schwangerschaft?

Bei Scharlach handelt es sich um eine Krankheit, die hoch ansteckend ist. Aus diesem Grund sollten Schwangere darauf achten, die Ansteckungsgefahr zu reduzieren und Personen mit entsprechenden Symptomen zu meiden.

Da vor allem Kinder zwischen drei und neun Jahren an Scharlach erkranken, ist die Ansteckungsgefahr in der Kita oder im Kindergarten besonders hoch. Während die Infektion bei einem erkrankten Kind schnell abheilt, ist das Risiko für Folgeschäden bei den schwangeren Erzieherinnen erhöht.

Arbeitet eine Schwangere in einem Kindergarten oder einer Kita, wird daher ein befristetes Beschäftigungsverbot ausgesprochen, sobald dort ein Kind ansteckend erkrankt. Insofern das entsprechende Kind mit einem Antibiotikum behandelt wird, besteht nach 24 Stunden keine Ansteckungsgefahr mehr. Das Kind kann die Kita oder den Kindergarten dann wieder besuchen. Wird auf eine entsprechende Behandlung verzichtet, so darf es erst nach vollständigem Abklingen der Symptome wieder in eine Gemeinschaftseinrichtung. Ein ärztliches Attest ist nicht erforderlich. Das Beschäftigungsverbot gilt bis zu drei Tagen nach Diagnose des letzten Krankheitsfalles. Wann die Tätigkeit in Kita oder Kindergarten wieder aufgenommen werden kann, entscheidet der behandelnde Arzt oder das zuständige Gesundheitsamt. Auch wenn die Schwangere bereits eine Infektion mit Scharlach durchgestanden hat, besteht keine sichere Immunität.

Hier finden Sie weitere Informationen rund um das Thema Scharlach.

Die finanzielle Absicherung der werdenden Mutter wird während der Schwangerschaft gewährleistet. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, Lohnfortzahlungen zu leisten. In bestimmten Fällen kann er diese jedoch bei der Krankenkasse geltend machen.

Hier geht es zur Infostrecke: Scharlach in der Schwangerschaft – eine zurecht gefürchtete Gefahr?

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