Heilpflanze des Jahres Wie Schwarzer Holunder wirksam bei Erkältungen hilft

Düsseldorf · Gerade bei viralen Infekten kann man sich oft zunächst selbst helfen – zum Beispiel mit pflanzlichen Tees oder Lutschpastillen. Bei manchen Substanzen ist dies sogar wissenschaftlich belegt. Was die Heilpflanze des Jahres kann und warum ein anderes Gewächs diesen Titel ebenfalls verdient hätte.

Die Heilpflanze des Jahres 2024: der Schwarze Holunder (Sambucus nigra).

Die Heilpflanze des Jahres 2024: der Schwarze Holunder (Sambucus nigra).

Foto: dpa/Roland Weihrauch

Viel trinken, Bonbons lutschen (zuckerfrei!) und Ruhe gönnen – viel mehr kann man, realistisch betrachtet, bei einem grippalen Infekt oder einer Erkältung zunächst nicht tun. Denn in den allermeisten Fällen sind Viren die Ursache – und dagegen helfen keine Antibiotika. Ein bisschen aber kommt es schon darauf an, was man trinkt, gurgelt oder lutscht. Jeder hat da seine ganz persönlichen Favoriten in Sachen Kräutertee oder Lutschpastillen. Bei den allermeisten Präparaten ist die Wirksamkeit nicht wissenschaftlich belegt – aber auch ein Placebo-Effekt kann Wunder wirken, und der Gedanke „Ich tue mir etwas Gutes“, trägt zur Genesung unbedingt bei.

Außerdem gibt es auch Gesundmacher aus der Natur, deren Nutzen durchaus bewiesen ist. Eine davon hat der Verein NHV Theophrastus zur Heilpflanze des Jahres 2024 gekürt: den Holunder. „Mit der Auszeichnung des Schwarzen Holunders rückt ein Gewächs in den Mittelpunkt, das schon in vorchristlicher Zeit hochgeschätzt war“, heißt es in einer Mitteilung des Vereins, der seine Aufgabe darin sieht, das Wissen altbekannter Heilpflanzen zu erhalten und weiterzutragen. Tatsächlich nutzten schon die Menschen in der Antike Sambucus nigra, wie der Schwarze Holunder wissenschaftlich heißt. Seine positiven Effekte vor allem bei Erkältungsbeschwerden und grippalen Infekten verdankt der Strauch aus der Familie der Moschuskrautgewächse seinen Inhaltsstoffen: Schwarzer Holunder enthält Flavonoide und ätherische Öle, seine Früchte sind reich an Vitamin C sowie Gerb- und Mineralstoffen. Vor allem die getrockneten Blüten und Beerenextrakte kommen zur Anwendung. Seinen heilenden Effekt belegt unter anderem eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2019: Hier zeigte sich bei den 180 Anwendern, dass sich ihre Beschwerden der oberen Atemwege unter Einnahme von Sambucus nigra-Präparaten erheblich besserten. Außerdem wirken die Inhaltsstoffe des Holunders antioxidativ und scheinen die Immunabwehr zu stimulieren. Hierüber berichtet eine Studie aus dem Jahr 2012 in der Zeitschrift Journal Bioscience, Biotechnology, and Biochemistry.

Der Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) hat für die Anwendung Holunderblüten zur frühsymptomatischen Behandlung gewöhnlicher Erkältungen den Status „traditional-use“ vergeben. Das heißt, dass die Substanz oder Zubereitung länger als 30 Jahre und davon mindestens 15 Jahre in der EU verwendet wird und die Wirksamkeit plausibel ist. Die Früchte erfüllen nach Angabe der „Pharmazeutischen Zeitung“ diese Voraussetzungen nicht. Nebenwirkungen und Wechselwirkungen des Holunders mit anderen Substanzen gebe es keine.

Ein künftiger Kandidat für die Wahl zur Heilpflanze des Jahres wäre möglicherweise der Hibiskus. Hibiskus gehört zu den Malvengewächsen und hat in der chinesischen Medizin eine lange Tradition als Heilpflanze. Tee wird in der Regel aus den Blüten der afrikanischen Malve (Hibiscus sabdariffa) hergestellt. Längst belegen mehrere Studien, dass ein regelmäßig getrunkener Tee den Blutdruck messbar senken kann.

Kann helfen, den Blutdruck zu senken: der Hibiskus.

Kann helfen, den Blutdruck zu senken: der Hibiskus.

Foto: dpa

Beim Blutdruck werden grundsätzlich zwei Werte gemessen: Der Druck, wenn das Blut aus der linken Herzkammer in die Hauptschlagader (Aorta) gepumpt wird, nennt man den systolischen Druck. Dies ist der erstgenannte höhere Wert. Nach dieser Auswurfphase entspannt sich der Herzmuskel wieder, neues Blut kann in die Herzkammern einströmen. Der niedrigste Druck der Entspannungsphase wird als unterer Blutdruckwert oder diastolischer Blutdruck bezeichnet. Blutdruck wird in der Einheit Millimeter-Quecksilbersäule (mmHg) gemessen. Als ideal gilt ein Blutdruck von etwa 120 zu 80 mmHg.

Was der Hibiskus als Blutdrucksenker kann, fanden Herzforscher der Tufts-Universität in Boston/USA schon vor einigen Jahren heraus. Für eine Studie wählten sie 65 Männer und Frauen mit moderat erhöhtem Blutdruck (obere Werte zwischen 120 und 150 mmHg, der untere Wert niedriger als 95 mmHg). Keiner der Teilnehmer nahm ein blutdrucksenkendes Mittel ein. Eine Gruppe trank sechs Wochen lang täglich drei Tassen frisch aufgebrühten Hibiskus-Tee, die andere ein Placebo-Getränk. Die Ergebnisse nach sechs Wochen: Der regelmäßige Genuss von Hibiskus-Tee ließ den oberen Blutdruckwert (Systole) im Schnitt um 7,2 mmHg sinken, das Placebo-Getränk dagegen nur um 1,3 mmHg. Beim unteren Wert gab es ebenfalls einen Unterschied zugunsten der Teetrinker, allerdings weniger deutlich ausgeprägt. Besonders effektiv zeigte sich der Hibiskus-Tee bei denjenigen Probanden mit hochnormalen oder schon leicht hypertensiven Blutdruckausgangswerten. Die Forschung geht davon aus, dass im Hibiskus enthaltene Inhaltsstoffe mit antioxidativer Wirkung die blutdrucksenkende Wirkung hervorrufen. Hierzu gehört etwa auch das Vitamin C.

Bei allen wünschenswerten Effekten sämtlicher Naturprodukte bleibt eines unbedingt wichtig: Bessern sich die Beschwerden nach mehreren Tagen nicht oder verschlimmern sie sich sogar (Fieber), sollten Erkrankte unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort