Krank - Wann Krankenkassen die Haushaltshilfe zahlen

Krankheitsfall: Wann Krankenkassen die Haushaltshilfe zahlen

Ein gebrochenes Bein oder eine dringende Operation – und schon ist niemand mehr da, der sich um Kinder und Haushalt kümmert. Doch in vielen Fällen springt die Krankenkasse ein und finanziert eine Unterstützung. Das sind die Voraussetzungen.

Wer krank ist, fällt nicht nur beruflich aus. Auch zu Hause bleibt alles liegen. Besonders schwierig ist das, wenn im Haushalt Kinder leben, die versorgt werden müssen. Kann ein gesetzlich Versicherter Kinderbetreuung, Waschen und Einkaufen nicht selbst erledigen, springt unter bestimmten Voraussetzungen die Krankenkasse ein und übernimmt die Organisation und Finanzierung einer Haushaltshilfe für diese Zeit.

  • Was muss passiert sein?

Ob eine ambulante Operation, von der Sie sich zu Hause erholen müssen, schwere Erkrankungen wie zum Beispiel eine Lungenentzündung, ein Krankenhausaufenthalt, eine Kur oder Reha – all das sind Fälle, in denen man selbst die Haushaltsführung nicht übernehmen kann. Dennoch sind mit im Haushalt lebende Partner nicht verpflichtet, Urlaub zu nehmen, um dann den Haushalt zu führen. Die gesetzlichen Krankenkassen springen in den genannten Fällen und auch bei ambulanten Entbindungen oder über das normale Maß hinausgehende Schwangerschaftsbeschwerden finanziell ein. Voraussetzung: Es ist mindestens ein bis zu 12-jähriges oder ein behindertes Kind zu Hause. Weitere Voraussetzung: Niemand anders im Haushalt kann die Unterstützung übernehmen. Geregelt ist das im Paragraf 38 des Sozialgesetzbuches.

  • Wie stellt man den Antrag?

Oft reicht ein formloser, schriftlicher Antrag, dem in der Regel eine ärztliche Bescheinigung beizufügen ist, die die Notwendigkeit auf eine Haushalthilfe bescheinigt. In dringenden Notfällen helfen die Sozialstationen der Krankenhäuser, für stationäre Patienten und deren Familie schnelle Hilfe zu organisieren, sagt Andre Hilberath von der Techniker Krankenkasse NRW.

Wer privat versichert ist, hat keinen Anspruch auf eine solche Hilfe. Allerdings rät Dominik Heck vom Verband der Privaten Krankenversicherung, sich dennoch bei seiner Versicherung danach zu erkundigen, da neuere Tarife solche Leistungen berücksichtigen.

  • Wie lange bezahlt die Kasse?

Sofern Kinder zu versorgen sind übernimmt die Krankenkasse die Kosten für maximal 26 Wochen. Auch ohne Kind kann man eine Haushaltshilfe beantragen, dann ist sie aber auf vier Wochen begrenzt. Einige Krankenkassen wie zum Beispiel die DAK, die Techniker Krankenkasse und auch die Barmer übernehmen als Satzungsleistung die Kosten sogar bis zum 14. Lebensjahr des Kindes. Andere wie die AOK Rheinland kommen für maximal 52 Wochen Hilfe auf. In der Regel werden die Kosten für einen Einsatz von bis zu acht Stunden am Tag übernommen. Da sich zwar die gesetzlichen Mindestleistungen nicht unterscheiden, die Kassen jedoch wegen des Wettbewerbs unterschiedliche Satzungsleistungen anbieten, lohnt es sich, bei der eigenen Versicherung nachzufragen.

  • Woher kommt die Haushaltshilfe?

Ein Anruf bei der eigenen Krankenkasse reicht meist aus, um zu erfahren, an wen man sich wenden kann. In der Regel haben die Kassen Verträge mit Pflegediensten, karitativen Einrichtungen oder privaten Organisationen, sagt Sara Rebein von der Barmer. Darüber hinaus helfen freie Träger der Wohlfahrtshilfe vor Ort. In Düsseldorf, Essen und Münster bietet darüber hinaus der Verband allein erziehender Mütter und Väter (VAMV) einen Notfalldienst an, der nicht nur Alleinerziehenden, sondern allen Müttern und Vätern eine Haushaltsnothilfe vermittelt. Neben sechs fest eingestellten Familienpflegerinnen arbeitet der VAMV in Düsseldorf beispielsweise mit rund 50 freien Mitarbeitern zusammen, die entsprechend qualifiziert sind, sagt Kristin Granow, Geschäftsführerin des Verbandes. Manchmal ist es nötig, bei mehreren Stellen anzufragen. „Wir haben rund 250 Nachfragen im Jahr, von denen wir in 180 Fällen vermitteln können“, sagt Granow.

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Daneben steht es jedem offen, sich selbst eine Unterstützung im Freundes- oder Bekanntenkreis zu suchen. Das kann gerade in einer Akutsituation wie dieser die bessere Lösung sein, weil die zu betreuenden Kinder bereits mit der entsprechenden Person vertraut sind.

Dritte Möglichkeit: Der Partner nimmt unbezahlten Urlaub. In diesem Fall ist ein Nachweis über den Verdienstausfall durch den Arbeitgeber nötig. Die Kosten werden dann maximal in dem Rahmen übernommen, die die Kasse für eine Kraft des unter Vertrag stehenden Pflegedienstes gezahlt hätte. In den meisten Fällen ist dieses Modell aus finanziellen Gesichtspunkten nicht die beste Lösung.

  • Was zahlen die Kassen?

Die Kassen zahlen für selbst gesuchte Haushaltshilfen im Schnitt einen Stundenlohn von sechs bis sieben Euro beziehungsweise einen Tagessatz von 48 Euro. In der Regel entfällt diese Leistung, wenn man auf Verwandte bis zum zweiten Grad zurückgreift. Manche Versicherungen zahlen jedoch auch dann den genannten Satz.

Nimmt man die Hilfe eines über die Kasse organisierten Pflegedienstes n Anspruch, rechnet diese direkt mit dem Dienst ab. Meist bekommen in diesem Fall die Betreuungskräfte zwischen 15 und 20 Euro pro Stunde.

  • Was muss ich selbst zahlen?

Die gesetzliche Zuzahlung, die selbst zu übernehmen ist, beträgt zehn Prozent der Kosten pro Einsatz pro Tag – mindestens 5 Euro und höchstens 10 Euro. Schwangere und frisch Entbundene, deren Antrag bewilligt wurde, sind von dieser Zuzahlung befreit.

  • Was übernimmt die Hilfe?

Grundsätzlich können alle Arbeiten zur Führung des Haushalts n an die externe Kraft abgegeben werden.

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