Masern: Diskussion um Impfpflicht neu entbrannt

Masern-Ausbruch : Notfalls Impfpflicht

In Berlin ist ein Kleinkind an den Masern gestorben. Angesichts von mehr als 400 Fällen in der Bundeshauptstadt allein in diesem Jahr ist die Diskussion um eine Impfpflicht neu entbrannt. Viele Politiker wollen auf Informationen anstatt auf Zwang setzen. Doch notfalls sollte der Staat durchgreifen.

Die Idee einer Impfpflicht gegen Masern in Deutschland ist ein alter Hut; in der DDR bestand sie, und weil sie herrschte, wurde über sie nicht diskutiert. Sie war ein sinnvolles Gesetz und rettete Leben.

Jetzt zieren sich Politiker bei der Einführung der Impfpflicht, weil sie die Eltern lieber aufrütteln, informieren und selbstbestimmt entscheiden lassen möchten. Leider haben weder Politiker noch Mediziner das Informieren je professionell gelernt; so bieten die Flyer der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung nur typisches Broschüren-Gebrabbel. Man bekommt wenig geboten und lernt fast nichts. Hat schon einmal jemand einen originellen TV-Werbespot zum Thema Impfen gesehen?

Wie wenig Info-Kampagnen zu medizinischen Themen tatsächlich wirken, sehen wir bei den Organspenden: Deren Zahl sinkt dramatisch. Die Idee einer ärztlichen Impfberatung als Zugangsklausel für Kindergärten ist richtig. Aber sie muss Teil eines Stufenplans sein. Greift Methode A nicht, muss Methode B an den Start. Bleiben weiterhin viele Eltern impfmüde, sollte der Staat das Impfen anordnen.

(gw)