Neuartiges Verfahren Dieser Laser soll gegen Akne helfen

Düsseldorf/ Bochum · Ein neuartiges Laser-Verfahren soll Akne-Patienten helfen. Viele Dermatologen werten die Technik, die jetzt auch in Deutschland auf dem Markt ist, als medizinischen Durchbruch. Wie das Pickel-Lasern funktioniert.

Der Akne-Laser ist zur Behandlung von leichten, mittelschweren und schweren Krankheitsfällen geeignet.

Der Akne-Laser ist zur Behandlung von leichten, mittelschweren und schweren Krankheitsfällen geeignet.

Foto: Aleksandr Rybalko/istock

Unter Akne leiden Betroffene oftmals sehr. Die entzündlichen Pusteln treten meist durch Hormonveränderungen in der Pubertät auf und führen oft zu einem verminderten Selbstwertgefühl bis hin zu Depressionen. Häufig klingen sie nach der Pubertät ab – jedoch nicht immer: Auch Erwachsene können unter Spätformen der Volkskrankheit leiden, die ab dem 25. Lebensjahr auftreten. Bisher wurde Akne mit Medikamenten behandelt, doch manche mittleren bis schweren Krankheitsfälle sprechen darauf nicht an – sie sind therapieresistent. Patienten müssen zudem bei Medikamenten mit Nebenwirkungen rechnen. Entsprechend groß sind die Hoffnungen, die Akne-Betroffene in den sogenannten AviClear setzen - ein Laser-Gerät, das im April erstmals in Deutschland ausgeliefert wurde.

Wo Laser in der Medizin längst eingesetzt werden

In der Medizin sind Laser längst nicht mehr wegzudenken: Damit werden Blutungen gestillt oder auch Kurz- und Weitsichtigkeit korrigiert. In der Dermatologie sind Laser heutzutage in vielen Bereichen das Nonplusultra der Behandlungsmethoden – um Falten, Pigmentstörungen, Narben, Schwangerschaftsstreifen und mehr zu behandeln.

 Dr. Klaus Hoffmann, Leiter des Laserzentrums NRW, mit dem neuen AviClear Akne-Laser.

Dr. Klaus Hoffmann, Leiter des Laserzentrums NRW, mit dem neuen AviClear Akne-Laser.

Foto: Laserzentrum NRW

Was sagen Experten?

Hautarzt Prof. Dr. Peter Arne Gerber im Gespräch mit einem Patienten. (Archiv)

Hautarzt Prof. Dr. Peter Arne Gerber im Gespräch mit einem Patienten. (Archiv)

Foto: Dermatologie am Luegplatz

Als „revolutionär“ bezeichnet der Dermatologe Klaus Hoffmann vom Hautteam der Universitätshautklinik Bochum den Akne-Laser, mit dem er Behandlungen im Laserzentrum des Landes NRW anbietet. „Der Laser bekämpft nicht nur die Symptome, sondern greift die Akne direkt an ihrem Ursprung unter der Haut an“, erklärt er.

Wie entsteht Akne?

Insbesondere durch hormonelle Veränderungen in der Pubertät kommt es zu drei relevanten Störungen: Es wird mehr Talg produziert; durch eine Verhornungsstörung des Talgdrüsenausführungsganges kann der Talg nicht mehr richtig abfließen; und Bakterien (Cutibacterium acnes) zersetzen den Talg. „Die hierdurch entstehenden Fettsäuren feuern die Entzündung in der Haut an“, erläutert der Düsseldorfer Dermatologe Peter Arne Gerber. Er behandelt selbst Patienten mit dem Aviclear und hält ihn für „eine der spannendsten Innovationen in der Lasermedizin der letzten zehn Jahre.“

Platzt zudem ein Mitesser (Komedo) unter der Haut, breitet sich die Entzündung weiter aus, warnt Hoffmann. Wichtig also: „Niemals selbst drangehen. Das macht alles nur schlimmer!“

Wie wird Akne generell behandelt?

Medikamente zur Behandlung der Akne zielen vor allem auf die drei Störungen: Antibiotika wirken gegen die Bakterien, Säuren regulieren die Verhornung und öffnen die verstopften Poren. „Am effektivsten sind aber Vitamin-A-Säure Verbindungen, wie Tretinoin oder Retinol, die die Aktivität der Talgdrüsen reduzieren – genau hier setzt auch der Laser an“, sagt Gerber.

Beispiel für die Akne-Behandlung mit dem AviClear Laser: So sieht ein Patient laut des Herstellers vorher, sechs Monate und zwölf Monate nach der letzten Behandlung aus.

Beispiel für die Akne-Behandlung mit dem AviClear Laser: So sieht ein Patient laut des Herstellers vorher, sechs Monate und zwölf Monate nach der letzten Behandlung aus.

Foto: Firma Cutera

Das ist der Behandlungsablauf mit dem Akne-Laser

Das Gesicht wird entfettet und dann mit dem Akne-Laser behandelt – das dauert etwa dreißig Minuten. Schmerzhaft soll es nicht sein: „Das Handstück des Lasers ist stark gekühlt, beim Laserimpuls fühlt man eine kurze Hitze“, berichtet Gerber. „Wirklich schmerzhaft ist die Behandlung nicht“, sagt auch Hoffmann. Und: Abgesehen von einer leichten Rötung und gegebenenfalls einer Schwellung sei man sofort wieder gesellschaftsfähig.

Bis zum finalen Ergebnis brauchen Patienten aber etwas Geduld, sagt Gerber: „Auch wenn sich erste Verbesserungen schon während der drei Laserbehandlungen abzeichnen können, zeigen die Studienergebnisse, dass sich das Ergebnis noch bis zu sechs Monate nach der letzten Sitzung und wahrscheinlich darüber hinaus weiter verbessert“. Hoffmann erklärt die Funktionsweise: „Die Wellenlänge des Laserlichtes von 1726 nm wird von den Talgdrüsen absorbiert und in Hitze umgewandelt, die daraufhin den Talg zerstört und so die Akne an ihrer Wurzel bekämpft – und zwar ohne die Drüse zu schädigen.“ Der Laser ziehe der Akne quasi „die Füße weg“.

Was sagen medizinische Studien – kann der Laser die Akne heilen?

Der Aviclear war im Jahr 2022 das erste und einzige von der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA zugelassene energiebasierte Gerät zur Behandlung von leichter, mittelschwerer und schwerer Akne. Die Daten der Zulassungsstudie sind vielversprechend: Demnach zeigte sich vier Wochen nach der dritten Sitzung bei einem Drittel der behandelten Patienten eine Reduktion entzündlicher Akneläsionen um mehr als 50 Prozent, nach sechs Monaten war dies sogar bei bis zu 90 Prozent der Fall. „Allerdings gibt es bisher nur Daten von drei Jahren“, betont Parnian Firouzi, leitende Oberärztin am Institut für Lasermedizin und ästhetische Dermatologie der Unikliniken Düsseldorf. Sie meint: „Er ist eine gute Option zur Behandlung bei leichter und mittelschwerer Akne. Bei schweren Fällen denke ich nicht, dass er eine medikamentöse Therapie ersetzen kann.“

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung dieses Beitrags wurde eine Hautärztin zitiert, deren Stellungnahme missverstanden werden konnte. Sie hatte sich allgemein über dermatologische Laserbehandlungen geäußert, nicht über ein konkretes Gerät. Wir haben die Passage aus dem Text entfernt.

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