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Risikogene entdeckt: Verbindung zwischen Neurodermitis und Asthma

Risikogene entdeckt : Verbindung zwischen Neurodermitis und Asthma

Unerträglicher Juckreiz und gerötete, oft entzündete Haut quälen rund sechs Millionen Menschen in Deutschland. Ein internationales Wissenschaftsteam hat in der bisher größten genetischen Studie zu Neurodermitis drei Gene identifiziert, die das Risiko erhöhen, daran zu erkranken. Eines davon erklärt die Verwandtschaft zu anderen atopischen Erkrankungen.

Eins von fünf Kindern in den westlichen Industrienationen leidet nach Aussagen des Forscher-Konsortiums unter der meist vererbten Krankheit. In acht von zehn Fällen tritt die Erkrankung zutage, bevor das Kind seinen fünten Geburtstag erreicht hat. Mediziner beobachten schon lange, dass häufig innerhalb von Familien mehrere Angehörige unter der atopischen Hauterkrankung leiden. Man ging davon aus, dass es darum eine genetische Veranlagung gibt, die weitervererbt wird.

Die Forscher des EAGLE Konsortiums, haben Gene gefunden, die das belegen. Zwei der Gene tragen dazu bei, die natürliche Hautbarriere aufrecht zu erhalten. Das dritte gefundenen Gen hat Auswirkungen auf die Immunregulation und beeinflusst auch die Entstehung von Asthma und Allergien.

Familiäre Belastung bewiesen

Den Ergebnissen der Studien nach bekommen sechzig Prozent der Kinder Neurodermitis, die ein Elternteil mit Ekzemen haben. Leiden beide Eltern unter der chronischen Hauterkrankung, liegt die Wahrscheinlichkeit dafür, dass das Kind die Krankheit auch entwickelt bei 80 Prozent.

Das atopische Ekzem, wie es auch genannt wird, geht häufig einher mit Nahrungsmittelallergien, Heuschnupfen, Asthma und einer Reihe anderer Erkrankungen. "Zwei Krankheitsgene, die wir gefunden haben und die bislang nie mit atopischer Dermatitis in Verbindung gebracht worden sind, haben wir nun zudem mit Asthma in Zusammenhang bringen können. Das beweist die enge Verbindung zwischen den beiden Krankheiten", erklärt Studienleiter und Dermatologen, Professor Stephan Weidinger von der Universität Kiel. Oftmals schlägt das, was bei Kindern noch Neurodermitis war später in andere atopische Erkrankungen wie Asthma Bronchiale, Heuschnupfen oder Nahrungsmittelallergien um.

Hoffnung auf Gentests zur Risikoabschätzung

Im Rahmen der bisher weltweit umfassendsten genomweiten Studie wurden über 10.000 Neurodermitis-Patienten und 40.000 gesunde Vergleichspatienten untersucht. "Unsere Ergebnisse ermöglichen es, die genetischen Ursachen von Neurodermitis besser zu verstehen. Damit können wir nicht nur Tests für genauere Risikoabschätzungen entwickeln, sondern auch neue Präventions- und Behandlungsansätze ableiten," sagt Dr. Joachim Heinrich, Initiator des multizentrischen Forschungsprojektes und kommissarischer Leiter des Instituts für Epidemiologie am Helmholtz Zentrum München.

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Ausgewertet wurden dazu Daten von 26 Kohorten aus 12 Ländern, darunter Australien, Kanada, USA sowie neun europäischer Staaten.

Neurodermitis ist mit einer Häufigkeit von ca. 20 Prozent bei Kindern und ca. 5 Prozent bei Erwachsenen in westlichen Industrienationen eine der häufigsten chronischen Hauterkrankungen. Sie geht oft der Entwicklung von Heuschnupfen und Asthma voraus. Ein großer Teil des Risikos, Neurodermitis und Allergien zu entwickeln, wird vererbt. In Kombination mit Umwelteinflüssen kommt es zur Krankheitsentstehung. Fachleute des Bundesverbands Neudrodermitiskranker Deutschland gehen davon aus, dass die Zahl der Erkrankten Jahr für Jahr mit einer Zuwachsrate von 7 bis 10 Prozent ansteigt.

Hier geht es zur Infostrecke: Neurodermitis - Fakten und Tipps

(wat)