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Mastozytose: Wenn der Körper auf alles allergisch reagiert

Mastozytose : Dieses Mädchen reagiert allergisch auf ihre eigenen Gefühle

Es gibt viele Dinge, auf die Menschen allergisch reagieren: Nüsse, Gräser, Sonne. Bei Chloe Print-Lambert allerdings ist alles anders. Sie ist nicht nur allergisch gegen fast alle Gegenstände um sie herum. Auch Emotionen wie starke Freude können sie ins Krankenhaus bringen.

Reiten und Aerobic - das waren Chloe Print-Lamberts Lieblingsbeschäftigungen. In ihrem alten Leben. Damals war sie ein aufgewecktes junges Mädchen, das es besonders liebte, in der Natur zu sein.

Gerademal 20 Jahre ist Print-Lambert inzwischen alt, aber ihr zweites Leben hat längst begonnen. Darin kann sie nicht mehr reiten, nicht mehr rennen, keinen Schmuck mehr tragen, sie kann sich nicht einmal mehr so richtig über etwas freuen. Heute liegt die Britin aus Warwikshire rund 20 Tage jeden Monat im Krankenhaus.

Der Grund: Print-Lamberts reagiert allergisch und zwar auf absolut alles. Schmuck, Medikamente, eine Veränderung des Raumklimas - sogar ihre eigenen Gefühle können bei ihr einen lebensgefährlichen Anfall auslösen. "Ich habe schon auf alles reagiert", sagt Print-Lambert der "DailyMail". "Eine Temperaturveränderung im Raum kann dafür sorgen, dass ich eine allergische Reaktion bekomme, deshalb schlafe ich immer mit einem Ventilator im Raum." Der hilft der jungen Frau dabei, möglichst schnell herunterzukühlen, wenn sie es muss.

Die unerwartetste Reaktion hatte Print-Lambert jedoch am Muttertag. Damals hatte sie bereits für Wochen im Krankenhaus gelegen, als ihre gesamte Familie kam, um Chloe zu besuchen. "Ich war so aufgeregt, dass ich auf den Flur gegangen bin, um sie zu sehen - und hatte direkt einen Anfall."

Print-Lambert leidet an mehreren schweren Krankheiten. Die Mastozytose ist es jedoch, die ihren Körper auf ihre eigenen Gefühle feindlich reagieren lässt. Mit Mastozytose wird eine Gruppe von Erkrankungen bezeichnet, die durch eine zu hohe Zahl von Mastzellen im Körper verursacht wird. Das sind körpereigene Zellen, die aus Stammzellen im Knochenmark entstehen. Sie sitzen überall im Körper, in den Schleimhäuten, in der Haut und in anderen Gewebesorten. Dort warten sie auf bestimmte Reize des Körpers, die ihnen sagen, was sie tun müssen, um Krankheiten im Körper abzuwehren. Dazu gehört etwa die Produktion von Histamin, einem Stoff der entzündliche Prozesse in der Folge von allergischen Reaktionen auslöst.

Wird davon zu viel produziert, kommt es zu bestimmten Reaktionen. Auf der Haut sind das Juckreiz, Rötungen und Ausschläge. Im Gesamtsystem treten Kopfschmerzen, Schwindel und Kreislaufreaktionen auf. In den Organen kann Mastozytose Durchfall, Übelkeit, Erbrechen und Sodbrennen auslösen. Außerdem kann es beim Befall der Muskulatur zu starken Knochen- und Muskelschmerzen kommen.

Schmuck, Medikamente, Essen, Raumtemperatur - alles also, was die Histmainproduktion im Körper anregt, kann deshalb bei Print-Lambert zu lebensgefährlichen Reaktionen führen. Doch die Mastozytose ist längst nicht alles worunter Print-Lambert leidet. Das weiß sie seit dem Jahr 2014.

"Ich bin eigentlich nur von einem Boot ins Wasser gesprungen", erinnert sich die junge Frau. "So wie es jeder andere Teenager auch machen würde." Ihre Reaktion auf das kalte Wasser jedoch war alles andere als üblich. "Es war sehr kalt, also habe ich viel nach Luft geschnappt, einiges an Wasser geschluckt und auf dem Boot war mir sehr übel."

Anschließend verbrachte Chloe acht Monate in einem englischen Krankenhaus. Die Diagnose: Eine Erkrankungen des vegetativen Nervenstystems. Dabei reagiert das Nervensystem automatisch überstark auf äußere Reize. In der Folge geraten Körpertemperatur, Herzschlag oder Organfunktionen, wie die der Blase, von alleine außer Kontrolle.

Auslöser dafür können wie bei der Mastozytose äußere Einflüsse sein, aber eben auch Chloes eigene Emotionen. Aufregung, Wut, Trauer oder starke Freude können die junge Frau, das weiß sie seit diesen beiden Diagnosen, körperlich krank machen.


Geschlagen gibt sich Print-Lambert trotz ihres Gesundheitszustandes nicht. Sie hat einen Instagram-Account. Dort schreibt sie über ihre Krankheit und ist im Kontakt mit der Internet-Community. Leicht ist der Alltag aber nicht. "Ich war immer so extrem unabhängig", sagt Print-Lambert. Heute ist sie für jeden Handgriff auf andere angewiesen.

Auch deshalb, weil die 20-Jährige noch von einer dritten schweren Krankheit geplagt wird, dem Ehler-Damlos Syndrom. Diese seltene Erbkrankheit wirkt sich auf die Gelenke aus und sorgt dafür, dass sie bei der kleinsten Bewegung ausausgerenkt werden. Seitdem sitzt Chloe im Rollstuhl. Viel bewegen kann sie sich nicht. Angesichts der anderen beiden Erkrankungen ist das jedoch vielleicht auch besser so.

Chloe Print-Lambert - Das kränkste Mädchen der Welt könnte man meinen, lacht auf ihren Instagram-Bildern und setzt sich auf Twitter für Menschen mit psychischen Problemen ein. Eine starke junge Frau, die mitten im Kampf um ihr Leben dann doch einen einzigen Wunsch hat: "Ich wünschte, ich könnte mich nicht daran erinnern, wie mein Leben vor der Erkrankung war."

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(ham)