Kindergesundheit: Wie Sie mit Erdnüssen eine Erdnuss-Allergie vermeiden

Allergien : Warum Sie Ihrem Baby Erdnussflips geben sollten

Jeder dritte Deutsche leidet an einer Nahrungsmittelallergie. Jetzt zeigt eine Studie: Zumindest gegen Erdnussunverträglichkeit können Eltern etwa tun - indem sie ihren Säuglingen Erdnussflips zu essen geben.

Sie passen als salziger Snack zum abendlichen Bier, als Paste aufs Brot und im ganzen auch in Müslis - Erdnüsse. Die beliebten Energie- und Vitaminlieferanten aus Südamerika werden nicht nur von vielen gerne gegessen - sondern leider auch von vielen gefürchtet. Kann die Erdnuss bei Allergikern doch schon in geringen Mengen einen lebensgefährlichen anaphylaktischen Schock auslösen.

Dafür, dass Kinder gar nicht erst eine solche Allergie entwickeln, haben Wissenschaftler jetzt eine Lösung gefunden: Erdnussflips oder Erdnussbutter sollten schon im Säuglingsalter verspeist werden.

Was vermutlich in den meisten Ohren ungewöhnlich bis falsch klingt, ist das Ergebnis einer Langzeitstudie mit 640 Säuglingen. Die Ergebnisse der Studie wurden im New England Journal of Medicine publiziert.

Bislang galt für Eltern die Empfehlung, Kinder mit einem erhöhten Risiko auf eine allergische Erkrankung "hypoallergen" zu ernähren. Also auf alle reizenden Substanzen zu verzichten. Erdnüsse sollten demnach in den ersten drei Lebensjahren vollständig vermieden werden.

In Frage gestellt hat das der Allergologe George du Toit vom King's College in London. Er hatte erkannt, dass jüdische Kinder in London, die im ersten Lebensjahr keine erdnusshaltigen Nahrungsmittel verzehren durften, zehnmal häufiger an Erdnuss­allergie erkrankten als jüdische Kinder in Israel. Dort sind Erdnussflips eine beliebte Speise für Kleinkinder, die auch Säuglinge essen dürfen. Da diese Theorie jedoch auf der Basis von Beobachtungen entstand, musste eine randomisierte Studie durchgeführt werden, um sie zu überprüfen.

Mit Förderung des "US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases" konnte Du Toit die "Learning Early about Peanut Allergy" oder LEAP-Studie realisieren. Daran nahmen 640 Säuglinge Teil, die zu Beginn zwischen vier und elf Monaten alt waren. Alle Kinder litten an Neurodermitis oder Eiweißallergie oder an beidem zugleich. Kinder, die zu starke Quaddeln auf der Haut zeigten (mehr als vier Millimeter im Allergie-Test) wurden ausgeschlossen. 98 Kinder, bei denen sich eine Quaddel zwischen ein bis vier Millimetern gebildet hatte, durften jedoch teilnehmen.

Die Kinder wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. In der einen durften keine Erdnussprodukte in der Ernährung vorkommen. In der zweiten Gruppe sollten die Mütter eine Gesamtdosis von sechs Gramm Erdnussprotein auf mehrere kleine Mahlzeiten pro Woche verteilen. Die Creme wurde aus Erdnussflips einer Marke hergestellt, die in Israel sehr beliebt ist. Die Kinder wurden bis in den 60. Lebensmonat von der Studie begleitet.

Das Ergebnis war erstaunlich eindeutig: In der Gruppe, die keine Erdnüsse essen durfte entwickelten 13,7 Prozent eine Erdnussallergie. In der Gruppe, die regelmäßig davon ass, waren es dagegen gerade mal 1,9 Prozent der Kinder. Auch unter den Kindern mit Hautsymptomen im Säuglingsalter, wurde die Rate der Allergieausbrüche deutlich gesenkt. Unter den betroffene Kindern die Erdnussbutter bekamen entwickelten nur 10,6 Prozent eine Erdnussallergie. Bei Kindern mit leichten Quaddeln, die in der Vermeidungsgruppe waren, lag der Allergie-Anteil bei ganzen 35,3 Prozent.

Damit sehen Experten die Annahme endgültig widerlegt, dass eine Vermeidung von Allergenen in jungen Lebensjahren einer Allergie vorbeugen könne. Trotzdem sollten Eltern den Versuch nicht im Alleingang unternehmen. Die Experten empfehlen auf jeden Fall einen Prick-Test, also einen klassischen Allergie-Schnelltest, durchzuführen, um die Kindergesundheit nicht zu gefährden. Außerdem müssten weitere Untersuchungen im Bezug auf die Häufigkeit und die Dosis von Erdnussprodukten für Säuglinge untersucht werden, um ein optimales Ergebnis zu erzielen.

(ham )
Mehr von RP ONLINE