Jeder Zehnte reagiert auf das Reizgas: So setzt Ozon uns zu

Jeder Zehnte reagiert auf das Reizgas : So setzt Ozon uns zu

Hinter Hustenattacken, Kopfschmerzen und Augenreizungen stecken nicht zwangsläufig eine Allergie oder eine beginnende Sommergrippe. Die mit den Temperaturen ansteigenden Ozonwerte setzen manchen erheblich zu. Bei Männern verringern sie sogar die Zahl der Spermien.

Sommersmog schadet der Gesundheit. Husten, Kopfschmerzen oder Atemprobleme machen empfindlichen Menschen und Kindern genau dann zu schaffen, wenn andere beginnen, den Sommer zu genießen. Hohe Temperaturen, geringe Windgeschwindigkeiten und niedrige Luftfeuchtigkeit lassen die Ozon-Werte in die Höhe schnellen. Besonders konzentriert es sich dort, wo die Luft durch Fabrik-, Autoabgase oder andere Umweltbelastungen schlecht ist.

Das ungesunde Gas entsteht, wenn Schadstoffe aus der Luft, wie zum Beispiel Stickstoff, durch das Sonnenlicht aufgespalten werden. Durch die Reaktion mit Sauerstoff verwandeln sie sich in Ozon. Das Phänomen tritt deutlich globaler auf, als vermutet: 95 Prozent der gesamten EU-Bevölkerung ist in städtischen Gebieten einer Ozonbelastung ausgesetzt, die über den Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation ist, sagt die Europäische Umweltagentur. Global betrachtet reagiert jeder Zehnte empfindlich auf den Umweltschadstoff. Gewarnt werden die Bürger laut der Informationen des Landesumweltamtes NRW ab einer Belastung von 180 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft.

Schäden an Lunge und Herzen

Viele Menschen benötigen den behördlichen Warnhinweis allerdings nicht. Bei ihnen reizt das Gas so massiv die Schleimhäute, dass die Augen brennen wie Feuer, sie Nasenbluten bekommen, Kopf- und Brustschmerzen, Husten oder Bronchitis. Die schlimmsten Schäden verursacht es genau dort: an den Atemwegen. Denn das Reizgas kann in die Zellmembran eindringen und zu massiven Lungenschäden führen. Inwieweit es krebserregend wirkt, ist umstritten. Klar ist bislang lediglich, dass es bei Menschen, die ihm lebenslang in hoher Dosis ausgesetzt sind, das Lungenkrebsrisiko erhöht. In Tierversuchen hat man nachweisen können, dass das Umweltgift das Erbgut schädigt.

In neueren Studien bestätigte sich, dass das Umweltgift nicht nur kurzfristige Wirkung auf den Organismus zeigt, sondern sogar langfristig zu schweren Gesundheitsschäden führen kann. Es schädigt das Herz und wirkt sich gefährlich auf das Herzkreislauf-System aus, sagen Wissenschaftler der US-Umweltschutzbehörde EPA. Herzzellen steuerten unter starker Ozonbelastung in den programmierten Zelltod.

Kinder besonders gefährdet

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte warnt deshalb bei steigenden Ozonwerten Eltern davor, besonders auf ihre Kinder acht zu geben. Säuglinge und Kinder atmen wegen ihres größeren Sauerstoffbedrafs eine Luftmenge ein, die im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht bereits im Ruhezustand so hoch ist wie bei einem Erwachsenen, der in Bewegung ist. Bereits eine geringe Konzentration des nach Nelken, Heu oder Chlor riechenden Gases, kann bei Kindern Hustenattacken, Luftnot und Herzrasen auslösen. Besonders gefährdet sind Sprösslinge, die allergiebedingt bereits unter einer Atemwegserkrankung leiden.

So schützen Sie sich

Wer sich vor der Aufnahme von zu viel Ozon schützen möchte, der sollte sich möglichst wenig im Freien aufhalten. Die Verabredung zum Walken verlegt er besser in die frühen Abendstunden. Denn die Ozondosis ergibt sich aus der Gaskonzentration und der eingeatmeten Luftmenge. Die ist höher, wenn man Sport treibt oder draußen anstrengende Tätigkeiten verrichtet. Die Ozonwerte sind meist nachmittags am höchsten.

Autofahrer können selbst dazu beitragen, die Situation zu entschärfen, indem sie den Wagen einfach stehen lassen. Denn durch die Fahrt mit dem Auto gerät zusätzlich Stickstoffoxid ind ei Luft. Besonders hoch ist der Ausstoß bei Dieselfahrzeugen.

(wat)
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