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Atemlosigkeit und Brustschmerz ernst nehmen: Koronare Herzkrankheit — Die versteckte Todesgefahr

Atemlosigkeit und Brustschmerz ernst nehmen : Koronare Herzkrankheit — Die versteckte Todesgefahr

Rund 4,3 Millionen Menschen jährlich sterben an den Herzerkrankungen. Die häufigste ist die koronare Herzkrankheit. Aus ihr ergibt sich später oft ein Herzinfarkt. Während aber der Herzinfarkt in aller Munde ist, weiß über die koronare Herzkrankheit kaum jemand etwas.

Wenn Eva König mit vollen Einkaufstauschen nach Hause kommt, schafft sie es nie ohne Pause, sich die vier Stockwerke hochzuquälen. Spätestens auf dem dritten Treppenabsatz bleibt sie stehen, denn in ihrer Brust macht sich ein Schmerz breit, der sie zum Pausieren zwingt. Nach einigen Minuten ist das vorbei und sie erreicht ihre Wohnung. — Das, was die 50-Jährige auf die leichte Schulter nimmt, weil es sich von selbst immer wieder gibt, ist die häufigste Herzkrankheit. Sie ist dringend behandlungsbedürftig. Im anderen Fall kann sie mit einem Herzinfarkt oder plötzlichem Herztod tödlich enden.

Erwachen auf der Intensivstation

Die Deutsche Herzstiftung rückt anlässlich ihrer Herzwochen das Augenmerk auf die Herzerkrankung, die viele haben, aber wenige mit Namen kennen: Jedes Jahr sterben 59.000 Menschen auf diese Weise. Und das, obwohl sich der Infarkt in 90 Prozent der Fälle vermeiden ließe, so wie es die große, internationale Interheart-Studie vor einigen Jahren zeigt. 665.000 kommen jährlich wegen der koronaren Herzkrankheit in eine Klinik. Erst dort lernen sie mehr über die Risikofaktoren, die sie seit vielen Jahren mit sich herumtragen, ohne davon zu wissen.

Die Faktoren, die bei ihnen Ablagerungen in den Blutgefäßen begünstigen, eine Arteriosklerose, auch Gefäßverkalkung genannt. Die Ablagerungen behindern irgendwann den Blutstrom in den Herzkranzgefäßen. Zu diesem Zeitpunkt erst spüren Betroffene die ersten Symptome: Das kann ein Druck- oder Engegefühl in der Brust sein oder auch Atemnot. Manche spüren einen Schmerz in der Schulter bis in den Kiefer hinein, andere Schmerzen im Oberbauch. Im Herzmuskel zeigt sich das durch eine Mangeldurchblutung und solche Angina-Pectoris-Anfälle.

Harmlose Auslöser

Ausgelöst werden diese Symptome durch Stress, körperliche Belastungen wie Treppensteigen, schnelles Gehen oder Aufregung. Viele nehmen diese Anzeichen allerdings nicht als Warnschüsse wahr, sondern verdrängen die Beschwerden, weil sie sich schon nach wenigen Minuten von selbst wieder geben.

Eine Angina Pectoris entsteht allerdings nicht von heute auf morgen. Über viele Jahre hinweg richtet eine ungesunde Lebensweise, die zu hohem Blutdruck führt, hohen Cholesterinwerten oder Blutzuckerwerten, im Verborgenen Schaden an der Gefäßinnenhaut an. Würde man diese Innenhaut der Gefäße auseinander falten, ließe sich der Schaden besser sehen, denn sie umfasst die Größe von sechs Tennisplätzen. Eng zusammengefaltet in unserem Körperinnersten aber sind die anfänglich kleinen Verletzungen und Einlagerungen von Fettkristallen oder Entzündungen nicht zu sehen.

"Gefährlich ist das noch nicht und macht höchstens unter Belastung durch verstärkten Sauerstoffbedarf Beschwerden", erklären die Herzspezialisten der Deutschen Herzstiftung. Zur bedrohlichen Gefahr wird es aber, wenn die Ablagerungen in der Gefäßwand reißt und sich an der Stell ein Gerinnsel bildet. Verschließt sich dadurch das Gefäß, kommt es zum Herzinfarkt.

Symptome ernstnehmen

Fatal ist die Entscheidung, die ersten Symptome zu ignorieren, denn wie die aktuelle ESC-Herz-Leitlinie festhält: "Mehr als drei Viertel der Todesfälle aufgrund von Herz- und Gefäßkrankheiten könnten durch Änderungen im Lebensstil verhindert werden." Zwar ist der Lebenswandel nicht der einzige Faktor, der den schleichenden Prozess einer koronaren Herzkrankheit einläutet. "Alter, Vererbung, Umwelteinflüsse wie Luftverschmutzung und starke Lärmbelastung spielen eine Rolle", erklärt Prof. Dr. Bernhard Schwaab, Chefarzt der Curschmann Klinik, einem Rehabilitationszentrum für Herzpatienten. "Aber die Hautursache ist der Lebenswandel."

Tipps zur Vorbeugung

Weniger Wurst, Fleisch und Fast-Food ist die Grundlage für eine herzgesunde Ernährung. Außerdem sollte man, so rät es der Herzspezialist, auf leere Kohlehydrate ein Auge haben, die in Weißmehl, Zucker und Süßigkeiten stecken. "Das Hauptproblem ist, dass viele mehr Kalorien aufnehmen, als der Körper braucht", sagt Prof. Schwaab. Was der Körper nicht braucht, setzt sich als Fettpolster fest und bleibt dort erst recht kleben, wenn wir uns als Bewegungsmuffel mehr sportliche Auszeiten gönnen, als der Gesundheit lieb ist.

Mit einer leichten Mittelmeerküche, viel Gemüse, Salat, Obst, Fisch und Oliven- und Rapsöl kann man ernährungstechnisch vorbauen. Erklärt Herzspezialist Prof. Dr. Thomas Meinertz. Er ist Vorsitzender der Deutschen Herzstiftung. Damit sich kleinere Ernährungssünden nicht auf Bauch und Hüften festsetzen, empfiehlt er vier bis fünfmal in der Woche für 30 Minuten Radzufahren, zu wandern, zu joggen oder schwimmen.

Auch Stress hält Prof Schwaab unbestritten für Risikofaktor für koronare Herzkrankheit: "Dauerstress macht krank, führt zu Bluthochdruck, zu zunehmender Erschöpfung, zu Schlaflosigkeit mit schwerwiegenden Folgen."

Hier geht es zur Infostrecke: Koronare Herzkrankheit – Die Risikofaktoren

(wat)