Schwierige Entscheidung für Brustentfernung: Brustkrebs — zwei Frauen erzählen

Schwierige Entscheidung für Brustentfernung : Brustkrebs — zwei Frauen erzählen

Sie tragen das Brustkrebsgen in sich: Lamprini Antoniou und Petra v. H. haben sich für eine Mastektomie entschieden.

Petra v. H. (44) hat sich immer eine Tochter gewünscht — seit vier Jahren ist sie froh, dass sie drei Söhne hat. 2009 wurde erkannt, dass sie ein mutiertes Gen in sich trägt, das das Risiko enorm erhöht, an Brust- oder Eierstockkrebs zu erkranken. "Meine Oma ist mit 57 an Brustkrebs erkrankt, meine Mutter mit 27", erzählt die Ratingerin.

Sie war 40, als bei ihr ein Tumor diagnostiziert wurde. "Ich hatte immer Angst davor, auch Brustkrebs zu bekommen." Zwar können ihre Söhne das Gen geerbt haben und ebenfalls Tumore in der Brust entwickeln, doch ist ihr Risiko wegen des männlichen Hormonhaushalts geringer.

Petra v. H. hat sich mittlerweile beide Brüste entfernen und wieder aufbauen lassen. Bei einer Mastektomie wird das Brustgewebe samt Drüse entfernt, die eigene Haut und eventuell die Brustwarze bleiben erhalten.

Lamprini Antoniou aus Düsseldorf hat ebenfalls das Brustkrebsgen und sich nach einem Tumorbefund und einem Test einer beidseitigen Brustentfernung unterzogen, obwohl nur eine Brust betroffen war. Sie hat sich früh nach der Diagnose dafür entschieden — aus optischen und haptischen Gründen. "Mein Busen sollte symmetrisch sein", betont die alleinerziehende, zweifache Mutter (41). Sie wollte keine Zukunft mit Tausenden von Untersuchungen und ständiger Sorge. "Meine Entscheidung sollte mich bestmöglich vor dem Risiko schützen."

Natürlich fühlen sich die Brüste, die mit Silikon aufgebaut wurden, nach der OP anders an, und natürlich hätte sie lieber ihren "alten", gesunden Busen zurück. "Aber das geht eben nicht, deshalb denke ich lieber an das, was ich habe, anstatt mich damit zu beschäftigen, was ich nicht mehr habe."

Die Möglichkeit, dass Petra v. H. angesichts der Familiengeschichte Genträgerin sein könnte, wurde lange von ihrer damaligen Gynäkologin übersehen. Erst nachdem sie einen Knoten ertastet hatte, wurde der Test gemacht. "Vorher wusste ich gar nicht, dass es diese Möglichkeit gibt." In einer ersten Operation ließ sich die dreifache Mutter die betroffene Brust abnehmen und mit Eigenfett wieder aufbauen. "Es war meine Entscheidung, die andere Brust nicht sofort mitabnehmen zu lassen. Nach einem Jahr mit Operationen und Therapien hatte ich die Nase erst mal voll vom Krankenhaus. Ich wollte wieder mein normales Leben zurück."

Sie wurde anschließend intensiv kontrolliert, und als vor einem Jahr eine leichte Vorstufe eines Tumors gefunden wurde, fasste Petra v. H. sofort den Entschluss: "Die Brust muss weg." Mit ihrem "neuen", wieder aufgebauten Busen fühlt sie sich wohl als Frau. "Ich habe nie mit ihm gehadert. Aber mir war immer wichtig zu wissen, dass ich den OP-Saal auch wieder mit Brüsten verlasse."

Manche Frauen mit Brustkrebsgen fühlen sich schuldig

Mediziner sagen, einige Frauen mit Brustkrebsgen fühlen sich schuldig. "Schuld lehne ich als Lebenseinstellung ab. Sie ist viel zu passiv. Ich ziehe den Begriff Verantwortung vor", sagt Lamprini Antoniou. So sieht sie auch die Entscheidung, sich das Drüsengewebe entfernen zu lassen, als ihre Verantwortung ihren beiden Kindern (zwölf und acht Jahre alt) gegenüber. Außerdem hat sie ihre Ernährung geändert, aufgehört zu rauchen, geht zu den Kontrolluntersuchungen und treibt regelmäßig Sport. "Das ist für mich eine Mischung aus Reha und Psychotherapie, und dabei fühle ich mich lebendig."

Viel Zuspruch für Angelina Jolie

Angelina Jolie bekommt für ihren offenen Umgang mit der Operation viel Zuspruch, der prophylaktische Eingriff ruft jedoch auch Kritik hervor. Schlagworte wie "Selbstverstümmelung" oder "hysterische Aktion" weisen beide Betroffene zurück. "Wir Frauen müssen selbst darüber entscheiden dürfen, was wir prophylaktisch tun und wie wir mit unseren Ängsten umgehen wollen", fordert Lamprini Antoniou.

Auch Petra v. H. versteht die Motive für eine vorsorgliche Mastektomie. "Wenn ich von meinem Brustkrebsgen früher gewusst hätte, hätte ich mir die Brust sofort abnehmen lassen." Wenn erst einmal ein Tumor entstanden ist, sind Bestrahlung und/oder Chemotherapie nötig. Die Strahlentherapie macht die Haut sehr dünn, das kann den Brustaufbau verkomplizieren. Gerade für junge, noch kinderlose Frauen erschwert eine Chemotherapie eine Schwangerschaft. Ohnehin bleiben bei dieser Therapie Nebenwirkungen nicht aus, die auch später nicht verschwinden.

"Mit einem noch gesunden Körper ist eine Operation viel besser zu überstehen", sagt Lamprini Antoniou. Deshalb raten beide Frauen, wie auch Hollywoodstar Angelina Jolie, sich von kompetenten Ärzten beraten zu lassen und dann die Entscheidung individuell zu treffen, von der man meint, sein Leben zu meistern.

"Ich habe um nichts anderes als mein Leben gekämpft"

Erst nach fünf bis zehn Jahren ohne Befund gelten Brustkrebspatientinnen als geheilt. Bei Lamprini Antoniou liegt die Therapie erst ein Jahr zurück, die letzte OP war im Dezember. Aber sie sagt fröhlich und selbstbewusst: "Ich hatte Brustkrebs, ich bin gesund."

Die 41-Jährige freut sich auf den Sommer, wenn sie wieder luftigere Kleidung tragen kann. Einige sichtbare Spuren der OP sind allerdings geblieben. Aber sie entgegnet: "Ich habe um nichts anderes als mein Leben gekämpft — wieso sollte ich seelisch und körperlich ohne Narben geblieben sein?"

(RP/jco)
Mehr von RP ONLINE