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Vorsorge, Datenerfassung: 13 Waffen gegen den tückischen Krebs

Vorsorge, Datenerfassung : 13 Waffen gegen den tückischen Krebs

Berlin (RPO). Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) will auf die wachsenden Krebsraten in den vergangenen Jahren reagieren. Die tückische Krankeheit müsse schneller erkannt und besser behandelt werden. Die Fortschritte der letzten Jahre reichen nicht aus, erklärte Schmidt am Dienstag auf der ersten Nationalen Krebskonferenz in Berlin.

Mehr als 100 Experten unter anderem aus der Wissenschaft und den Krankenkassen haben seit 2008 für den Nationalen Krebsplan bislang 13 Ziele erarbeitet. Mängel gibt es unter anderem bei der Beteiligung an Vorsorgeuntersuchungen, in der Behandlung sowie bei der Datenerfassung.

Künftig sollen sich mehr Menschen an der Krebsvorsorge beteiligen. Bislang erfüllt laut Krebsplan nur das Mammographie-Screeningprogramm die Anforderungen an eine organisierte Früherkennung.

Defizite gebe es beim Gebärmutterhals- und Darmkrebs. Auch wenn Deutschland im internationalen Vergleich eines der umfangreichsten Früherkennungsprogramme für Darmkrebs vorweise, werde die momentane Teilnahmerate als "zu niedrig" eingeschätzt.

Um mehr Menschen zur Früherkennung zu mobilisieren, könnten organisiert Einladungen verschickt werden, heißt es im Krebsplan. Eine weitere Möglichkeit sehen die Experten in einem Präventionspass, der die Untersuchungen dokumentiert.

Informationsnetzwerk soll aufgebaut werden

Für eine umfangreiche und interessenunabhängige Krebsaufklärung soll im Internet ein Informationsnetzwerk eingerichtet werden. Zudem soll es eine einheitliche gebührenfreie Telefonnummer mit Beratungsangeboten geben.

Die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) kritisierte die derzeit "zu großen" Unterschiede in der Behandlung. "Jedem muss die gleiche Chance geboten werden", forderte DKG-Präsident Werner Hohenberger.

Dafür wird dem Plan zufolge ein bundesweit einheitliches Zertifizierungsverfahren für Krebszentren angestrebt. Bislang sind diese freiwillig. "Dieser Plan wird den Menschen in unserem Land helfen", betonte Hohenberger.

Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, Marion Caspers-Merk (SPD), forderte, die psychischen Leiden der Erkrankten ernster zu nehmen. Etwa 25 bis 30 Prozent entwickelten im Verlauf der Krankheit behandlungsbedürftige psychische Störungen.

Lücken gibt es indes auch bei der Datenerhebung von Krebsleiden. Caspers-Merk sagte, bundesweit gebe es bislang keine einheitliche Dokumentation der Daten. Deshalb müsse ein "Krebsregister" zunächst die aktuelle Situation erfassen.

Jährlich erkranken laut Bundesgesundheitsministerium in Deutschland rund 436.000 Menschen an Krebs. Die Tendenz sei wegen der zunehmenden Langlebigkeit "deutlich zunehmend". Durchschnittlich sterben mehr als 208.000 Patienten pro Jahr an der Krankheit. "Krebs ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen immer noch die zweithäufigste Todesursache in Deutschland", sagte Schmidt.

(DDP/rm)