Neuer bundeseinheitlicher Medikationsplan: Das sollten Sie wissen

Ab 1. Oktober: Das sollten Sie über den neuen Medikationsplan wissen

500.000 Menschen landen jedes Jahr unnötig in der Notaufnahme. Der Grund: vermeidbare Medikationsfehler. Das soll nun durch einen bundeseinheitlichen Medikationsplan geändert werden. Wie er funktioniert und welche Schwachstellen er hat, lesen Sie hier.

Wenn Medikamente nicht gesund, sondern krank machen, dann läuft etwas schief. Als Ursache dafür haben Ärzte und Pharmazeuten vor allem Wechselwirkungen und Einnahmefehler ausgemacht. Einige Patienten nehmen bis zu 30 Arzneimittel am Tag ein.

"Nicht mehr vorhersehbar"

Schon "bei drei Medikamenten sind die Wechselwirkungen nicht mehr vorhersehbar", sagt Harald Dormann, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme am Klinikum Fürth. Ein bundeseinheitlicher Medikationsplan soll ab dem 1. Oktober mehr Transparenz und Arzneimittelsicherheit schaffen.

Dormann hat diesen Plan zwei Jahre lang gemeinsam mit 2.500 Patienten in einem Pilotprojekt getestet. Aus seiner täglichen Praxis kennt er die Probleme, die bei der Notfallversorgung auf Ärzte zukommen können. Sie müssen Patienten behandeln, deren Medikation sie nicht kennen. Oft sind es unzählige: Jeder dritte über 65-Jährige nimmt fünf oder mehr Wirkstoffe ein. "Das ist wie Russisch Roulette", sagt der Mediziner. Die Zahl derer, die dieses Spiel verlieren, ist hoch. Laut Schätzungen sterben bis zu 25.000 Menschen jährlich nicht an ihren Krankheiten, sondern an Wechselwirkungen.

Hier lesen Sie, bei welchen Medikamenten Sie mit gefährlichen Wechselwirkungen rechnen müssen.

Diese Zahl soll nun eingedämmt werden: Wer drei oder mehr Medikamente einnehmen muss, erhält ab Oktober eine gedruckte Auflistung aller Mittel mitsamt Wirkstoffen und Einnahmeanweisungen. Nach Schätzung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK wird das bei mindestens 7,5 Millionen Deutschen so sein. Der Medikationsplan gilt als papierner Vorläufer einer Gesundheitskarte, deren Einführung für das Jahr 2018 geplant ist. Er basiert auf dem E-Health-Gesetz von 2015.

Wer erstellt den Medikationsplan?

  • Arzneimittelsicherheit : Der neue Medikationsplan im Überblick

In der Regel soll der Hausarzt den Medikationsplan ausstellen. Schließlich hat er regelmäßig Kontakt zum Patienten, überweist ihn wenn nötig an Fachärzte und wird über das Ergebnis solcher Untersuchungen informiert. Auch ein Facharzt könne den Medikationsplan ausfüllen, so Dormann. Der Patient selbst könne dann Einträge ergänzen und auch die Apotheke könne Änderungen eintragen.

Was wird auf dem Medikationsplan vermerkt?

Der Papierplan im Querformat gibt einen Überblick über Wirkstoffe, Medikamentennamen, Stärke des Präparats oder die Darreichungsform. Zudem werden die Dosierung und mögliche Hinweise zur Anwendung notiert.

Hier sehen Sie wie der Medikationsplan aussehen wird und worüber im Detail Auskunft gibt.

Wer ergänzt den Plan bei Neumedikationen?

Der Patient muss den Plan immer bei sich tragen, sobald er zum Arzt oder in die Apotheke geht. Nur so ist gewährleistet, dass alle Eintragungen in dasselbe Papier erfolgen.

Welche Probleme sehen Experten?

(wat)
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