Studie : Botox hilft bei chronischer Migräne

Das Nervengift Botox kann chronische Migräne lindern, seit September 2011 ist es in Deutschland zur Linderung entsprechender Symptome zugelassen. Allerdings, so rät Hans-Christoph Diener von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), sollte Botox nur zur Therapie regelmäßiger und schwerer Migräneanfälle eingesetzt werden. "Die Behandlung sollte auch nur im Einzelfall und von erfahrenen Kopfschmerzspezialisten durchgeführt werden", betont er.

Diener bezieht sich dabei auf eine Ende April im Medizinjournal "Journal of the American Medical Association" (JAMA) veröffentlichte Arbeit amerikanisch-japanischer Forscher, für die mehrere wissenschaftliche Studien zusammenfassend ausgewertet wurden.
Demnach ist ein Botox-Einsatz bei Patienten, die weniger als 15 Tage im Monat an Migräne leiden, nicht angezeigt.

Botox löst Muskelspastiken

Botox wird seit vielen Jahren bei neurologischen Erkrankungen eingesetzt, etwa um Muskelspastiken zu lösen, oder bei Bewegungsstörungen. In der breiten Öffentlichkeit dürfte das Medikament jedoch eher durch die Schönheitschirurgie bekannt sein.
Ausgerechnet in diesem Bereich wurde die neue Migräne lindernde Nebenwirkung des Nervengiftes entdeckt. Nach der ästhetischen Behandlung mimischer Falten mit Botox stellte sich bei Migränepatienten eine Besserung des Krankheitsbildes ein.

Im Vergleich mit herkömmlichen Medikamenten zur Vorbeugung bei chronischen Migräne ist Botox genauso wirksam, hat aber weniger Nebenwirkungen. Unter der Therapie könne es selten zu Nebenwirkungen wie dem Absinken des oberen Augenlides, Spannungsgefühlen der Haut, Schmerzen in den Hautnerven, Steifheit im Nacken, Muskelschwäche oder Nackenschmerz kommen, heißt es in einer Pressemitteilung der DGN in München.

In Deutschland leiden mehr als 10 Millionen Menschen, überwiegend Frauen, unter verschiedenen Arten von Kopfschmerzen. Chronische Migräne, die oft mit Übelkeit, Erbrechen, Überempfindlichkeit gegenüber Licht und Lärm sowie Depressionen einhergeht, kann die Lebensqualität stark beeinträchtigen.

Um ihren Alltag überhaupt bewältigen zu können, müssen die Patienten beinahe ständig Medikamente einnehmen. Die Krankheit ist bis heute nicht heilbar - man kann lediglich den Attacken vorbeugen und die Schmerzen lindern.

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(APD)