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Wirbelsäule entlasten: Welches Bett der Rücken braucht

Wirbelsäule entlasten : Welches Bett der Rücken braucht

Krefeld (RP). Rückenschmerzen sind eine Volkskrankheit. Das entdeckt auch der Markt der Betten- und Matratzenanbieter. Doch es muss nicht immer die höchste Preisklasse sein, sagt der Orthopäde Dr. Bahman Ajali. Sitzen belastet die Wirbelsäule mehr als eine Nacht auf der falschen Unterlage.

Wer morgens mit Rückenschmerzen aufwacht, der hat eine alte oder zumindest eine falsche Matratze. "Eine billige Matratze kann Rückenschmerz auslösen", sagt Dr. Bahman Ajali. Der Oberarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie an der Alexianer Klinik GmbH Krefeld bestätigt in diesem Punkt eine Untersuchung, die der Verein Aktion Gesunder Rücken initiiert hat.

Begleitet von dem Schlafforscher Professor Dr. Jürgen Zulley hat der Verein nach eigenen Angaben 75.000 Personen befragt und ermittelt, dass der überwiegende Teil morgens gelegentlich oder häufig mit Rückenschmerzen aufsteht und mit der eigenen Schlafqualität unzufrieden ist. Ursache seien schlechte Bettensysteme - weshalb der Verein ein lattenrostfreies System eines bestimmten Herstellers empfiehlt, das vielen von 250 ausgewählten Testschläfern geholfen habe.

Ajali ist skeptisch. "Es gibt bislang keine wissenschaftliche Untersuchung, die den Zusammenhang von Rückenbeschwerden und Matratzen belegt", sagt er. Egal, ob Lattenrost oder nicht, ob mittelteure oder Luxusmatratze - es kommt immer auf das Bedürfnis des Schläfers an. Und das zeigt sich darin, dass die Wirbelsäule entlastet wird.

Sitzen belastet am meisten

"Die Wirbelsäule ist im Sitzen am meisten belastet, am wenigsten im Liegen und beim Gehen liegt der Belastungsgrad dazwischen. Das bedeutet auch für Menschen mit chronischen Rückenschmerzen, dass sie im Liegen weniger Schmerzen haben. Wer dann noch die Beine anwinkelt, sorgt für zusätzliche Entlastung. Das nutzen wir therapeutisch aus mit der sogenannten Stufenlagerung. Wenn die Beine höher gelagert werden, hebt das die Krümmung der Lendenwirbelsäule, die Lordose, auf", sagt Ajali. "So wird der Zwischenwirbelbereich erweitert, die Nervenwirbel werden entlastet, die Bandscheiben ziehen sich ein wenig rein." Das nimmt Druck weg. Und es funktioniert sogar meistens bei der Hyperlordose, dem Hohlkreuz.

Ganz schlechte und durchgelegene Matratzen können dafür zu wenig Widerstand bieten, so dass sich der Körper "durchliegt". Ajali verweist auf die S-Form, in der die Wirbelsäule durch die Wirbelkörper und die Muskulatur gehalten wird. "Wir wünschen uns, dass diese Form auch im Schlaf gehalten wird. Ideal ist es, wenn eine Matratze im Bereich der Brustwirbelsäule etwas mehr Widerstand leistet und im Lendenwirbelbereich mehr unterstützt."

Verschleiß über Jahre

Aber der Facharzt sagt auch: "Selbst die billigste Matratze, bei der man nach dem Aufstehen Rückenschmerzen verspürt, kann keinen Rückenschaden verursachen." Der Verschleiß der Wirbelsäule ist ein Prozess, der sich über Jahre hinzieht.

Ob weich oder hart - das sei beim Matratzenkauf eine Frage der persönlichen Vorliebe. Ajali nennt als Faustregel: "Je älter man wird, desto schlaffer wird die Muskulatur. Dann muss die Matratze diese Aufgabe übernehmen und sollte härter sein. Die natürliche S-Form wird bei jungen Menschen noch durch die gute Muskulatur gehalten."

(RP)