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Pneumokokken-Impfung: Wogegen sie schützt und wer sie haben sollte

Quarantäne nach Arzttermin : Pneumokokken - wogegen sich Angela Merkel hat impfen lassen

Die Bundeskanzlerin ist in Quarantäne, weil der Arzt, der sie gegen Pneumokokken geimpft hat, mit dem Coronavirus infiziert ist. Aber wer sollte sich derzeit überhaupt gegen Pneumokokken impfen lassen - und warum?

Im Zuge der Covid-19-Pandemie haben das Paul-Ehrlich-Institut und das Robert Koch Institut Lieferengpässe von Pneumokokken-Impfstoffen gemeldet. Konkret geht es um die Mittel Pneumovax 23 und Prevenar 13. Grund für die Engpässe ist die gestiegene Nachfrage zur vorsorglichen Impfung von gefährdeten Personengruppen. Wer aber gilt überhaupt als gefährdet und kann in diesen Tagen tatsächlich von einer Pneumokokken-Impfung profitieren?

Pneumokokken gehören zur Bakterien-Familie der Streptokokken und werden per Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen. Ein großer Teil der gesunden Bevölkerung trägt Pneumokokken ohne jeglichen Krankheitswert in sich.

Gefährlich wird es erst, wenn das Immunsystem eines Betroffenen nicht mehr richtig funktioniert. Dann sorgt die Kapsel des Bakteriums dafür, dass die Pneumokokken vom Immunsystem schlechter beseitigt werden können und es kommt zu einer Infektion. Dabei verursachen Pneumokokken bei Erwachsenen in erster Linie Lungenentzündungen, aber auch Mittelohr- oder Hirnhautentzündungen. Eine Pneumokokken-Impfung kann vor den genannten und teilweise schwerwiegend verlaufenden Erkrankungen schützen.

Der Impfstoff ist ein sogenannter Totimpfstoff, da keine lebensfähigen Krankheitserreger mehr in ihm enthalten sind. Die Ständige Impfkommission (STIKO) des RKI empfiehlt darum allen Menschen über 60 Jahren und Säuglingen unter zwei Jahren sowie besonders gefährdeten Personengruppen eine Pneumokokken-Impfung. Als besondere Risikogruppen werden in Deutschland unter anderem Menschen mit einer chronischen Atemwegserkrankung (etwa Asthma), Diabetes Mellitus und Herzerkrankungen eingestuft. Weitere Indikationen für eine Impfung stellen alle Menschen dar, deren Immunsystem in irgendeiner Form eingeschränkt ist. Das können beispielsweise Patienten nach einer Organtransplantation sein, die immunsupprimierende Medikamente einnehmen müssen, sowie Patienten die an einer aktiven Krebserkrankung oder einer HIV-Infektion leiden.

Aufgrund der hohen Nachfrage in Arztpraxen und Apotheken nach dem Impfstoff und den daraus resultierenden Lieferschwierigkeiten hat die STIKO nun der aktuellen Lage entsprechende Handlungsempfehlungen herausgegeben. Kinder unter zwei Jahren, Personen über 70 Jahren, Menschen mit eingeschränktem Immunsystem und Personen mit chronischen Atemwegserkrankungen sollen bevorzugt geimpft werden.

Hierbei muss jedoch betont werden, dass eine Pneumokokken-Impfung nicht vor dem SARS-CoV-2 Virus schützt, es wird lediglich das Risiko minimiert sich gleichzeitig am neuartigen Corona-Virus und Pneumokokken zu infizieren. Denn eine Koinfektion dieser beiden Erreger würde ein höheres Risiko für eine schwere Lungenentzündung bergen. Bakterielle Erkrankungen können zwar, im Gegensatz zu viralen Infektionen, mit Antibiotika behandelt werden, dennoch stellt die Impfung eine wichtige prophylaktische Maßnahme dar. Wer sich nun also in den aktuellen STIKO-Empfehlungen wiederfindet, der sollte in Erwägung ziehen sich bei seinem Hausarzt impfen zu lassen. Die Impfung selbst ist grundsätzlich gut verträglich und führt in der Regel nur zu lokalen Reaktionen an der Einstichstelle wie schmerzhafte Rötungen oder Schwellungen.