Spanien, Italien, Österreich: Im Urlaub unfreiwillig Organspender?

Spanien, Italien, Österreich: Im Urlaub unfreiwillig Organspender?

Bei einem Unfall im Urlaub sein Leben zu verlieren ist eine schreckliche Vorstellung. Allerdings lohnt es sich, vor dem Urlaub über das Thema Unfall nachzudenken. In vielen Ferienländern könnten Urlauber sonst unfreiwillig zum Organspender werden.

In Deutschland ist die Organspende klar geregelt: Noch zu Lebzeiten muss man seine Zustimmung erteilen, wenn man nach dem Tod alle oder einzelne Organe spenden möchte. Im nahen europäischen Auslan jedoch gelten andere gesetzliche Regelungen. Deutsche können dort zu Organspendern werden, obwohl sie sich dazu nie bereit erklärt haben. Denn Grundlage für den Umgang mit einem potenziellen Spender sind nicht die Regelungen im Herkunfts-, sondern im Aufenthaltsland.

In vielen Ländern wird der Wille vorausgesetzt

Spanien, Italien und Österreich — der Deutschen liebste Reiseziele — verfahren bei der Entnahme von Organen nach der sogenannten "Widerspruchsregelung". Sie lässt zu, dass bei jedem Toten nach Eintritt des Hirntods, Organe entnommen werden dürfen. Das gilt auch bei Touristen. Wer das nicht möchte, der sollte vor der Urlaubsreise entsprechende Vorkehrungen treffen und seinen Widerspruch unzweifelhaft bekunden. Denn rein rechtlich haben Angehörige in diesen Ländern auch im Ernstfall kein Widerspruchsrecht. Wer also vor den Erholungsferien in Sachen Organspende für sich keine Entscheidung getroffen hat, für den wird sie bei einem Unfall vom Personal im Krankhenhaus getroffen. Glück hat, wer nach Belgien, Norwegen oder Finnland fährt, dort behalten Angehörige ihr Widerspruchsrecht.

In Frankreich ist jeder Organspender

Noch anders geschieht es in Ländern wie Dänemark, Großbritannien oder den Niederlanden. Nach der dort geltenden "erweiterten Zustimmungslösung" muss der Verstorbene zu Lebzeiten einer Entnahme zugestimmt haben. Hat er das nicht, müssen es die Angehörigen entscheiden.

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In Frankreich geht der Gesetzgeber grundsätzlich immer vom Willen zur Organspende aus, es sei denn, man hat zu Lebzeiten widersprochen. Die Besonderheit bei der sogenannten "Informationsregelung": Zwar müssen die Angehörigen hier vor der Organentnahme benachrichtigt werden. Sie können sie jedoch nicht mit einem Einspruchsrecht verhindern.

So kann man vorbeugen

In Deutschland gilt abweichend von all diesen Ländern die Entscheidungslösung. Dernach jeder seine Bereitschaft zur Organspende in regelmäßigen Abständen prüfen und dann schriftlich auf einem Organspendeausweis dokumentieren soll. Was viele allerdings nicht wissen: Einen solchen Ausweis sollte man nicht nur besitzen, wenn man sich als Spender zur Verfügung stellt. In dem kleinen Zusatzpass wird auf gleiche Weise dokumentiert, wenn man lediglich der Entnahme bestimmter Organe zustimmt oder eine Spende grundsätzlich ablehnt. Das entbindet im Fall der Fälle sowohl in Deutschland, als auch im Ausland vor allem die Angehörigen davon, in einer ausgesprochen schwierigen Situation eine vorschnelle Entscheidung über Dinge zu treffen, die unumkehrbar sind.

"Die Erfahrung zeigt, dass gerade dann, wenn Ausländer in einen Unfall verwickelt sind, versucht wird mit den Angehörigen Kontakt aufzunehmen", sagt Dr. Marita Völker-Albert, Sprecherin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Gleichwohl empfiehlt sie bei jedem Urlaub eine in Englisch oder der jeweiligen Landessprache abgefasste Erklärung bei sich zu tragen, die eine klare Aussage zu den eigenen Vorstellungen nach dem Tod Auskunft gibt. Diese rät Völker-Albert in der Brieftasche mit sich zu führen.

Solche vorgefassten Schriftstücke kann man zum Beispiel auf der Seite der BZgA in neun verschiedenen Sprachen downloaden. In Österreich kann man sich kostenlos in das "Widerspruchsregister gegen Organspende" aufnehmen lassen. Im Falle einer Organentnahme, wird dort vorher geprüft, ob der Hirntote auf dieser Liste zu finden ist. Eine Aufnahme empfiehlt das österreichische Forschungs- und Planungsinstitut im Gesundheitswesen allerdings nicht bei kurzzeitigen Aufenthalten im Land. In jedem Fall rät die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung jedem, mit seinen Angehörigen über den eigenen Willen zu sprechen, unabhängig davon, ob ein Urlaub ansteht oder nicht.

(wat)