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Rheumatische Erkrankung: Hoffnung für Morbus-Bechterew-Patienten

Rheumatische Erkrankung : Hoffnung für Morbus-Bechterew-Patienten

Bei der chronischen rheumatischen Erkrankung entzünden sich die Gelenke der Wirbelsäule immer wieder in Schüben. Sie wird mit einem Bluttest diagnostiziert. Für Betroffene gibt es jedoch viele Therapiemöglichkeiten, mit denen sich das Leiden lindern lässt.

Den Kopf in den Nacken legen und den Wolken zusehen, ein Buch aus der oberen Regalreihe nehmen, dem Gegenüber in die Augen schauen - für gesunde Menschen ist all das selbstverständlich. Aber für Menschen, die an Morbus Bechterew leiden, können diese alltäglichen Dinge im Laufe der Jahre schwierig werden.

Groß ist die Angst vor den Folgen, denn ein krummer und steifer Rücken ist für viele das einzige, was sie mit dieser rheumatischen Krankheit verbinden. Die Diagnose ist deshalb für die meisten Betroffenen zunächst ein Schock.

Diagnose durch Bluttest

Morbus Bechterew ist eine chronische rheumatische Erkrankung, bei der sich die Gelenke der Wirbelsäule immer wieder in Schüben entzünden. Sie wird mit einem Bluttest diagnostiziert. "Es sind vor allem drei Dinge, die der Patient in seinem Leben verändern sollte", rät Ute Rohles, Internistin und Rheumatologin am Hamburger Endokrinologikum. "Patienten mit Morbus Bechterew brauchen Bewegung, und deswegen sollte Wirbelsäulengymnastik in den Alltag integriert werden.Außerdem sollte das Gewicht möglichst normalisiert und das Rauchen eingestellt werden."

Denn je schwerer ein Patient sei, desto schneller verkrümme sich möglicherweise die Wirbelsäule. Rauchen sei entzündungsfördernd und könne häufigere und heftigere Schübe auslösen.

"Die Krankheit tritt meist im zweiten oder dritten Lebensjahrzehnt auf, die Patienten sind also meist noch sehr jung", sagt die Expertin. Eine Folge der Entzündungsschübe kann sein, dass die Wirbelsäule teilweise, im Endstadium der Krankheit auch vollständig vom Kopf bis zur Hüfte versteift, was den Blick in den Himmel unmöglich machen kann.

Der Verlauf von Morbus Bechterew lässt sich aber entscheidend beeinflussen. "Es kommt vor allem darauf an, wie gut der Patient informiert ist und wie gut er mitarbeitet", betont Rohles.

Ignorieren ist keine Lösung

"Oft ignorieren die Patienten die Diagnose erst einmal, da sie mit einer chronischen Erkrankung nichts zu tun haben wollen", sagt Ludwig Hammel von der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew (DVMB) in Schweinfurt. Hammel ist selbst seit mehr als 30 Jahren Morbus- Bechterew-Patient.

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Er kennt die ablehnende Haltung der Neu-Patienten gut, hinter der die Angst vor der ungewissen Zukunft, Schmerzen, Medikamenten und einer Versteifung der Wirbelsäule stecke. "Aber die Schmerzen sind ja da und können auf Dauer nicht ignoriert werden", sagt Hammel.

Die Krankheitsverläufe seien so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Einige Patienten hätten mit einem besonders aggressiven Krankheitsverlauf zu tun, bei einigen verlaufe die Krankheit sehr mild. Manchmal seien die Gelenke der Arme und Beine, selten auch die inneren Organe mit betroffen, und manchmal beschränke sich die Krankheit auf die Wirbelsäule.

"Wie sie verläuft, ist extrem variabel", sagt auch die Rheumatologin Rohles. Es gebe sehr gute medikamentöse Therapien, die die Erkrankung mildern oder sogar stoppen. Patienten sollten sich nach der Diagnose vor allem gut informieren — bei dem behandelnden Arzt und Selbsthilfeorganisationen, rät Rohles. Viele Patienten suchten aber erst einmal im Internet unter dem Stichwort Bechterew."Von den ersten 300 Treffern haben dann aber 285 einen kommerziellen Hintergrund", sagt Hammel. Das helfe nicht weiter, sondern verunsichere die Patienten nur.

"Muss den Gegner kennen"

Auf diese Weise erfahre man wahrscheinlich nicht, dass die Erkrankung meistens zwischen den 15. und dem 35. Lebensjahr beginnt, dass auf vorübergehende Entzündungsschübe auch immer Phasen der Besserungen folgen und die Versteifung und Verformung der Wirbelsäule meist in den ersten 30 Jahren geschehe, sagt Hammel.

"Ich muss aber den Gegner kennen, um zu wissen, wie ich mit ihm umgehe", sagt Hammel. Der Besuch einer Selbsthilfegruppe oder auch eine Patientenschulung seien gute ergänzende Leistungen zum Arzt. "Denn hier lerne ich, die richtigen Fragen zu stellen: Was erwartet mich? Was darf ich essen? Muss ich Medikamente nehmen? Was kann ich tun? Muss ich täglich Gymnastik machen?"

Er habe schon oft erlebt, dass Patienten, die ihre Krankheit erst nicht wahrhaben wollten, in einer Selbsthilfegruppe dann den "Kick" bekommen haben, sich doch damit auseinanderzusetzen und etwas zu tun, sagt der Experte des Selbsthilfenetzwerkes für Morbus Bechterew- Patienten.

Viel Bewegen

Sein Appell: "Die Patienten müssen sich regelmäßig bewegen und die tägliche Krankengymnastik zu Hause ist absolut Pflicht". Die Übungen, die die Patienten von einem Physiotherapeuten gezeigt bekommen, sollten am besten morgens durchgeführt werden, weil sie so auch gegen das steife Gefühl am Morgen und die damit zusammenhängenden Schmerzen helfen.

Denn nur mit regelmäßigen Übungen und einem aktiven Lebensstil könnten Menschen mit der Bechterewschen Krankheit beweglich bleiben. Patienten mit Morbus Bechterew brauchen Bewegung. Neben spezieller Rückengymnastik ist Sport die beste Möglichkeit für sie, damit sie fit und beweglich bleiben.

Der Bundesverband der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew rät Betroffenen zu Sportarten, bei denen alle Muskelgruppen beansprucht werden, die ohne große Erschütterungen auskommen und bei denen der Hals nicht überstreckt wird.

Infrage kommen Rückenschwimmen, Skilanglauf, Wandern mit Teleskopstöcken und Radfahren. Das Rad sollte einen hohen Lenker und nach vorn gekippten, weich gefederten Sattel haben. Von den Mannschaftssportarten mit Ball seien Volleyball und Prellball am besten geeignet, denn bei diesen Sportarten müssen sich die Sportler viel strecken — und das ist gut für den Rücken.

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(dapd/chk)