Statistik für NRW Warum es immer mehr Adipositas-Kranke in Kliniken gibt

Düsseldorf · Immer mehr Menschen mit starkem Übergewicht müssen in NRW stationär behandelt werden. Im Jahr 2022 waren es mehr als dreimal so viele Betroffene als noch zehn Jahre zuvor. Was ein Kardiologe dazu sagt und warum Abnehmspritzen für ihn nicht die Lösung sind.

 Immer mehr Menschen in Deutschland bringen zu viele Kilos auf die Waage.

Immer mehr Menschen in Deutschland bringen zu viele Kilos auf die Waage.

Foto: dpa/Waltraud Grubitzsch

Allen Fitness-Apps, Gesundheitstrackern, Fastentrends und Abnehmspritzen zum Trotz: Die Bevölkerung wird immer dicker, und dies seit Jahren. Die aktuellen Zahlen des Landesamtes für Statistik sind ein alarmierender Beleg dafür, wie gesundheitsschädlich anhaltend starkes Übergewicht sein kann. Im Jahr 2022 wurden laut IT.NRW insgesamt 9869 Personen aus Nordrhein-Westfalen aufgrund von Adipositas stationär in Krankenhäusern behandelt. Dies waren mehr als dreimal so viele wie zehn Jahre zuvor (2012: 2838 Fälle). Und: Zwei Drittel der Adipositas-Behandelten in Kliniken waren demnach Frauen.

„Wegovy“-Hype - Wie Abnehmspritzen funktionieren
Infos

Was die Abnehmspritze verspricht und wie sie funktioniert

Infos
Foto: dpa/Steffen Trumpf

Eine allzu große Überraschung sind die neuesten Zahlen des Landesamtes für Statistik nicht. Übergewicht ist seit Jahren in allen Altersgruppen der Bevölkerung auf dem Vormarsch. Rund die Hälfte der Frauen und zwei Drittel der Männer gelten in Deutschland als übergewichtig, dies zeigt das Gesundheitsmonitoring des Robert-Koch-Instituts. Demnach wird außerdem jeder vierte Erwachsene als adipös eingestuft, ist also sogar extrem übergewichtig. Dies ist medizinisch betrachtet ab einem Body Mass Index von 30 der Fall. Der sogenannte BMI gilt als Richtwert für das Körpergewicht und berechnet sich aus der Körpergröße und dem Körpergewicht (BMI=Körpergewicht (kg) : Körpergröße (m)2).

„Die Leute werden einfach immer dicker“

Auf die gesundheitlichen Risiken chronischen Übergewichts (und die dadurch steigenden Kosten für das Gesundheitswesen) machen Mediziner seit langem aufmerksam: Gelenke, Organe, das Herz-Kreislaufsystem – nahezu alle Körperregionen und Organe werden durch anhaltendes starkes Übergewicht in Mitleidenschaft gezogen. Dass daher auch die Zahl der Klinik-Aufenthalte solcher Patienten zunimmt, passt ins gesellschaftliche Bild.

Heribert Brück, niedergelassener Kardiologe aus Erkelenz, beobachtet in seiner Praxis tagtäglich den Trend zu mehr Gewicht. „Die Leute werden einfach immer dicker“, sagt er. Und er habe durchaus den Eindruck, dass dies zunehme. Für viele Patienten werde es schon schwierig, überhaupt auf die Untersuchungsliege zu gelangen. Als „schon etwas erschreckend“ stuft Brück vor allem die zunehmende Zahl jüngerer Menschen mit Gewichtsproblemen ein. „Wir beobachten immer mehr 20- bis 30-Jährige mit deutlichem Übergewicht“, sagt er.

Könnten Abnehmspritzen die Lösung sein?

Mehr Einweisungen ins Krankenhaus tätigt der Kardiologe aber aufgrund von Übergewicht nicht. „Man müsste sich dazu die Zahlen schon genauer anschauen“, betont Brück im Hinblick auf die aktuelle Statistik. Dass angesichts der steigenden Zahl von Übergewichtigen auch mehr Adipositas-Betroffene in Kliniken landeten, sei logisch. „Die Frage ist aber, ob wirklich immer Adipositas die Ursache der Einweisung ist oder eher eine Begleiterkrankung“, sagt er.

Adipositas: Die 10 wichtigsten Fakten
Infos

10 Dinge, die Sie über Adipositas wissen sollten

Infos
Foto: Shutterstock/New Africa

Können die stark nachgefragten und in sozialen Medien bejubelten Abnehmspritzen wie Wegovy oder Ozempic eine nachhaltige Lösung sein? Der Facharzt ist skeptisch: „Abnehmspritzen oder Pillen sind vordergründig natürlich einfacher, als eine langfristige Verhaltens- und Ernährungsumstellung“, sagt er. Aber gerade bei den Spritzen fehlten für die Anwendung bei Adipositaspatienten Langzeitdaten zu möglichen Spätfolgen und Nebenwirkungen. Abnehmspritzen wurden ursprünglich für die Behandlung von Menschen mit Diabetes Typ II entwickelt und zugelassen. Brück: „Es gibt durchaus Hinweise, dass die Anwendung dieser Spritzen auf Dauer nicht unproblematisch sein kann.“

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort