Heute ist Tag des Kopfschmerzes: Warum Ferien gegen Kopfschmerzen helfen

Heute ist Tag des Kopfschmerzes : Warum Ferien gegen Kopfschmerzen helfen

Es pocht oder hämmert in den Schläfen oder unter der Schädeldecke. Kopfschmerzen können uns ausnocken. Fast jeden zweiten Deutschen plagen sie regelmäßig. Was sorgt für den Schmerz und wie wird man ihn wieder los?

Einseitig, in den Schläfen, auf dem Kopf, pochend oder stechend — der Schmerz hat viele Gesichter. Er zeigt sich tückisch und täuscht uns. Denn seine Ursache ist nicht leicht zu finden. Zu tun haben die Qualen mit dem Hirn, obwohl die Hirnsubstanz selbst schmerzresistent ist. Es sind feinste Blutgefäße und Nervenverästelungen, die den ganzen Kopf durchziehen und uns dann und wann piesacken.

"In den Hirnhäuten verlaufen Gefäße, die von dem Trigeminusnerv versorgt werden und der für das Schmerzempfinden sorgt. Je nachdem, welche Hirnhäute betroffen sind, ist der Kopfschmerz an anderer Stelle spürbar", sagt Dr. Kasja Rabe. "Wenn es weh tut, dann ist dafür eine Entzündung ohne Infektion verantwortlich". Bakterien sind dabei also keine im Spiel. Wohl aber Botenstoffe, die entzündungsfördernde Stoffe aus den Gefäßen ins Gewebe schicken. Das bleibt vom Trigeminusnerv nicht unbemerkt. Er sendet Schmerzimpulse zur Hirnrinde.

Im Kopfschmerzzentrum hilft ein Team

"Die Empfindlichkeit darauf ist bei jedem unterschiedlich hoch und genetisch gegeben", erklärt Dr. Kasja Rabe. Als Leiterin des Westdeutschen Kopfschmerzzentrums, das in der Uniklinik Essen sitzt, kümmert sie sich um nichts anderes als den Schmerz in der Denkzentrale. Beinahe 200 verschiedene Formen treiben die Geplagten beinahe in den Wahnsinn. Mit Migräne, Spannungs- und Clusterkopfschmerz hat sie am häufigsten zu tun. Aber auch der Rücken, Nacken oder entzündete Nebenhöhlen können für Ärger sorgen, der im Extremfall in der Depression endet. Mit einem Team von Ärzten, Psychologen und Physiotherapeuten kämpft sie gemeinsam mit chronisch leidenden Patienten dagegen an.

"Bei Migräne spielen oft die Hormone eine Rolle, beim Clusterkopfschmerz kann Alkohol das Auftreten triggern", sagt Dr. Rabe. Einen Faktor gibt es jedoch, der ganz besonders im Fokus der Forschung steht: "Stress gilt als einer der häufigsten Auslöser für Kopfschmerzen. Immer häufiger wird diskutiert, ob uns unser Lebensstil, die ständige Erreichbarkeit jedes Einzelnen für private wie berufliche Belange und die vieler Orts gewaltige Verdichtung der Arbeit krank machen und zu mehr Kopfschmerzen führen", sagt Privatdozentin Dr. Stefanie Förderreuther, Neurologin und Generalsekretärin der Deutschen Migräne-und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG).

Wie sehr die Stressbelastung im Job und auch in der Schule gewachsen ist, spüren die Schmerzexperten in den Praxen und sehen die Forscher anhand in ihrer Studienergebnisse. "Seit den 1970er Jahren hat die Kopfschmerzhäufigkeit bei Kindern zugenommen. Wir haben den Eindruck, dass Stress da eine große Rolle spielt, weil wir beobachten, dass in den Ferien kopfschmerzärmere Zeiten sind", erklärt die Essener Expertin. Viele finden dann aus der Stressspirale heraus.

Schmerztabletten können Schmerz verstärken

"Wer im Job nicht ausfallen will, der überlegt nicht lang und greift zu Tabletten", fügt sie an. Die Tücke dahinter vermuten die meisten nicht. Denn die Mittel gegen den Schmerz lösen diesen vielfach erst aus. "Patienten, die an mehr als 15 Tagen im Monat Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol einnahmen, gehen das Risiko ein, das sie häufigere und stärkere Attacken bekommen. Bei Thomapyrin reichen schon zehn Tage aus, um den unerwünschten Effekt auszulösen." Dann hilft nur ein Entzug, den die meisten in der Klinik machen. Mit der richtigen Therapie hingegen kann erreicht werden, dass aus chronischen Qualen wieder gelegentliche werden. Wer sich im Monat 15 Tage oder länger quält, der sollte sich an einen Arzt wenden und versuchen mit einem Tagebuch die Ursachen ausfindig zu machen.

So werden Sie ihn los

Im akuten Fall, helfen neben Pillen auch andere Maßnahmen wie das Kühlen. Auch Minzöl, Japanisches Heilöl oder Tigerbalsam haben einen positiven Effekt, trägt man sie dünn auf die scherzende Stelle auf. Welche Rolle das Essen spielt und wie Sie sonst zurück zu einem "kühlen" Kopf finden, lesen Sie hier.

(wat)
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