Badesee: Diese Krankheitserreger schwimmen mit

Naturbaden mit Darmbakterien und Co. : Diese Erreger tauchen mit Ihnen im Badesee

Schwimmen im Freiland-Gewässer – das kommt besonders naturverbunden daher und hat seine besonderen Reize. Doch Seen sind keine Schwimmbäder. Im Wasser können besondere Gesundheitsgefahren lauern. Welche das sind, lesen Sie hier.

Schwimmen im Freiland-Gewässer — das kommt besonders naturverbunden daher und hat seine besonderen Reize. Doch Seen sind keine Schwimmbäder. Im Wasser können besondere Gesundheitsgefahren lauern. Welche das sind, lesen Sie hier.

Strömungsverhältnisse, Wellengang und Sog — das Baden in Seen ist nicht nur aus diesen Gründen riskanter als ein Sprung ins Freibad. Gesundheitsgefahren lauern auch im Wasser. Denn natürliches Wasser ist nicht aufbereitet und desinfiziert und als Trinkwasser in Gänze ungeeignet. Dennoch lässt es sich beim Schwimmen nicht vermeiden, davon eventuell etwas zu Schlucken. Das kann sich übel rächen, denn in Seen schwimmen Erreger wie Fäkalbakterien, Keime oder Pilze, die der Gesundheit zu schaffen machen können.

In Ufernähe höchsteInfektionsgefahr

Wer einen unbeschwerten Badetag im Freien genossen hat, merkt es vielleicht erst am Abend zu Hause: Das Schwimmen schlägt ihm im Nachhinein auf den Magen. Kopfüber ins Waser einzutauchen empfiehlt sich vor allem nicht in Ufernähe. Denn dort schwimmen die Keime in höchster Konzentration herum. Neben Erfrischungswütigen tauchen Erreger wie Echerichia coli und intenstinale Enterokokken.

E.-coli-Bakterien sind Darmkeime, die im Bereich der Trinkwasser- und Lebensmittelkontrolle eine feste Messgröße für fäkale Verunreinigung sind. In offenen oder geschlossenen Gewässern kann neben diesen normalen Kolibakterien auch die Sonderform der EHEC-Keime vorkommen. Sie produzieren im Gegensatz zu den einfachen E.-coli-Bakterien Giftstoffe, die nicht nur zu wässrigen Durchfällen führen, sondern auch zu Blutarmut, Gefäßschädigungen mit Blutgerinnungsstörungen oder Nierenfunktionsstörungen. Das kann wie bei der Erkrankungswelle in Norddeutschland im Jahr 2001 tödlich enden. Nach Angaben des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit sterben Kinder, die am sogenannten hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) erkrankt sind in bis zu fünf Prozent der Fälle.

Darmbakterien als Badeeinlage

Intestinale Enterokokken zählen zu den fäkalen Streptokokken. Jeder Mensch beherbergt sie im Darm. Werden sie allerdings im Badesee in größerer Menge gefunden, ist das ein deutlicher Hinweis auf eine fäkale Verunreinigung. Diese Form der Enterokokken verursacht zwar keine Magen-Darm-Infektion bei einer Aufnahme durch den Mund, stellt allerdings bei Zusammenkommen mit einer Wundfläche ein großes Problem dar. Über diese Schwachstellen bahnen sich die Erreger den Weg in den Körper und lösen Infektionen aus, verlaufen Fälle, in denen diese Form der Enterokokken durch den Mund in den Magen-Darm-Trakt kommt., kommt es zu keiner Infektion; die intestinalen Enterokokken sind diesbezüglich harmlos. Dagegen kann es zu schweren Erkrankungen durch intestinalen Enterokokken wie E. faecalis kommen, wenn diese über Wunden in den Körper gelangt. Dieser Infektionsweg ist typisch für im Krankenhaus erworbene Infektionen und muss antibiotisch bekämpft werden.

Vor allem für Kleinkinder, die sich in Gewässern nur unmittelbar in küstennahen Bereichen zum Plantschen niederlassen, kann der Ausflug an den See mitunter also böse enden. Ein Test der deutschen Badeseen durch den ADAC im vergangenen Jahr hatte ergeben, dass jede siebte Messung eine bedenkliche Keimkonzentration im ufernahen Flachwasser brachte. Verlierer des bundesweiten Tests war der Elfrather Badesee in Krefeld.

Wer versehentlich beim Badeausflug zu viel Wasser schluckt, quittiert das unter Umständen mit einer Vergiftung, die durch Algentoxine herbeigeführt ist. Bestimmte Blaualgenarten bilden Gifte, die über das Wasser aufgenommen zu Übelkeit, Erbrechen und Durchfall führen können. Gefährdet sind besonders Kleinkinder und solche im Grundschulalter, da sie beim Toben im ufernahen Bereich eher Wasser verschlucken. Bei empfindlichen Personen kann es zu Hautreizungen und allergischen Reaktionen kommen. Das Umweltministerium NRW empfiehlt darum auf Trübungen, Verfärbungen oder Algenansammlungen zu achten, diese als Warnhinweis zu verstehen und besser aufs baden zu verzichten.

Wasservögel sind ein Warnhinweis

Neben Keimen und Giften, finden sich im Seewasser zudem Parasiten wie zum Beispiel die Saugwürmerlarven. Sie treten nach Informationen des Umweltministeriums NRW in Badeseen vermehrt in der Zeit von Juli bis August auf. Dann hält sich in den Küstenbereichen eine konstantere Temperatur von rund 20 Grad Celsius. Lassen sich Wasservögel wie Enten sichten, kann man davon ausgehen, dass auch diese Parasiten im Wasser vorhanden sind, denn sie geraten unter anderem über Entenkot in den See. Die geschlechtsreifen Saugwürmer setzen dann Larven frei, die sich auch durch die Haut von Badenden bohrt. Dort bleiben sie stecken, sterben dort ab und bilden unter Juckreiz und Pappelbildung die sogenannte Badedermatitis aus. Erkennen kann man sie durch mitunter großflächig auftretende Bläschen und Pappeln.

Um sich den Schädling vom Hals zu halten kann man sich vorbeugend mit wasserfester Sonnencreme einreiben. Nasse Badekleidung sollte nach Verlassen des Wassers sofort abgelegt werden. Wenn möglich sollte man gleich duschen und den ganzen Körper kräftig mit dem Badetuch abreiben.

Das Schwimmen in Badeseen kann auch für Ihre Ohren gefährlich werden. Hier finden Sie einige Tipps, wie Sie Wasser aus den Ohren entfernen können.

Hier geht es zur Infostrecke: 2014: Wasserqualität in den Badeseen der Region

(wat)
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