Haut-Serie: Teil 1: Wie Sie die Dellen auf der Haut los werden

Haut-Serie: Teil 1: Wie Sie die Dellen auf der Haut los werden

Glatte, makellose Haut – ein Schönheitsideal, dem Dellen auf der Haut entgegenstehen. Rechtzeitig zu Sommer- und Bikini-Saison beginnen darum für viele Frauen das jährliche Anti-Cellulite-Programm. Oft verschlingt das viel Geld und Zeit, doch welche Methoden helfen wirklich?

Der Sommer entlarvt sie alle: Schonungslose Paparazzi-Fotos präsentieren die Dellen der Stars: Britney Spears zeigt Anzeichen von Organgenhaut, Model Alessandra Ambrosio kann die Dellen nicht verbergen und auch Pippa Middleton hat ihr Fett diesbezüglich schon abbekommen. Fotos dieser Berg- und Tallandschaft auf der Haut zeigen vor allem zweierlei: Das Schönheitsproblem plagt nur die Frauenwelt und jede Frau hat das. Fettzellen drücken sich erbarmungslos durch die netzartigen Bindegewebezüge an die Oberfläche, als lägen Styroporkügelchen darunter.

Begründet wird die Cellulite beim weiblichen Geschlecht schon vor der Geburt: "Im dritten Monat der Embryonalentwicklung wird die Bindegewebsschwäche unter Einfluss der Hormone angelegt und bleibt für den Rest des Lebens erhalten", sagt der Düsseldorfer Dermatologe Dr. Manuel Cornely. Denn im Gegensatz zum Mann besitzt die Frau Hautgewebe, das hormonellen Schwankungen unterliegt.

Nur extrem schlanke Frauen können den Makel verbergen

Das ist zwar gut bei Schwangerschaften, aber blöd für die Optik. Zumal es nicht nur durch seine Dehnfähigkeit entscheidend anders ist als das des Mannes. In unteren Hautschichten lagern sich überschüssige Fettsäuren, die mit der Nahrung aufgenommen werden, dauerhaft als eiserne Energiereserve ab. Bis auf das zehnfache ihrer Größe können dort Fettzellen anwachsen. Das senkrecht aufgehängte Bindegewebe aber bleibt stabil wie eine Säule stehen und sorgt für die unschöne Eindellung der Haut. Lediglich bei extrem schlanken und sportlichen Frauen lässt sich die Bindegewebsschwäche nicht feststellen, weil sie weniger Fettgewebe haben.

Insgesamt aber sei Cellulite ein natürlicher Zustand der Haut, sagt der Düsseldorfer Hautexperte Cornely. Krank ist daran also gar nichts. Doch auch das fehlende Krankheitsbild hält die meisten nicht davon ab, der Ansammlung von aufgeblähten Fettzellen an Po, Oberschenkeln, Hüfte, Bauch oder Armen mit allen nur erdenkbaren Methoden und Mitteln zu Leibe zu rücken.

Cremes und Body-Wrapping – es hilft nichts

Wer sich von teuren Anti-Cellulite-Cremes Linderung verspricht, ist ebenso schief gewickelt wie die, die mit Lichttherapie, Body-Wrapping oder Radiofrequenztherapie die Pfirsischhaut zurückholen wollen. Mit der verzweifelten Suche nach der Lösung des kosmetischen Problems wird jede Menge Geld gemacht. "Aber es hilft nichts", sagt der Hautexperte. Zumindest nicht nachhaltig.

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Warum das so ist, erklärt er so: Wer mit einer Massage das verdellte Gewebe bearbeitet, beobachtet wie es sich glättet. "Denn zwischen den Fettzellen lagert hormonell bedingt Flüssigkeit. Durch eine Massage verschiebt man sie und die Hautoberfläche wirkt glatter." Der Effekt bleibt jedoch nur erhalten, wenn er permanent wiederholt wird. Ist Schluss mit der Massagetherapie, ist das alte Problem wieder da, denn den feisten Fettzellen im Bindegewebe kommt man nicht bei. Geduld und Ausdauer zahlen sich aus und das unabhängig davon, ob es einfache Luffragurke ist, mit der man die Haut walkt und streicht, oder teure Anti-Cellulite-Roller.

Als wirksam hat sich daneben die so genannte Endermologie bewiesen. Sie ist eine Art Gymnastikprogramm für tiefer liegende Hautschichten. Dabei erzeugen Walzen, die über die Haut gleiten einen vakuumähnlichen Saugeffekt. Das Gewebe wird auf diese Art und Weise aufgelockert und entwässert. Dauerhaft verändert aber auch dieses Verfahren nichts.

Damit ist die Geschichte um eine erfolgreiche Cellulite-Behandlung beinahe schon zu Ende erzählt. "Andere Maßnahmen können nicht helfen, denn das Problem ist das Fett", sagt der Hautspezialist. Unnötiges Fett jedoch im Körper aufzulösen, ist nicht ohne. Würde man dies versuchen, würden die gelösten Lipide über das Lymphsystem in die Blutbahn geschwemmt und dort ein schweres Cholesterinproblem ergeben.

Gefährliche Fett-weg-Spritzen

Auf den Abtransport überschüssiger Fette über die Blutbahn setzt die Behandlung mit so genannten "Fett-Weg-Spritzen", auch Lipolyse genannt. Zugelassen sind die Injektionen mit dem Wirkstoff Lipostabil für den Anwendungsbereich der Cellulitebehandlung nicht. Seit mehreren Jahrzehnten wird er hingegen bei der Behandlung Cholesterinkranker eingesetzt, um Blutgefäße zu reinigen, die durch Fettpartikel verstopft sind.

Welche Wirksamkeit diese Injektionen bei Orangenhaut haben und welche unerwünschten Nebenwirkungen und Risiken sich damit ebenfalls ergeben, ist durch Studien noch nicht ausreichend belegt. Manuel Cornely warnt vor gravierenden Nebenwirkungen: "Löcher in der Haut, Nekrosen (Anmerk. Der Redaktion: also dem Absterben von Gewebe) und sogar Todesfälle sind in Zusammenhang mit dem Einsatz der Fett-weg-Spritze dokumentiert." Im Dunkeln liegt zudem, wie der Abtransport des Fettes überhaupt von Statten geht und wie das die Organe belastet. Kritiker sehen zudem die Gefahr gegeben, dass sich das Medikament unkontrollierbar im Gewebe verbreitet oder es zu allergischen Schockreaktionen kommt. Solch hohen gesundheitlichen Preis könnte eine Lipolyse haben, neben dem finanziell schweren – denn eine Behandlung kostet um die 300 Euro.

Einen kleinen Strohhalm gibt es jedoch für die, denen die Cellulite optisch stark zusetzt. Eine Ernährungsumstellung und mehr Sport können helfen die Fettmenge zwischen den Bindegewebsfasern zu reduzieren. Straff und glatt wird die Haut jedoch nie mehr.

Hier geht es zur Infostrecke: Sechs Fakten zu Cellulite

(wat)