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Hitzewelle lässt Mangel an Blutkonserven noch dramatischer werden: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Blutspenden​

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Blutspenden : Warum es wichtig ist, ob Sie Blut spenden oder nicht

Die Not ist groß: Krankenhäuser bekommen derzeit nur rund die Hälfte der benötigten Blutkonserven, weil die Blutspender fehlen. Sie appellieren darum dringend Blut zu spenden. Aber wer kann spenden und wer nicht? Und welche Blutgruppen sind besonders knapp? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Inhalt des Artikels

Jeden Tag werden 15.000 Blutspenden in Deutschland benötigt, um lebenswichtige Operationen durchführen zu können oder Menschen nach Unfällen zu versorgen. Doch derzeit herrscht ein nie da gewesener Mangel an Blut, der sich laut Befürchtung des Deutschen Roten Kreuzes durch die bevorstehenden heißen Tage weiter zuspitzen könnte. Denn bei hohen Temperaturen geht die Spenderbereitschaft drastisch zurück. Der Blutspendedienst West vom Deutschen Roten Kreuz bezeichnet die Lage als kritisch. Bleibt die Situation bestehen, fürchten unzählige Krankenhäuser, planbare Operationen absagen zu müssen, um die Notfallversorgung sicherstellen zu können. Sie rufen darum dringend zum Blutspenden auf.

Die Wahrscheinlichkeit, selbst einmal auf eine Blutkonserve angewiesen zu sein, ist hoch: „Statistisch gesehen benötigt jeder dritte Bundesbürger mindestens einmal in seinem Leben ein Blutprodukt. Gerade im Notfall wünscht sich jeder von uns, dass jederzeit eine passende Blutkonserve bereitsteht“, sagt Michael Hoor, ärztlicher Direktor und Chefarzt der Anästhesie und Intensivmedizin am St. Martinus-Krankenhaus Düsseldorf. Das jedoch ist nur möglich, wenn viele bereit sind selbst zu spenden. Was man rund um das Thema wissen sollte:

Wem hilft meine Blutspende?

Kranken und schwerverletzten Menschen. Denn ohne Blutkonserven ist die Notversorgung nach Unfällen genauso wenig möglich wie lebenswichtige Operationen, für deren Durchführung Blutreserven notwendig sind. Aber auch die Behandlung von Krebspatienten ist ohne Blutkonserven nicht möglich, da das eigene blutbildende System dieser Patienten während der Chemotherapie stark geschwächt ist. „Diese Patienten benötigen darum sehr regelmäßig Blutbestandteile wie zum Beispiel Blutplättchen – also Thrombozyten“, sagt Daniel Beiser vom DRK-Blutspendedienst.

Wer kann Blut spenden und wer nicht?

Blut spenden kann jeder Mensch ab 18 Jahren, der mindestens 50 Kilogramm wiegt. Wer zum ersten Mal Blut spendet, darf laut Informationen des DRK-Blutspendedienstes nicht älter als 68 Jahre sein. Wer schon mehrfach gespendet hat, darf das weiterhin tun, bis er 75 ist. „Ausgeschlossen von einer Blutspende sind Personen mit einer Krebserkrankung, Infektionskrankheiten (wie Malaria, HIV oder Hepatitis C) und risikoreichem Sexualverhalten“, sagt Christian Temme, Transfusionsmediziner der Universitätsmedizin Essen.

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Nicht gespendet werden darf innerhalb einer Schwangerschaft und bis sechs Monate nach der Entbindung, vorübergehend bei einigen Impfungen, vor und nach Operationen oder nach Auslandsreisen in bestimmte Regionen – mitunter auch das europäische Ausland. Auch in Zusammenhang mit bestimmten Vorerkrankungen oder der Einnahme von Medikamenten kann die Spende schwierig sein. Fragen zur Blutspende lassen sich an der kostenfreien Blutspende-Hotline klären: 0800 11 949 11.

Welche Blutgruppen sind besonders gefragt?

Alle Blutgruppen werden benötigt. Eine Sonderrolle nimmt allerdings Blutgruppe 0 – besonders mit Rhesusfaktor negativ - ein, denn sie kann im Notfall an jede andere Person übertragen werden. Zwar ist Blutgruppe 0 neben AB die häufigste Blutgruppe hierzulande. Doch tragen nur sechs Prozent der in Deutschland lebenden Menschen die optimale Kombination mit Rhesusfaktor negativ. Regional können jedoch auch andere Blutgruppenmerkmale besonders gefragt sein.

Wie oft im Jahr kann man Blut spenden?

Männer dürfen sechsmal pro Jahr zur Blutspende, Frauen hingegen nur viermal. Der Grund: Durch die Blutspende verliert der Körper Eisen. Um diesen wieder auszugleichen, benötigt der Körper rund zwei Monate. Da Frauen durch ihre Regelblutung ein höheres Risiko für Eisenmangel tragen und zudem eine niedrigere Blutmenge haben, dürfen sie weniger häufig zur Blutspende.

Welche Vorteile hat das Spenden für mich selbst?

Vor der Blutspende gibt es einen Gesundheitscheck mit Blutdruck- und Fiebermessung und der Bestimmung des Hämoglobin-Wertes im Blut. Im Anschluss wird das Blut zudem auf bestimmte Infektionskrankheiten hin getestet und die eigene Blutgruppe bestimmt. Laut einer Studie der Berliner Charité kann sich die regelmäßige Blutspende positiv auf den Blutdruck auswirken. Er sinkt im Schnitt um 16 mmHg – diese Maßeinheit gibt den Druck von Körperflüssigkeiten an. Dieser Effekt hielt bis zu sechs Wochen an. Eine Senkung des Blutdrucks von 10 mmHg vermindert laut des Berufsverbandes Deutscher Internistinnen und Internisten das Risiko für Schlaganfall und ischämische Herzerkrankungen um bis zu 40 Prozent. In einer Befragung gaben die Studienteilnehmer zudem an, dass sie sich nach der Spende leistungsfähiger und vitaler fühlten. Die Berliner Forscher vermuten auch, dass regelmäßige Blutspender eine bessere Immunabwehr haben.

Welche Arten von Blutspende gibt es?

  • Die häufigste Form ist die sogenannte Vollblutspende. Bei dieser wird ein halber Liter Blut abgenommen. Danach wird die Spende in die einzelnen Blutkomponenten zerlegt – also in Erythrozyten, Thrombozyten, Blutplasma. Aus ihnen entstehen verschiedene Blutprodukte, die für mehrere Menschen und unterschiedliche Zwecke einsetzbar sind, erklärt das DRK. „So können mit einer einzigen Spende bis zu drei Menschenleben gerettet werden“, sagt Temme.
  • Daneben gibt es die sogenannte Blutplasmaspende, bei der lediglich der flüssige Teil des Blutes – das Blutplasma – entnommen wird. Alle anderen Bestandteile des Blutes werden dem Körper direkt wieder zugeführt und gehen nicht verloren. Plasmaspenden können darum bis zu 60 Mal im Jahr geleistet werden.
  • Bei der Thrombozytenspende wird ähnlich wie bei der Plasmaspende nur ein bestimmter Bestandteil des Blutes herausgefiltert – in diesem Fall die für die Blutgerinnung zuständigen Thrombozyten. Da diese nur vier Tage haltbar sind, melden sich daran interessierte Spender üblicherweise in einem Spenderpool an und werden flexibel angerufen, wenn ihre Spende erforderlich ist. Thrombozytenspenden werden vor allem bei großen Blutungen nach Operationen benötigt, bei Organtransplantationen und bei der Behandlung von Krebserkrankungen wie Leukämie.
  • Bei geplanten Operationen, für die erwartungsgemäß Blutkonserven benötigt werden, kann man auch für sich selbst Blut spenden. Man spricht dann von einer Eigenblutspende. Der Patient kann durch eine bis zu viermalige Spende ein eigenes Blutdepot anlegen.

Warum ist Blut alternativlos?

Trotz jahrzehntelanger Forschung ist bislang kein künstlicher Ersatzstoff für Blut gefunden. Die Wissenschaftler stehen bei der Herstellung künstlichen Bluts vor diversen unlösbaren Problemen: Das künstliche Blut müsste den Sauerstofftransport von der Lunge ins Gewebe übernehmen. Diese Rolle übernimmt im menschlichen Blut das sogenannte Hämoglobin. Es sorgt dafür, dass der durch die Lunge als Gas aufgenommene Sauerstoff zwar einerseits gebunden wird, andererseits diese Bindung aber auch nicht so stark ist, dass der Sauerstoff nicht im Gewebe wieder abgegeben wird. Auch andere Anforderungen sind derzeit noch ungelöst. Künstliches Blut dürfte sich in keiner Weise auf den Organismus auswirken und nach der Verabreichung mit der Zeit langsam wieder aus dem Blut verschwinden. Zwar gibt es beispielsweise synthetische Blutersatzprodukte, in denen statt Hämoglobin Kohlenwasserstoffverbindungen – sogenannte Perfluorcarbone – zum Einsatz kommen, doch lösen diese häufig Immunreaktionen aus. Ein entsprechendes Präparat, das in den USA und wenigen anderen Ländern zu Einsatz kam, wurde 1994 wieder vom Markt genommen.