Vorsicht Kinderkrankheit : Scharlach — diese Folgeerkrankungen drohen Erwachsenen

Beim ersten Kratzen im Hals denken viele an eine Halsentzündung. Doch kann das Missgefühl beim Schlucken auch der erste Hinweis auf eine hochansteckende Scharlachinfektion sein. Denn die Kinderkrankheit kann auch Erwachsene erwischen. Nur die rechtzeitige Behandlung mit Antibiotika bewahrt Betroffene vor gefürchteten Spätfolgen.

Laut der Stiftung Kindergesundheit erkranken in jedem Jahr rund 50.000 Menschen in Deutschland an Scharlach. Nicht alle sind Kinder. In 25 Prozent der Fälle trifft es Erwachsene, denn sie sind vor dieser vor allem in den Wintermonaten grassierenden Erkrankung nicht gefeit. Bei ihnen verläuft die Erkrankung meist schwerer als beim Nachwuchs.

Das trügerische an der Krankheit: Nicht jeder, der die Scharlach auslösenden Streptokokken der A-Gruppe in sich trägt, zeigt Krankheitssymptome. Auch sind die Symptome der Krankheit sehr verschieden. Milde Formen beispielsweise lassen sich kaum von einer Halsentzündung unterscheiden. Gelangen die Bakterien in den Mund-Rachenraum, in die Blutbahn oder Organe, kann es jedoch gefährlich werden.

Unbehandelt kann eine Infektion mit scharlachauslösenden Streptokokken sogar tödlich enden. Im 19. Jahrhundert zählte die Krankheit zu den häufigsten Todesursachen im Kindesalter und griff — einmal ausgebrochen — oft epidemieartig um sich.

Organversagen in Folge von Scharlach

Weit gefürchtet sind bis heute die tückischen Folgeerkrankungen, die sich nach einer vermeintlichen Genesung erst einige Wochen später zeigen können. Rheumatisches Fieber, Gelenkbeschwerden, Lungen- oder Herzmuskelentzündung gehören dazu. Doch auch die Nieren können durch eine schwere Entzündung unumkehrbar Schaden nehmen.

Mediziner sprechen dann von einer Glomerulonephritis. Daneben kann es zudem zu einem toxischen Schocksyndrom kommen, durch das der Kreislauf zusammenbricht oder in Folge dessen Organe versagen. Eine ausgeprägte Vereiterung des Rachens kann zudem zu einer Blutvergiftung führen, so der Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte.

Nicht ausgeschlossen ist auch der Zusammenhang zwischen Scharlach-Erkrankungen und einem später auftretenden Autoimmunerkrankungen oder dem Tourette-Syndrom. Letzteres ist eine neuropsychiatrische Tic-Erkrankung, bei der die Betroffenen rasche, meistens plötzlich einschießende und mitunter sehr heftige und unkontrollierbare Bewegungen machen.

So fangen Sie sich die Erreger ein

Besonders in den Wintermonaten sollte man es darum mit der Handhygiene besonders genau nehmen. Dann Schniefen und Husten viele und geben ungewollt per Tröpfcheninfektion die krankheitsbringenden Streptokokken-Parasiten aus. Schon kleinste solcher Tröpfchen können zu einer Ansteckung führen.

Infizieren kann man sich auch über Gegenstände wie Spielzeug, Geschirr oder Besteck, auf denen diese Bakterien kleben. Selbst von vermeintlich gesunden Menschen, die die Scharlacherreger im Rachen haben ohne Krankheitssymptome aufzuweisen, kann die Krankheit ausgehen. Wissenschaftler gehen in vorsichtigen Schätzungen davon aus, dass fünf bis 35 Prozent aller Schulkindern zu solchen symptomfreien Keimträgern zählen, ohne dass es jemand ahnen würde.

Diese Symptome ernst nehmen

Das Immunsystem der Infizierten geht oft in die Knie, wenn sich die Gift absondernden Streptokokken unkontrolliert auf den Schleimhäuten vermehren. "Das Scharlach-Toxin sorgt dafür, dass Blutgefäße durchlässiger werden und rote Blutkörperchen austreten", erklärt der Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte.

Zu anfänglichen Halsschmerzen gesellen sich dann nach Informationen des Berufsverbands der Hals-Nasen-Ohrenärzte eine eitrige Mandelentzündung und weitere Symptome wie Fieber, Schüttelfrost, Bauchschmerzen, manchmal Erbrechen und meist einem weißen Belag auf Mandeln und Zunge. Nach einigen Tagen löst sich der Belag. Darunter kommt eine tiefrot gefärbte Zunge mit auffällig hervorstehenden Geschmacksknospen zum Vorschein. Vielen ist sie als sogenannte "Himbeerzunge" bekannt.

Dadurch, dass die Erreger ins Lymphsystem eindringen, schwellen die Lymphknoten im Halsbereich an. Das ist zwar schmerzhaft, doch eigentlich nur äußeres Zeichen für das Mobilisieren der körpereigenen Abwehr.

Hier finden Sie weitere ausführliche Infos zum Thema Scharlach.

Drei bis vier Tage nach der Infektion zeigt sich als äußere Reaktion auf die Bakteriengifte auf der Haut ein roter, juckender Ausschlag, der vermehrt unter den Achseln und auf der Leiste zu sehen ist, sich aber auch über den ganzen Körper verteilen kann. Charakteristisch ist, dass der Bereich um Kinn und Mund immer ausgespart bleibt, was umgangssprachlich als "Milchbart" bezeichnet wird. Rund zwei Wochen nach Ausbruch der Krankheit beginnt sich die Haut an Fingern und Fußsohlen häufig zu schuppen.

Schnelltest weist Bakterien nach

Mit einem Schnelltest können Mediziner heute bei solchen Symptomen auf Scharlach testen und bei positivem Ergebnis den Patienten gezielt mit einem Antibiotikum behandeln. Das sollte über zehn Tage hinweg eingenommen werden, auch wenn sich die Symptome vielleicht rasch mildern. Denn nur rechtzeitig behandelt, ist das Risiko für schwere Folgen gering.

Hier geht es zur Infostrecke: Unbemerkt kann Scharlach zur Gefahr werden

(wat)
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